Die Kläranlage in Sande. - © Reinhard Rohlf
Die Kläranlage in Sande. | © Reinhard Rohlf

Wasser in Kläranlagen soll besser gereinigt werden

Der Grund sind immer mehr Rückstände von Arzneien, Pflanzenschutzmitteln oder auch industriellen Reste im Abwasser

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Herkömmliche Kläranlagen basieren auf drei Reinigungsstufen: mechanisch, biologisch und chemisch. Weil aber immer mehr Rückstände von zum Beispiel Arzneien, Pflanzenschutzmitteln oder auch industrielle Reste im Abwasser schwimmen, müssen die Kläranlagen nun aufrüsten: Eine vierte Reinigungsstufe soll auch solche Mikroverunreinigungen beseitigen. Fragt sich nur, welches Verfahren dazu am besten und am wirtschaftlichsten ist. In der Paderborner Kläranlage läuft dazu ein vom Land gefördertes Forschungsprojekt der RWTH Aachen. Das allerdings kämpft derzeit noch mit Anlaufschwierigkeiten. Kläranlage als Miniatur Die Paderborner Kläranlage wurde, wie Julian Fink vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen jetzt vor dem Betriebsausschuss des Paderborner Stadtrates erläuterte, auf dem Gelände in Sande im kleinen Maßstab nachgebaut, um verschiedene Behandlungsvarianten des Wassers miteinander zu vergleichen. Dabei geht es um Kombinationen aus Ozon-Behandlung und durch granulierte beziehungsweise pulverisierte Aktivkohle. Das Problem: Der Filter für die Ozonanlage verschmutze so schnell, dass bisher kein geregelter Versuchsbetrieb möglich gewesen sei. Nun soll zusätzlich eine Anlage eingebaut werden, die den Filter automatisch spült. Dazu seien Fördermittel beantragt; mit dem Regelbetrieb sei dann ab Februar zu rechnen. Ergebnisse nicht vor 2020 Mit Ergebnissen aus den Versuchen ist nach Angaben der Ingenieure im Jahr 2020 zu rechnen. Bis dahin hat der Paderborner Stadtentwässerungsbetrieb (Steb) also noch Zeit, sich für das dann beste und wirtschaftlichste Verfahren zu entscheiden. Mikroplastik zum Beispiel werde schon jetzt zu 90 Prozent aus dem Abwasser eliminiert. Der Löwenanteil aus künstlichen Textilfasern oder zum Beispiel Reifenabrieb gelange aber über das Regenwasser ungeklärt in die Gewässer. Das Insektizid Glyphosat lasse sich momentan nur etwa zur Hälfte aus dem Abwasser lösen. Besonders kritisch wird zum Beispiel aber auch Diclofenac gesehen, ein Bestandteil von Schmerz- und Entzündungshemmern wie des populären Gels Voltaren. Dieses sei auch noch im Wasser nachzuweisen, das aus der Kläranlage wieder herausfließt.

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