Nur noch in Badehose: So wie hier sollen auch in einer Paderborner Sauna künftig an einem Tag in der Woche die Besucher nicht mehr nackt Platz nehmen dürfen. - © picture alliance / dpa
Nur noch in Badehose: So wie hier sollen auch in einer Paderborner Sauna künftig an einem Tag in der Woche die Besucher nicht mehr nackt Platz nehmen dürfen. | © picture alliance / dpa

Paderborn Nackt-Verbot in Paderborner Sauna

In der Schwimmoper müssen Saunabesucher montags Badekleidung tragen.

Paderborn. Montags bleibt die Hose an: Das gilt ab April für die Saunabesucher der Paderborner Schwimmoper. Denn das Hallenbad führt eine Textilsauna ein, bei der das Tragen von Badekleidung Pflicht ist. Für diesen Schritt gibt es laut Bäderleitung verschiedene Gründe, dennoch regt sich unter den Saunagästen Unmut. Seit dem Wochenende wirbt die Schwimmoper mit Plakaten und Flyern für die Textilsauna. Diese sei "ein neues Angebot für Sauna-Entdecker und Familien mit Kindern", weil die Angst vor neugierigen Blicken vermieden werden, wodurch eine entspanntere Atmosphäre entstehen soll. Gleichzeitig biete die Textilsauna aber mit Blick auf Gesundheit und Wohlbefinden "die gleichen Vorzüge wie das textilfreie Saunieren". "Unüberhörbare Empörung" Das stößt jedoch nicht bei allen Saunagästen auf Verständnis. Von einem "unwillkommenen Aprilscherz" schreibt Jörg Cremer in einem Leserbrief an die NW. Er ärgert sich über das "abwegige und paradoxe Vorhaben der Paderbäder GmbH" und kritisiert deren "merkwürdige Marketingüberlegungen". Auch Roland Bauer kritisiert diese "rückwärts gewandte Entwicklung" und berichtet von "unüberhörbarer Empörung" unter den Montagssaunabesuchern "der alten Garde". Einige wenige Beschwerden sind auch beim städtischen Bäderleiter Stefan Schumann angekommen. Er begründet gegenüber nw.de die Einführung der montäglichen Textilsauna mit einem enormen Rückgang der Saunabesucher. In den vergangenen Jahren sei deren Zahl in dem Schwimmbad um 25 Prozent gesunken. Textilsauna als europaweiter Trend Mit der Textilsauna sollen ab Frühjahr neue Besucher hinzugewonnen werden. Laut Schumann ist das Saunieren in Badekleidung europaweit und zunehmend auch in Deutschland zu einem Trend geworden. In der Schwimmoper will er damit gleich mehrere Gästegruppen erschließen. Dazu gehören Neugierige, die anfänglich vielleicht noch Hemmungen hätten, ebenso wie die vielen Freizeitsportler, die die Schwimmoper nutzen. "Sie könnten die Sauna als Gegenpol zu ihrem klassischen Training nutzen", schwebt Schumann vor. Eine wichtige Zielgruppe sind für den Bäderleiter auch Familien mit Kindern. In das Gesamtangebot, das montags von 9.30 bis 21.45 Uhr reicht, ist deshalb auch eine eigene Baby-Textilsauna eingebunden. Und auch solche Besuchergruppen, die sich durch ihr eigenes Nacktsein oder in Gesellschaft von nackten Menschen unwohl fühlen, sollen sich in beim Saunieren mit Kleidungspflicht entspannen können. Kein Zusammenhang mit einer Religion Dabei gehe es aber ausdrücklich nicht um bestimmte Religionen oder Kulturen wie beispielsweise Muslime, erklärt Schumann auf Nachfrage von nw.de. Anfragen dieser Art habe es bislang auch noch nicht gegeben, versichert er. Die Textilsauna in der Schwimmoper soll etwa ein Jahr lang getestet werden. "Erst mal ist keine Ausweitung geplant", sagt der Bäderleiter und verspricht: "Wir wollen auch weiterhin die klassische FKK-Sauna anbieten."

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