Deutsche Priesterseminare nehmen auch homosexuelle Kandidaten auf. - © Pixabay (Symbolfoto)
Deutsche Priesterseminare nehmen auch homosexuelle Kandidaten auf. | © Pixabay (Symbolfoto)

Paderborn Weihe homosexueller Priester in Paderborn: Lob, Kritik und Schweigen

Die Bischofskonferenz äußert sich nicht, dafür stellt die Reformbewegung gleich weitere Forderungen

Birger Berbüsse
07.02.2019 | Stand 07.02.2019, 15:45 Uhr

Paderborn. Die Weihe von homosexuellen Priestern auch im Erzbistum Paderborn, die im Widerspruch zu einer vatikanischen Richtlinie steht, hat hohe Wellen bis ins Ausland geschlagen. Doch nicht jeder auf Kirchenseite möchte zu dem Thema einen Kommentar abgeben. Weder die Deutsche Bischofskonferenz noch die kfd Paderborn äußerten sich auf Anfrage von nw.de zu der Meldung, dass deutsche Priesterseminare auch homosexuelle Kandidaten aufnehmen und weihen. "Wir möchten zu dem Thema keine öffentliche Stellungnahme geben", teilte die Paderborner Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Paderborn, Katharina Brechmann, mit. Sie verwies jedoch darauf, dass die kfd sich seit Jahren bundesweit mit dem Thema Zukunft der Kirche beschäftige und in diesem Zusammenhang 2011 ein Positionspapier verabschiedet hätte, in dem es auch um "Körperlichkeit und Sexualität wertschätzen" geht. Die kfd tritt demnach für eine Kirche ein, in der das Thema Körperlichkeit und Sexualität zu einem festen Bestandteil der Ausbildung von Priestern und pastoralen Mitarbeitern werde und die sich ihrer durch sexualisierte Gewalt entstandener Schuld stelle. Das Schweigen der Bischofskonferenz Die Deutsche Bischofskonferenz bat lediglich um Verständnis, "dass wir das nicht kommentieren." Dafür äußerten sich allerdings der Vorsitzende der katholischen Priesterausbilder Deutschlands, Hartmut Niehues, sowie Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck öffentlich. Nieheus bestätigte, dass deutsche Priesterseminare grundsätzlich auch homosexuelle Männer aufnehmen würden und nannte die vatikanische Forderung, Männer mit „tief sitzenden homosexuellen Tendenzen" vom Priesteramt auszuschließen, "erklärungsbedürftig". Overbeck, der gleichgeschlechtliche Liebe einst als Sünde bezeichnete, will nun, dass die Kirche ihre Sicht auf Homosexualität verändert und Vorurteile überwindet. Das Paderborner Diözesankomitee im Erzbistum Paderborn erinnert daran, dass Verbände und Laiengremien in der katholischen Kirche seit Langem für eine neue Sichtweise auf Homosexualität stünden. "Wir begrüßen, dass es für diese notwendige Veränderung gute und richtige Anzeichen gibt. Als katholische Laien wünschen wir uns eine Kirche, in der alle Lebensformen akzeptiert sind und Vielfalt als Bereicherung empfunden wird", schreiben die beiden Vorsitzenden Nadine Mersch und Jan Hilkenbach in ihrer Antwort. Nach ihrer Aussage werden Sexualität und Homosexualität im Erzbistum offener thematisiert. Lob von der Reformbewegung Auch die Reformbewegung "Wir sind Kirche" bewertet die Aussagen des Paderborner Regens positiv, über die seitdem nicht nur in deutschen sondern auch in einigen internationalen Medien berichtet wurde. "Es ist zu begrüßen, dass das Erzbistum Paderborn keine Diskriminierung homosexueller Personen beim Zugang zum Priesteramt vornimmt, stellt man sich doch damit gegen die traditionelle Auffassung der Amtskirche, einschließlich recht aktueller Äußerungen des Papstes", fasst Sprecher Manfred Dümmer die Rückmeldungen aus der Paderborner Bistumsgruppe auf die Aussagen zusammen. Die Aufnahme homosexueller Priesteramtskandidaten könnte zu mehr Ehrlichkeit führen. Denn sie könnten sich wenigstens dazu bekennen und müssten sie nicht verheimlichen. Aber das kann laut Dümmer nur ein erster Schritt sein. Der Pflichtzölibat sollte abgeschafft werden und Priester sollten - verheiratet mit Frau oder Mann oder unverheiratet - ihren Dienst tun dürfen: "Eine Änderung der kirchlichen Lehre zur Sexualmoral ist erforderlich." Während viele Nachrichtenseiten neutral bis wohlwollend über das Thema berichten, ist die Tonart in den einschlägigen Online-Portalen deutlich rauher. "Paderborner Regens möchte Homos im Priesterseminar aufnehmen" titelt das stramm-konservative Magazin kath.net. Unter den Kommentaren finden sich auch homophobe Aussagen.

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