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PADERBORN-BENHAUSEN "Uns ist der Spatz in der Hand wichtiger"

Streit um Probleme mit dem Bahnverkehr

VON WOLFGANG STÜKEN
14.07.2011 | Stand 13.07.2011, 19:32 Uhr

Paderborn-Benhausen. Der Rat wird in der heutigen letzten Sitzung vor der Sommerpause Bürgermeister Heinz Paus beauftragen, mit dem Land NRW zu verhandeln, wie die Benhauser Probleme mit der Deutschen Bahn gelöst werden können. Lange Schließzeiten der Schranken können dort im Notfall zu einem ernsten Hindernis für den Rettungsdienst werden. Ein Hindernis für den öffentlichen Nahverkehr sind sie schon lange. Und diese Schranken werden sich angesichts der geplanten Vervierfachung des Güterverkehrs auf der Strecke Altenbeken-Paderborn künftig noch häufiger senken als bisher.

Wie jedoch der genaue Verhandlungsauftrag an Heinz Paus lauten wird, darüber konnte der Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt am Dienstag keine Einigung erzielen. Mit zwölf gegen sieben Stimmen bildete sich eine Mehrheit aus den Oppositionsfraktionen plus FDP, die dem Antrag der SPD folgte, wegen einer noch ungeklärten wichtigen Frage im Bauausschuss noch nicht abzustimmen. Damit landet der Punkt ohne Empfehlung des Fachausschusses heute auf dem Tisch des Rates.

Die SPD möchte bis dahin durch eine Rückfrage der Stadt bei der DB geklärt wissen, mit welchen Kosten die Bahn für eine Sanierung des Benhauser Bogens kalkuliert. Dort hat die Belastung durch schwere Züge zu Setzungen in der Gleistrasse geführt, die sich um jährlich zwei Zentimeter vergrößern.

Offenbar vermuten die Sozialdemokraten, dass eine Sanierung des Bogens viele Millionen verschlingt. Dann aber könnte die von Bund und Bahn auf den St. Nimmerleinstag verschobene Beseitigung des Benhauser Bogens als Alternative wieder aktuell werden. Eine südlich an Benhausen vorbei führende begradigte Trasse, wie sie seit Jahren im Regionalplan und im Paderborner Flächennutzungsplan vorgemerkt ist, würde den Bau von Unterführungen an der heutigen Strecke überflüssig machen.

Der von der Verwaltung vorgeschlagene Verhandlungsauftrag an den Bürgermeister zielt darauf ab, einerseits weiter auf die Umsetzung der Streckenbegradigung zu pochen. Zugleich aber solle Paus gegenüber dem Land - die Eggestraße ist eine Landesstraße - auf eine rasche Beseitigung des Bahnüberganges Eggestraße und den Bau einer Straßenunterführung drängen. Die CDU wollte diesen Auftrag erweitern. Gleichzeitig solle auch eine Unterführung am östlichen Bahnübergang Richtung Neuenbeken mit geplant werden, denn dort seien die Schließzeiten der Schranken noch länger als an der Eggestraße, sagte stellvertretender CDU-Fraktionschef Daniel Sieveke. Von einer Begradigung des Benser Bogens hätten die Bahn und die Bundesregierung für "die nächsten 25 bis 30 Jahre" Abstand genommen, lautete sein Kenntnisstand. Reinhard Borgmeier (Demokratische Initiative) dagegen warnte: "Nachher fangen wir an, für Unterführungen zu buddeln und die Bahn entscheidet sich plötzlich anders."

Der Neuenbekener SPD-Ratsherrn und Ortsvorsteher Helmut Pütter versuchte, den Verhandlungsauftrag an Paus um Aspekte seines Ortsteils zu erweitern. Die CDU war davon wenig begeistert. Pütter argumentierte, die Setzungen am Benhauser Bogen hätten dazu geführt, dass schwere Güterzüge Richtung Paderborn schon ab der Ausfahrt aus dem Altenbekener Bahnhof bremsen müssten, und dieses Bremsen führe zu einer erheblichen Lärmbelastung für den im Tal liegenden Stadtteil Neuenbeken. Deshalb forderte Pütter, es gelte "die Verursachung des Bremens" zu beheben - oder aber für Neuenbeken einen mindestens einen Meter hohen Lärmschutz entlang der Bahnstrecke zu bauen.

Nicht Lösungen "in Klein-Klein", sondern die Begradigung des Benser Bogens müsse weiter das vordringliche Ziel der Stadt sein, meinte der Grüne Stefan Schwan. Daniel Sieveke (CDU) dagegen verteidigte die nach seiner Ansicht machbaren Unterführungslösungen: "Uns ist der Spatz in der Hand wichtiger als die Taube auf dem Dach." Pütters Forderungen hätten mit den Unterführungen "gar nichts zu tun".

An einer Begradigung des Bahnbogens seien in der Vergangenheit "verschiedene Politiker jedweder Coleur gescheitert", unterstützte CDU-Fraktionschef Markus Mertens seinen Kollegen Sieveke. Was die CDU fordere, sei "keine optimale Lösung, aber eine sehr gute". Wenn die SPD dagegen weiter Tauben nachjage, "können Sie das tun - wir bleiben beim Spatzen", sagte Mertens an die Adresse der Sozialdemokraten.

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