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Eine von drei Kliniken in Paderborn: Das St. Vincenz-Krankenhaus. - © Marc Köppelmann
Eine von drei Kliniken in Paderborn: Das St. Vincenz-Krankenhaus. | © Marc Köppelmann

Paderborn "Schlichtweg Unsinn": Paderborner Krankenhäuser lehnen Schließungen ab

"Strukturen müssen den jeweiligen Bedingungen angepasst werden", fordert Verbandspräsident Josef Düllings

Hans-Hermann Igges
17.07.2019 | Stand 16.07.2019, 20:59 Uhr

Paderborn. Auf harsche Kritik bei den Paderborner Krankenhäusern stößt die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Krankenhaus-Versorgung in Deutschland. Demnach müsste mehr als die Hälfte der heute 1.400 Häuser im Sinne einer besseren Versorgung der Patienten geschlossen werden. Diese sollte sich auf nur rund 600 Häuser konzentrieren. "Das ist schlichtweg Unsinn. Bertelsmann ist dabei, seinen guten Ruf zu verspielen", kommentiert Josef Düllings den Vorstoß. Er ist nicht nur Hauptgeschäftsführer des Paderborner St. Vincenz Krankenhauses, sondern auch Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands. Hinter seiner gewichtigen Stimme versammeln sich alle drei Paderborner Krankenhäuser, also auch das Brüderkrankenhaus St. Josef und das St. Johannisstift. Insa Vogt, Sprecherin des St. Johannisstift: "Wir sind in der Beurteilung der Studie einer Meinung." Düllings stellt sich als VDK-Präsident ausdrücklich jedoch hinter den Vorschlag der Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Dabei gehe es um den Ausbau einer flächendeckenden Infrastruktur. Als Beispiel werde auch auf Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen als wichtige Standortfaktoren verwiesen, die entscheidend seien für die Lebensqualität der dort lebenden Menschen, so Düllings in einer Erklärung. Anker der Versorgung Düllings folgert daraus: "Strukturen müssen den Notwendigkeiten in den jeweiligen Regionen entsprechend weiterentwickelt werden. Dabei müssen ambulanten und stationäre Leistungen endlich besser miteinander vernetzt werden." Gerade in ländlichen Gebieten seien Krankenhäuser Anker einer funktionierenden Gesundheitsversorgung. Düllings: "Sie übernehmen vielfach schon jetzt Leistungen, für die der niedergelassene Bereich zwar zuständig ist, die er aber vor allem durch den Ärztemangel nicht zeitnah zur Verfügung stellen kann. Diese Strukturen zu zerschlagen, wäre abenteuerlich." Vielmehr müsse diesen Kliniken die Verantwortung für die ambulante Versorgung übertragen werden, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen schon seit langem nicht mehr sichergestellt werden könne. Das sei wirtschaftlicher und im Sinne der Patienten, die dann nicht von einem Leistungserbringer zum anderen geschickt werden müssten. "Nähe zu Angehörigen ist wichtig" Düllings, als Hauptgeschäftsführer des St. Vincenz Krankenhauses auch Chef des mit 222 Betten eher kleinen St. Josef-Krankenhauses in Salzkotten, wehrt sich auch gegen ein "Schlechtreden kleiner Krankenhäuser". Diese böten neben einer Grundversorgung vielfach auch hochspezialisierte Leistungen. So ist Salzkotten seit langem bekannt für seine Orthopädie; Geriatrie und Frauenheilkunde sind als weitere Schwerpunkte geplant. "Für die Patienten, insbesondere die älteren, die wir zu großen Teilen versorgen, ist die Nähe zu den Angehörigen und ihrem Wohnort wichtig. Für sie kommt es nicht in Frage, weite Strecken für einen Krankenhausaufenthalt zurückzulegen. Die Studie bezieht sich primär auf den Raum Köln und ist nicht deutschlandweit übertragbar. Sie verunsichert unnötig Menschen in der Region", sagt Ute Panske aus der Geschäftsführung des Ev´. Krankenhauses St. Johannisstift.

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