Gegen die Kohlekraft: Mehr als 500 Schüler demonstrierten in der Paderborner Innenstadt unter dem Motto „Fridays for Future“ mit Trillerpfeifen und bunten Plakaten für den Klimaschutz. - © Kristoffer Fillies
Gegen die Kohlekraft: Mehr als 500 Schüler demonstrierten in der Paderborner Innenstadt unter dem Motto „Fridays for Future“ mit Trillerpfeifen und bunten Plakaten für den Klimaschutz. | © Kristoffer Fillies

Paderborn Paderborner Schüler müssten für Demos schwänzen

Die Schülerbewegeung "Fridays for Future" ist auch an Paderborner Schulen ein Thema. Nun beziehen das NRW-Schulministerium und die Direktoren Stellung

Paderborn. Schüler rund um den Globus fordern mit der Aktion „Fridays for Future" mehr Klima- und Umweltschutz. Diese Proteste sind auch in Paderborn angekommen. Am vergangenen Freitag versammelten sich über 500 Schüler in der Stadt. Auf Plakaten fordern sie den Kohleausstieg, das Senken der CO2-Emissionen und eine umwelt- und klimafreundliche Politik. Der Haken: Die nächste Demonstration ist für Freitag, 22. Februar, angesetzt – und zwar während der Schulzeit. Das Schulministerium von Nordrhein-Westfalen (NRW), die Bezirksregierung Detmold und einige Paderborner Schulleiter haben gegenüber der NW Stellung bezogen. „Freitags ist bis 15.15 Uhr Unterrichtspflicht und da gibt es keine Diskussion", sagt Siegfried Martini, Schulleiter der Gesamtschule Paderborn-Elsen. Zwar könne er das politische Engagement seiner Schüler nur befürworten und ihre Anliegen verstehen, doch die Schulpflicht gehe vor. „Die Proteste könnten genauso gut samstags stattfinden. Es könnte ‚Saturdays for Future‘ geben", findet Martini. Die Schulleiter loben das politische Engagement Um für die Demos keine unentschuldigten Fehlstunden auf dem Zeugnis zu kassieren, empfehlen die Organisatoren den Schülern, eine Beurlaubung beim Direktor zu beantragen. Das wird sich nicht in jedem Fall lohnen: „Auf welcher Grundlage sollte ich das erlauben?", fragt sich Martini. Er werde daher keine Beurlaubung genehmigen. Diese klare Position vertreten auch das NRW-Schulministerium und die Bezirksregierung Detmold. „Die Teilnahme an Schülerstreiks während der Unterrichtszeit darf nicht auf Kosten des Schulbesuchs gehen und ist daher unzulässig", heißt es in einer Stellungnahme von der Pressestelle des Schulministeriums. Und weiter: „Eine Verletzung der Schulpflicht kann gemäß dem Runderlass zur Überwachung der Schulpflicht verschiedene erzieherische Maßnahmen nach sich ziehen." Laut Andreas Moseke, Pressesprecher der Bezirksregierung Detmold, deckt sich die Position der Bezirksregierung mit der des Schulministeriums. Bislang habe sich zudem noch kein Schulleiter an die Bezirksregierung gewendet, um über die Fridays for Future" zu sprechen oder darüber, wie Schulen damit umgehen sollen. Das sei vermutlich auch nicht nötig, „da die Sichtweise des Landes bekannt ist". In den Reihen der Schulleiter gehen die Meinungen auseinander Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW hat eine klare Meinung zu den „Fridays for Future". Zwar sei die Sorge um die Zukunft, die von den Schülern während der Proteste ausgedrückt wird, begrüßenswert. „Allerdings sollten diese Fragestellungen nicht gegen die Basis der eigenen Zukunft ausgespielt werden", so Melanie Kieslinger, Pressereferentin im VBE. In den Reihen der Paderborner Schulleiter gehen die Meinungen auseinander. Der Schulleiter der Friedrich-Spee-Gesamtschule, Lothar Schlegel, plant nicht, gegen Schüler vorzugehen, die am 22. Februar an der Demonstration teilnehmen. „Wenn das kein Dauerstreik wird, ist das aus meiner Sicht in Ordnung", sagt er. Zwar müsse er die Schulpflicht als Schulleiter im Blick haben, politisches Engagement wolle er jedoch nicht durch disziplinarische Maßnahmen ausbremsen. Ähnlich sieht es Werner Rüther, stellvertretender Schulleiter des Reismann-Gymnasiums. Zwar müssen sich die Schulen laut Rüther an die Vorgaben des Schulministeriums halten, jedoch plädiert er dafür, „die Schüler nicht zu viel zu disziplinieren". Er ist der Meinung, die Schulen könnten die Vorgaben des Ministeriums und der Bezirksregierung flexibel handhaben. Der Grund dafür: „In den vergangenen Jahren habe ich das politische Engagement der Jugendlichen vermisst. Es ist gut, dass sie sich für Themen wie den Umweltschutz einsetzen", so Rüther. Die Schulleiterin des Gymnasiums Theodorianum, Nicole Michaelis, sagte gegenüber der NW, dass sie die Schüler aufgrund der Vorgabe des Schulministeriums nicht beurlauben könne. Die rege Teilnahme der Schüler an der ersten Demonstration in Paderborn habe sie als bemerkenswert wahrgenommen. Aufgrund der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse fiel sie nicht in die Schulzeit. „Ich würde die Protestaktion sehr befürworten, wenn sie wieder in der Freizeit der Schüler stattfinden würde", sagt Michaelis. Eine andere Situation an der Rudolf-Steiner-Schule in Schloss Hamborn Anders sieht die Situation an der Rudolf-Steiner-Schule in Schloss Hamborn aus. Hier werden keine Halbjahreszeugnisse verteilt, weshalb die Schüler bereits bei der ersten Demonstration den Unterricht geschwänzt haben. „Für uns als Schulleitungsteam ist das ein echtes Dilemma", sagt Erhard Hofmann, Sprecher der Schulleitung. „Einerseits freuen wir uns über politisches Engagement, andererseits können wir den Schülern für die Demonstration nicht frei geben." Auch an der Rudolf-Steiner-Schule werde es in Zukunft keine genehmigten Beurlaubungen geben. Anders als bei den städtischen Schulen landen die unentschuldigten Fehlstunden der Rudolf-Steiner-Schüler nicht auf dem Zeugnis. Notiert werden sie laut Hofmann dennoch – und zwar in den Kursmappen. Derzeit sind bereits zwei weitere Demonstrationen geplant: Am Freitag, 22. Februar, sowie ein Protest gegen Atomkraft am Freitag, 15. März.

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