Das rote "Cube" an der Mühlenstraße wird Ende des Jahres schließen. Der Schirm vorne im Mülleimer ist schon jetzt den ersten Herbststürmen zum Opfer gefallen. - © FOTO: ROLAND MAORO
Das rote "Cube" an der Mühlenstraße wird Ende des Jahres schließen. Der Schirm vorne im Mülleimer ist schon jetzt den ersten Herbststürmen zum Opfer gefallen. | © FOTO: ROLAND MAORO

PADERBORN Einzige Disco für Subkultur macht dicht

Mietvertrag für das "Cube" gekündigt / Fans der alternativen Gitarrenmusik fühlen sich alleine gelassen

12.10.2011 | Stand 11.10.2011, 19:05 Uhr

Paderborn (rom). Seltene Pflanzen blühen meist im Verborgenen, müssen nicht unbedingt schön sein und haben leider oft eine kurze Lebensdauer. So schließt jetzt das Cube, Paderborns einzige Disco für Subkultur, seine Pforten.

Äußerlich etwas abgewetzt steht der dicke, rote Block des Cube an der Mühlenstraße, kurz vor dem frisch renovierten Ükernplatz. In den 90er-Jahren residierte hier mal das "Red House" dem später der "Red Club" folgte. Eine Spielstätte für gute Gitarrenmusik abseits des Mainstream war Paderborn schon mit dem Untergang des "Red House" abhanden gekommen. Ein Angebot, das auch der Musik-Student Nicolas Schiffer schmerzlich in seiner Heimatstadt vermisste.

Im April 2007 baute Schiffer die leerstehende Disco mit viel Eigenarbeit und der Hilfe zahlreicher Freunde zum "Cube" um. Neben dem musikalischen Know-How verfügte Schiffer nach dem Besuch eines Kulturmanagement-Seminars auch über die notwendigen betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Direkt nach dem Abschluss des Studiengangs "Populäre Musik und Medien" wurde der Student Schiffer zum Chef seines eigenen Unternehmens. Im Cube versammeln sich seitdem die Fans, die bei den üblichen Frohsinns-Hitparaden der normalen Discos nicht auf ihre Kosten kommen.

Anspruchsvolle Gitarrenmusik hat sich Schiffer auf die Fahnen geschrieben. Alternative, Electro, Hardcore, Indie und Metal drehen im Cube auf den Plattenteller. Dazu viele Live-Auftritte mit Bands, von deren Existenz ein "Rock- und Pop-Normalo" wohl noch nie gehört hat, deren Namen er kaum aussprechen, geschweige denn richtig schreiben kann: "Hara-Kee-Rees" ist da noch ein harmloses Beispiel.

Vor kaum einer Woche gastierte noch das Festival "Musica sacra" im Cube. Paderborner Musiker mischten bei "Bach goes Vodou" die Klassik kräftig auf. Der Publikumsandrang war so groß, dass nicht alle Interessenten hinein passten. Ein schönes Beispiel, wie alte Meister und ganz heiße Moderne unter dem Dach von zeitloser Musik harmonisch zueinander finden.

Dieser Aufstieg zu Festival-Weihen bewahrt das Cube nicht vor dem Aus. Betreiber Nicolas Schiffer flatterte jetzt die Kündigung des Mietvertrages auf den Tisch: "Für den März 2012. Aber wir werden schon Ende des Jahres zumachen. Für die paar Wochen bis März werden wir kein weiteres Programm auf die Beine stellen." Was aus dem Cube werden soll, weiß Schiffer nicht. Der Besitzer Paul Robrecht von der gleichnamigen Paderborner Immobilienfirma war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für Nicolas Schiffer ist die Schließung des Cube kein Sturz ins Bodenlose. Seit einiger Zeit betreibt er das "Capulet" an der Franziskanermauer. Auch hier steht Live-Musik auf dem Programm, darüber hinaus Lesungen, Schauspiel und andere kulturelle Veranstaltungen.

Schiffer hält zwar Ausschau nach neuen Räumen für einen Cube-Nachfolger. Die Chancen, in Paderborn fündig zu werden, schätzt er allerdings nicht besonders hoch ein. Auch die Kulturwerkstatt als mögliches Ausweichquartier sieht Schiffer eher skeptisch: "Es ist schwierig, Termine zu bekommen. Außerdem fehlt die Club-Atmosphäre, die das besondere Feeling im Cube ausmacht. Und in der Kulte ist um 1 Uhr auch schon Schluss."

"Because we are your friends, you’ll never be alone again" – weil wir deine Freunde sind, wirst du nie wieder alleine sein – mit diesem Zitat aus einem Song der Band "Simian" hat sich das Cube auf seiner Homepage schon von den treuen Fans verabschiedet. Einige von ihnen fühlen sich jetzt wohl doch alleine gelassen. "Ich fasse es nicht!", so ein Kommentar auf der Cube-Page, "So viele schöne Erinnerungen an die letzten Jahre und nun schmeißt man diese Familie aus dem Haus. Ich trauere schon jetzt." Und ein anderer Fan kündigt klipp und klar an: "Dann werde ich 2012 wohl Paderborn verlassen müssen." Wie Nicolas Schiffer seine Stammkunden kennt, so sei das durchaus ernst zu nehmen . . .

Infos zur Zeit noch im Internet unter: www.cube-pb.de

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