Salzkotten Ältestes Haus könnte umziehen

Stadt Salzkotten und Accent-Gruppe arbeiten an gemeinsamer Lösung für Wüst-Fachwerk von 1563

VON KARL FINKE
Auf zwei Außenfassaden zeigt das älteste Salzkottener Haus Wüst noch die alten Fachwerkstrukturen. Bei den zwischenzeitlichen Plänen für einen integrativen Kindergarten fehlten nach Auskunft der Beteiligten erforderliche Freiflächen zum Spielen. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Auf zwei Außenfassaden zeigt das älteste Salzkottener Haus Wüst noch die alten Fachwerkstrukturen. Bei den zwischenzeitlichen Plänen für einen integrativen Kindergarten fehlten nach Auskunft der Beteiligten erforderliche Freiflächen zum Spielen. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Salzkotten. Der Plan schien zu passen. Eine Kindertagesstätte des Caritasverbandes für behinderte und nicht behinderte Kinder im Haus Wüst hätte junges Leben und qualifizierte Arbeitsplätze in die Salzkottener Altstadt gebracht. "Das Konzept ist von allen Fachleuten positiv begleitet worden", so Michael Sprink, Vize-Bürgermeister. Am Ende fehlte vor allem eine nahe Freifläche zum Spielen. Der Kirchenvorstand sagte "nein".

Dem ältesten Haus der Stadt droht nachwievor der Abriss. Dafür hatte der neue Eigentümer, das Salzkottener Accent Bau- und Handelshaus (Gubitz/Niggemeier), vom Bauausschuss der Stadt 2007 schon die Genehmigung erhalten. Dann entdeckte der Heimatverein Gebäudeteile, die später nachweislich aus dem Jahr 1563 stammten. Das von Salinator Friedrich Penning errichtete Haus in der Klingelstraße wurde unter Denkmalschutz gestellt. Die gerichtliche Klage dagegen ist beim Verwaltungsgericht in Minden noch nicht entschieden.

"Ich finde das Haus Wüst im Vergleich mit anderen substanziell sehr schlecht", argumentiert Architekt Werner Niggemeier. Wirtschaftlich lasse sich ein Erhalt für Wohnzwecke nicht darstellen. Die Ansprüche bezüglich Wärmeschutz, Schallschutz und Brandschutz seien heute höher, als mit der historischen Substanz in Einklang zu bringen sei. "Alles würde eingepackt", so Niggemeier, der mit dem Unternehmen andere Fachwerkprojekt wie das Haus Bußmann (betreutes Wohnen) umgesetzt hat: "Sie brauchen dafür schon einen Verrückten."

"Wir suchen eine einvernehmliche Lösung mit dem Denkmalamt in Münster und dem Hauseigentümer", sagt Ulrich Berger, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Die Stadt versuche "einen Spagat". Accent habe das Haus Wüst seinerzeit unter anderen Voraussetzungen - ohne Denkmalschutz - erworben. Zu einer denkbaren Alternative zählt Berger dies: "Man baut es woanders wieder auf."

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat der Stadt Salzkotten gerade eine Fristverlängerung gewährt. Die obere Denkmalbehörde will bis zum Sommer Antworten auf zwei Fragen: Gibt es Kaufinteressenten? Und ist eine so genannte Translozierung möglich? Es gibt heute Verfahren, mit denen nicht nur Balken an anderer Stelle wieder aufgerichtet, sondern größere Gebäudeteile versetzt werden können.

Für Marianne Witt-Stuhr, Vorsitzende des Heimatvereins, ist das Haus Wüst kein einzelnes "Sorgenkind". Aus ihrer Sicht gibt es in der Altstadt ein Strukturproblem. Mit einem Erhalt des Hauses Wüst am angestammten Platz könne das Problemquartier weiter aufgewertet werden - in diesem Fall mit einem "prächtigen Salinatorenhaus".

In Salzkotten fehle es nach wie vor an einem Konzept für eine solche Entwicklung. Andere Städte, meist Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Historischer Stadtkerne - dazu zählt Salzkotten nicht, würden vormachen, wie sich in alter Bausubstanz auch attraktive Wohnungen vermarkten lassen. In Salzkotten seien nicht zuletzt am Marktplatz "gesichtslose" Häuser entstanden: "Die könnten überall stehen."

Für ein Nutzungskonzept wie einen Caritas-Kindergarten waren bereits 1,2 Millionen Euro an Zuschüssen in Aussicht gestellt worden. "Die Lage dafür war völlig ungeeignet", argumentiert Pfarrer Hans-Josef Rüsing.

Der Verkehr in der Klingelstraße wäre damit aus seiner Sicht "zum Stillstand gekommen" und die angestrebte Spielfläche am Pfarrheim zu weit entfernt gewesen. Vize-Bürgermeister Michael Sprink, Mitglied im Kirchenvorstand, meint zu der Absage: "Meine Entscheidung war das nicht."

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