Will etwas bewegen: Karsten Hink gehört zu einer Gruppe engagierter Eltern, die eine Bildungsalternative für Kinder in und um Paderborn schaffen möchte. - © Holger Kosbab
Will etwas bewegen: Karsten Hink gehört zu einer Gruppe engagierter Eltern, die eine Bildungsalternative für Kinder in und um Paderborn schaffen möchte. | © Holger Kosbab

Paderborn Eltern wollen in Paderborn eine Schule ohne Noten und Klausuren gründen

Initiatoren suchen Gleichgesinnte aus Stadt und Kreis Paderborn. Vielleicht kann es schon 2020 losgehen

Sabine Kauke
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 13:04 Uhr |

Paderborn. 45 Minuten-Stunden, starre Themenvorgaben, volle Klassen, Konkurrenzdruck, Klausuren, Zeugnisnoten. Viele Schüler kommen problemlos mit den Rahmenbedingungen des Schulalltags zurecht. „Es gibt aber auch viele Kinder, die in der Regelschule nicht gut klar kommen, die andere Voraussetzungen zum Lernen brauchen. Darum muss es Wahlmöglichkeiten geben", sagt Karsten Hink. Gemeinsam mit einigen Familien möchte der Lehrer eine Alternative zum Angebot in Paderborn schaffen: Die erste Freie Demokratische Schule für die Primar- und Sekundarstufe I. Jedes Schulmitglied hat eine Stimme Eine Freie Schule ist grundsätzlich eine Ersatzschule in privater Trägerschaft, in diesem Fall von Eltern. Die Freie Demokratische Schule ist eine spezielle Form: es gibt keinen verbindlichen Lehrplan und schulische Belange werden basisdemokratisch geregelt. „Jedes Kind, jeder Lehrer, Erzieher, Sozialpädagoge und sonstige Schulangestellte hat eine Stimme", sagt der Initiator. Und die Eltern werden über den Förderverein ins Boot geholt. In NRW steckt die erste Schule dieser Art in Düsseldorf gerade im Genehmigungsverfahren, bundesweit gibt es aktuell etwa 50 solcher Bildungsangebote. Wer lesen will, muss es lernen „Unser Konzept beruht darauf, dass Kinder von Natur aus lernen und sich entwickeln möchten. Doch jedes Kind ist anders, hat sein eigenes Tempo, eigene Interessen und Stärken. Das kann im Regelunterricht nicht immer ausreichend berücksichtigt werden", sagt Karsten Hink, der an einer Paderborner Schule Deutsch und Sport unterrichtet. In der Privatschule sollen Kinder hingegen frei ihren Tag planen und eigenen Lerninteressen nachgehen. „Kann schon sein, dass einer dann erst mal ein halbes Jahr lang Fußball spielt", lacht der Initiator. Aber Kinder lernten dann effizient und mit Spaß, wenn sie einen Sinn darin sehen. „Wer die Lego-Bauanleitung verstehen will, muss eben Lesen lernen. Lernen hat immer etwas mit Motivation zu tun." Angst und Leistungsdruck hingegen verhinderten ein effektives Lernen. Altersmischung und Eigenverantwortung Angeboten werden sollen alle lehrplanrelevanten Fächer in Form altersgemischter Kurse. Die Teilnahme ist freiwillig und jeder Schüler entscheidet selbst, wann er wieder aussteigt. Wer gerade keine Lust auf Gedichte hat, arbeitet es nach. Viel Eigenverantwortung ist also gefragt. Schüler lernen, so der Pädagoge, nicht nur von Lehrern oder anderen Mitarbeitern, von externen Experten und aus didaktischem Material, sondern auch von älteren Schülern. „Wir wollen Schlüsselkompetenzen vermitteln, kein Auswendiglernen", sagt Hink, der zweifacher Vater ist. Und wenn ein Kind Unterstützung brauche, bekomme es sie. Wer eine Klausur schreiben möchte, kann das auf Anfrage tun und bekommt anschließend einen Bericht in Textform. Noten gibt’s nicht. „Ziffern sagen nicht viel aus, schon gar nicht über die Persönlichkeit." Und wer seinen Sekundar-I-Abschluss machen will, wird individuell darauf vorbereitet, legt die Prüfung aber an einer Regelschule ab. So ist es jedenfalls geplant, Details sind für NRW noch zu klären. „Laut Statistik erreichen die Absolventen ähnliche bis bessere Schulabschlüsse", sagt der 38-Jährige, der im niedersächsischen Heckenberg an einer Freien Schule hospitiert hat. Wie hoch ist das Schulgeld? Starten will die Freie Demokratische Schule Paderborn, für die die Initiatoren bereits Räume im Blick haben, am liebsten schon im nächsten Sommer mit 25 Kindern. Weil dafür alle erforderlichen Unterlagen bis zum Jahresende 2019 bei der Bezirksregierung in Detmold vorliegen müssten, könnte das zeitlich allerdings eng werden. „Wir suchen Eltern, die mitmachen wollen und unterstützen", erklärt Karsten Hink. Und wie hoch ist das Schulgeld? Der Träger muss 13 Prozent der Kosten selbst aufbringen und setzt auch auf Sponsoren. Die Höhe des Elternbeitrags wird nach Einkommen gestaffelt und soll möglichst 200 Euro im Monat nicht übersteigen.

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