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Freudetrunken: Zum Paderborn-Lied recken die Fans ihre Schals in die Höhe – „Meine Stadt, ich liebe dich."  - © Besim Mazhiqi
Freudetrunken: Zum Paderborn-Lied recken die Fans ihre Schals in die Höhe – „Meine Stadt, ich liebe dich."  | © Besim Mazhiqi

Paderborn So schön feierte Paderborn den SCP-Aufstieg

Knapp 15.000 SCP-Anhänger verwandeln die Innenstadt in eine Fanmeile

Svenja Ludwig
21.05.2019 | Stand 21.05.2019, 15:13 Uhr |

Paderborn. „Nie mehr 2. Liga", grölen knapp 15.000 begeisterte Fußballkehlen vor dem Rathaus. Zur Aufstiegsfeier des SC Paderborn ist die City gerammelt voll. Die Fans singen, feiern und bejubeln ihr Team – selbst als es beginnt, wie aus Kübeln zu gießen. „Das ist traumhaft", sagt SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger, „bei strömendem Regen so eine Stimmung, das ist einfach absolut geil." Die SCP-Anhänger kommen nicht auf die Idee, sich vom Regen vertreiben zu lassen. Sie war bei 35 Grad beim Spiel in Darmstadt dabei, nun feiert sie den Aufstieg im Regen, sagt Walburgis Kleinschnittger aus Bad Wünnenberg-Fürstenberg: „Ich bin da, egal bei welchem Wetter." Aber auf Anfang: Die ersten Fans pilgern schon um die Mittagszeit in die Paderborner City. Damit sie einen guten Platz bekommen, wenn es ernst wird. „Seit 14 Uhr bin ich hier", berichtet Paderborn-Fan Niklas Ademmer. Drei Stunden später wird es vor dem Rathaus richtig voll. Einigen Paderbornern steckt das Zitterfinale gegen Dresden allerdings noch in den Knochen. „Das war ein Krimi, spannend bis zum letzten Moment", sagt Edith Bentin. Umso größer ist die Begeisterung. „Ich finde es einfach toll, dass sie es geschafft haben." „Ich freue mich, dass Paderborn in die 1. Liga kommt", sagt Jayden (8), der mit Bruder Milow und seinen Eltern Lydia und Sven Bender sehnsüchtig auf die Mannschaft wartet. Besonders freut er sich auf Philipp Klement, Sven Michel und Leopold Zingerle – und „auf ein neues Trikot". Denn immer wenn der SCP im Oberhaus spielt, bekommt Jayden ein Leibchen. Zeit wird’s, das Jersey von 2014 sitzt doch ein bisschen eng. Der Achtjährige ist einer der wenigen, der Lieblinge im Team hat. Viele andere begeistert besonders das Kollektiv. „Das sind keine Einzelspieler, sie haben als Mannschaft gespielt", lobt beispielsweise Elisabeth Stollburges. Auch Fabian Bouma findet den „Zusammenhalt in der Mannschaft sehr gut" – allerdings stellt er auch die Leistung von Trainer Steffen Baumgart und Sportdirektor Markus Krösche heraus. Es wäre schade, wenn Krösche ginge. „Der hat doch bei Schalke unterschrieben", mutmaßt Boumas Vater. „Nee", meint Fabian, „es wird eher Leipzig." Der vielleicht emotionalste Moment gilt dem verstorbenen Präsidenten Wilfried Finke. „Ich werde ihn vermissen", sprach Stadionsprecher Jürgen Lutter aus, was in vielen Paderborner Fußballherzen vorgeht. Und SCP-Präsident Elmar Volkmann stellt in Aussicht, dass eine Straße am Stadion in Wilfried-Finke-Allee umgetauft wird. Als die Spieler eintreffen, stehen die Fans Schulter an Schulter bis zur Mariensäule. Sie skandieren „Wir sind alle Paderborner Jungs", „Hermann Löns, die Heide, Heide brennt" und ja, die Paderborner schicken auch noch einmal ein dickes Dankeschön ins Ruhrgebiet. Schließlich hatte der VfL Bochum mit dem 2:2 gegen Union Berlin den Aufstieg erst möglich gemacht. Die Fans halten zu Herbert Grönemeyers „Bochum" ihre Schals in den Himmel und Bürgermeister Michael Dreier verspricht, eine Ladung Paderborner Goldpilsener tief in den Westen zu schicken. Nachdem die Aufstiegshelden sich alle nacheinander brav ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatten – die blau-schwarze Menge wurde langsam ungeduldig: „Wir wollen die Mannschaft sehen!" – kommen sie endlich. Im mittlerweile strömenden Regen geleitet die Stimme von Stadionsprecher Jürgen Lutter die Fußballer auf die Bühne. Die Spieler jubeln und tanzen. Einige machen mit dem Publikum Laola, andere sorgen mit freiem Oberkörper für Begeisterung. Als den Spielern bereits das Wasser aus den Haaren rinnt, betritt Coach Steffen Baumgart die Bühne und wird von seinen Jungs mit Bierduschen aus allen Richtungen begrüßt. Stilecht, wie es Fußballhelden gebührt.

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