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In Paderborn-Dahl fordern Anwohner, dass Windräder ab 22 Uhr abgeschaltet werden. - © Pixabay (Themenbild)
In Paderborn-Dahl fordern Anwohner, dass Windräder ab 22 Uhr abgeschaltet werden. | © Pixabay (Themenbild)

Paderborn Landesamt misst in Dahl Windrad-Lärm

Paderborner Bürger wenden sich an den Petitionsausschuss des Landtages, weil ihre Nachtruhe oft gestört wird. Sie fordern ein Abschalten der Anlagen ab 22 Uhr

Sabine Kauke
13.02.2019 | Stand 13.02.2019, 09:36 Uhr

Paderborn-Dahl. Seit mittlerweile drei Jahren werden Familien rund um die Lange Trift im Ortsteil Dahl oft um ihre Nachtruhe gebracht. Grund dafür ist die Geräuschkulisse von drei 186 Meter hohen Windkrafträdern am Iggenhauser Weg, die in einer Entfernung von rund 850 bis 900 Metern zu ihren Häusern stehen. Weil sie sich von Kreis und Stadt Paderborn im Stich gelassen fühlen, setzen die Bürger nun alle Hoffnung in Messergebnisse des Landesamtes für Natur, Umwelt und Umweltschutz (LANUV). Nachts messen die Dahler unzulässige Werte „Bürger leiden und können in unzähligen Nächten nicht mehr schlafen, weil einige Windräder in Hauptwindrichtung in unzumutbarer Nähe zu den Wohnbereichen errichtet wurden. Dabei ist Schlaf ein Grundbedürfnis", sagt Heiner Kortebusch und berichtet von gesundheitlichen Problemen, die sich inzwischen eingestellt hätten. Bei eigenen nächtlichen Messungen, für die ein Anwohner sich eigens schulen ließ, hätten sich Werte von über 50 Dezibel (dB(A)) ergeben, obwohl während der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr maximal 40 dB(A) zulässig sind. „Eine Steigerung um 3 dB(A) empfindet der Mensch als Verdoppelung des Lärms", erläutert Ingenieur Dieter Hinterthür. „Wenn das Fenster geöffnet ist, wache ich nachts drei bis vier Mal von den Geräuschen der Windkraftanlagen auf", sagt Hans Georg Berling. Alfred Kossmann hat sich deshalb dreifach isolierte Fenster einbauen lassen. Die müssen aber auch sommers geschlossen bleiben. „Man hört es, je nach Windstärke, trotz laufendem Fernseher und heruntergelassenen Jalousien im Haus", sagt Kortebusch. Je stärker der Wind bläst, desto lauter die Brummtöne. Bürger schalten den Petitionsausschuss ein Die Ordnungsämter von Kreis und Stadt Paderborn, die für Gefahrenabwehr zuständig seien, blieben laut Heiner Kortebusch trotz mehrerer Eingaben und Proteste bis auf eine 30-Sekunden-Orientierungsmessung untätig. „Langsam zweifeln die Dahler Bürger die Rechtsstaatlichkeit an", konstatiert er. Gemeinsam mit anderen Anwohnern wandte er sich darum wie auch Helga und Hans Georg Berling im März 2018 mit einem Hilferuf an den Petionsausschuss des Landtages. Der sorgte dafür, dass das LANUV im November ein mobiles Messgerät im Garten von Heiner Kortebusch aufstellte. Dahler Bürger hoffen auf objektive Daten Das Gerät ist mit einem Mikro ausgestattet und sendet per Funk rund um die Uhr ans LANUV, wo Experten quasi mithören können. Zumindest tagsüber. Umfangreicher und ergiebiger, erläutert Dieter Hinterthür, seien allerdings die nächtichen Intensivmessungen, die Kortebusch für jeweils eine Stunde mit einer Fernbedienung auslösen kann. „Da werden auch Audio-Dateien mitaufgeschaltet." Am Freitag wird die Anlage abgebaut, die Ergebnisse gehen nach der Auswertung vom LANUV direkt an den Kreis Paderborn. „Wir haben jetzt die Hoffnung und auch die Erwartung, dass wir objektive Daten an die Hand bekommen", sagt Heiner Kortebusch. Stimmen die Resultate mit den eigenen Messergebnissen überein, wären die Anwohner ihrem Ziel, die drei Windkraftanlagen nachts abschalten zu lassen, einen großen Schritt näher.

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