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Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen bewiesen zahlreiche Läuferinnen und Läufer viel Ausdauer. - © Kristoffer Fillies
Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen bewiesen zahlreiche Läuferinnen und Läufer viel Ausdauer. | © Kristoffer Fillies

Paderborn Teilnehmerrekord beim Paderborner Osterlauf geknackt

Insgesamt gingen am Maspernplatz in Paderborn mehr als 12.000 Athleten an den Start

Viktoria Bartsch
20.04.2019 | Stand 22.04.2019, 11:33 Uhr |
Uwe Müller

Jochem Schulze

Paderborn. Viel Hitze, wenig Schatten beim 73. Paderborner Osterlauf. Das sorgte dafür, dass einige der Hobbyläufer total ausgepowert und mit gequältem Blick ins Ziel kamen – nach einer kurzen Erholungsphase und ein paar Schluck Wasser änderte sich das aber meist. Der Stolz über das Erreichte überwog. Hochzufrieden waren auch die Ausrichter vom SC Grün-Weiß Paderborn und der Stadt Paderborn. Die konnten am Karsamstag einen neuen Rekord verbuchen. Mit 12.263 Teilnehmern wurde die alte Bestmarke von 11.702 aus dem Jahr 2016 klar überboten. "Das ist ein Wahnsinn. Wir sind sehr begeistert", sagte Organisationsleiter Christian Stork nach dem Zielschluss. Trotz der sommerlichen Temperaturen legten vor allem die afrikanischen Läufer auf den ersten Kilometern der Zehn-Kilometerstrecke eine bärenstarke Zeit vor – doch der 2017 vom Kenianer Benard Kimeli aufgestellte Streckenrekord von 27:18 Minuten wackelte nicht. Der Äthioper Yasin Hajy gewann in starken 27:53 Minuten hauchdünn durch einen fulminanten Schlussspurt vor seinem Landsmann Ashenafi Weldegiorgis (27:54 Min.). Der 23-jährige Hajy lief wie ein Uhrwerk, denn er legte exakt die selbe Zeit hin, mit der er vor einer Woche Dritter beim Residenzlauf in Würzburg wurde. Und der Zweitplatzierte Moges Weldegiorgis (24) verbesserte in Paderborn seine persönliche Bestzeit (28:30 Min.) deutlich. In Würzburg ließ der Kenianer Lawi Kosgei noch den Paderborner Sieger hinter sich. An die starken 27:39 Minuten kam er diesmal aber nicht heran, mit 28:00 Minuten wurde der 20-Jährige Dritter. Der schnellste Nicht-Afrikaner war Jens Mergenthaler vom SV Winnenden, der als Zwölfter (29:17 Min.) die Ziellinie überquerte. Der Schnellste Ostwestfale war Adam Janicki, der mit 32:03 Minuten 30. wurde. Janicki ist Bielefelder, läuft für den SV Brackwede und studiert in Paderborn – mehr OWL geht wohl nicht. „Ich bin total zufrieden. Ich habe sogar meine Bestzeit um 17 Sekunden steigern können. An die Gruppe vor mir habe ich mich oft versucht ranzutasten, aber mehr ging einfach nicht", so der 30-jährige Sport- und Geschichtsstudent. Sein Teamkollege Robiel Weldemichael wurde 36. in 32:55 Minuten. Der Beste aus dem Hochstift war Christoph Dohmann von Non Stop Ultra Brakel, der 41. in 33:10 Minuten wurde. 22 Sekunden nach ihm traf sein Vereinskollege Michael Brand ein, der 45. wurde. „Es war heute schwer, aber die Zeit ist okay, bei der Wärme hatte ich eine 33er angepeilt", so Brand. Der drittschnellste Hochstiftläufer war Christian Gemke aus Vinsebeck. Der 37-jährige Polizist, der für die LAZ Rhein-Sieg läuft, wurde in 33,45 Minuten 46. Mit seiner Zeit war er nicht zufrieden: „Das Wetter ist nicht meins, zudem machte mir meine Allergie auch zu schaffen. Eigentlich hatte ich mir eine hohe 31er Zeit vorgenommen", meinte Gemke. Ohne Kochkleidung und Topf Mit Kochoutfit und einem drei Kilo schwerem Kochtop in der Hand rannte Jan Kaschura (Runartist Holzminden) vor kurzem beim Marathon in Hannover ins Guinnessbuch der Weltrekorde. In Paderborn reichte es für ihn – ohne Kochkleidung und Topf – zu Rang 49 in 34:10 Minuten. Überraschend gar nicht ins Ziel kam Amanal Petros. Der Bielefelder hatte sich auf dem Kurs in Paderborn, der als einer der schnellsten in Deutschland gilt, vorgenommen seine Bestzeit (28:49 Min.) zu knacken. Er musste nach etwa sechs Kilometern aufgrund von Atemproblemen aussteigen. Bei den Frauen standen über zehn Kilometer nicht die drei auf dem Treppchen im Blickpunkt, sondern Gesa Felicitas Krause. Die zweifache Europameisterin über 3.000-Meter Hindernis war das Aushängeschild des 73. Paderborner Osterlaufs. Und sie enttäuschte nicht in der international hochklassig besetzten Frauen-Konkurrenz. Sie schrammte nur knapp an ihrer vier Jahre alten Bestmarke von 33:29 Minuten vorbei – in 33:32 Minuten wurde sie Zehnte und damit auch beste Deutsche. Ihre starke zweite Streckenhälfte, die sie in 16:40 Minuten abspulte, unterstreicht ihre gute Form. „Es war sehr hart direkt aus dem Training kommend zu laufen. Aber mit der Zeit bin ich zufrieden. Es war nicht phänomenal, aber in Ordnung", meinte die 26-Jährige, die für Silvesterlauf Trier startet. Alemtsehay Asefa Kasegn aus Äthiopien gewann das Frauenrennen deutlich – nach 31:36 Minuten hatte sie im Ziel 14 Sekunden Vorsprung auf Alemaddis Eyayu Sisay. Nele Weike vom SV Brackwede war beste OWL-Läuferin auf Platz 22 (37:53 Min.). Stark unterwegs war auch Kiara Nahen vom LC Paderborn. Die Bad Driburgerin gewann ihre Altersklasse U18 in 38:40 Minuten und wurde im Gesamtklassement 27. Aber auch Katharina Kleemann aus Borchen (39:10 Min.) und Sarah Metz vom VfB Salzkotten (40:25 Min.) überzeugten bei ihrem Heimspiel. Plätze klar verteilt Knappe 280 Kilometer nahm Max Schröter von Hamburg Running auf sich, um beim Fünf-Kilometer-Lauf zu starten. Die lange Anreise lohnte sich – der Hamburger (Jahrgang 1993) gewann in flotten 15:17 Minuten vor Fritz Koch aus Münster (15:27 Min.). Bei den Frauen machten Jana Palmowski und Lea Weike, beide vom SV Brackwede, den Sieg unter sich aus. Palmowski überquerte die Ziellinie nach 17:56 Minuten, Weike benötigte 18:04 Minuten. Sechs Afrikaner hintereinander, darauf folgten sieben Deutsche – beim Halbmarathon waren die Plätze klar verteilt. Victor Kiplangat aus Uganda gewann mit fast zwei Minuten Vorsprung (1:01:44 Std.) vor Yonas Yakob Tsighe aus Eritrea. Dritter wurde Dickson Kosgei Kurui aus Kenia. Mit deutlichen Abstand kamen die ersten deutschen, angeführt von Christoph Mattner (1:16:14 Std.) als Siebter ins Ziel. Als Lokalmatador kam Daniel Grobmeier (1:20:08 Std.) vom SV Atteln als 13. ins Ziel. Bei den Frauen hatte Besu Sado aus Äthiopien deutlich die Nase vorne (1:10:33 Std.), aber Rabea Schöneborn von der LG Nord Berlin drängte sich etwas überraschend zwischen die Afrikanerinnen. In 1:14,15 Stunde wurde die Berlinerin Zweite vor Eden Gebrehana Admase (1:18:58 Std.). Der Paderborner Osterlauf bietet immer Topzeiten, natürlich geboten von den professionellen Läuferinnen und Läufern. Aber das besondere Flair, das Salz in der Suppe, das machen die vielen Hobbyläufer auf. Viele stellen sich sogar bei dem traditionellen Straßenlauf das erste Mal dem Wettbewerb. Wie zum Beispiel Danny Dwelck, der erst vor einem halben Jahr mit dem Laufen angefangen hat. Der 40-Jährige Blomberger wagte sich auf den Zehner und biss sich durch. "Es war echt hart, gerade bei dem Wetter. Zudem kam ich schwer in meinen Laufrhythmus. Zwischendurch habe ich ein paar Mal gedacht: Halte ich das durch? Bei ungefähr neun Kilometern musste ich sogar gehen", erklärte er total erschöpft, aber auch überaus glücklich im Ziel nach 53:42 Minuten. So ging es vielen - wie jedes Jahr beim Paderborner Osterlauf. Und auch die vielleicht wichtigste Frage des Lebens wurde gestellt: Nach dem 10-Kilometer-Lauf machte Ronny Knochenaue seiner Larissa Scheidemann aus Holzminden auf der Bühne am Maspernplatz einen Heiratsantrag - und sie sagte "ja". "Einige von uns gehörten zu den erlesenen Informanten", sagte Mareen Walbaum, Sportmanagerin beim SC Grün-Weiß Paderborn. Als Geschenk gab es für das Paar das offizielle Lauf-Shirt - besonders beflockt. Hier der NW-Ticker zum Nachlesen:

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