Figuren, Reliefs und Stuckornamente: Rund 35 Fragmente wurden in den vergangenen einhundert Jahren gefunden. - © Erzbistum Paderborn
Figuren, Reliefs und Stuckornamente: Rund 35 Fragmente wurden in den vergangenen einhundert Jahren gefunden. | © Erzbistum Paderborn

Paderborn Bauwerk aus dem Mittelalter kehrt in den Paderborner Dom zurück

Vor mehr als 350 Jahren wurde der Paderborner Lettner abgerissen. Wissenschaftler und Restauratoren haben ihn rekonstruiert

Katharina Thiel

Paderborn. Ein ungewöhnliches Projekt hat Wissenschaftler des Diözesanmuseums Paderborn und ein Team von Restauratoren beschäftigt: Die Rekonstruktion des gotischen Lettners, der vom 13. bis ins 17. Jahrhundert ein wichtiger Teil des Paderborner Doms war. Dabei handelt es sich um ein aufwendig gebautes und gestaltetes Schmuckstück, das seit dem Mittelalter den Chor vom Langhaus und das Priester- oder Mönchskollegium von den Laien getrennt hat. "Der Paderborner Lettner hatte nicht nur eine trennende Funktion, sondern auch eine verbindende", betont Dompropst Monsignore Joachim Göbel. "Prozessionen der Kleriker zogen hindurch und es stand dort der Kreuzaltar, an dem Gottesdienste für die Laien stattfanden. Bei der Erforschung und Rekonstruktion des mittelalterlichen Doms geht es immer auch um seine Liturgie und die ständige Erneuerung eines lebendigen Gotteshauses." Riesiges, steinernes Puzzle Insgesamt konnten rund 35 Fragmente wie Teile von Figuren, Reliefs oder Stuckornamente, die in den vergangenen einhundert Jahren entdeckt und dokumentiert wurden, dem mittelalterlichen Lettner des Doms zugeordnet werden. So ist ein riesiges, steinernes Puzzle entstanden, das jetzt, integriert in ein etwa fünf Meter breites und sechs Meter hohes Stahlgestell, einen Eindruck von der einstigen Architektur vermittelt. Die mittelalterlichen Fundstücke bringen zwischen 500 Gramm und rund 100 Kilo auf die Waage. Im Jahr 1652 wurde der Paderborner Lettner im Rahmen der barocken Umgestaltung des Gotteshauses abgerissen. Viele Reste fanden damals eine neue Verwendung, wurden beispielsweise als Füllmaterial beim Bau des neuen Choraufgangs genutzt. Seit 1925 wurden die Bruchstücke bei Arbeiten im Dom entdeckt und ins Diözesanmuseum gebracht. Von einer Arbeit mit Figuren der 12 Apostel sind drei in Teilen erhalten geblieben, ebenso wie Fragmente des Jüngsten Gerichts. "Es ist sicher eine großartige Weltgerichtsdarstellung gewesen, die wie eine starke, immerwährende Predigt wirkte", erklärt Dr. Christiane Ruhmann vom Diözesanmuseum Paderborn, die das Projekt geleitet hat. "Wir haben beeindruckende Reliefreste, die wohl den Höllensturz eines Verdammten zeigen, und auch einen kleinen Christuskopf mit deutlichen Spuren von Bemalung und Vergoldung." In der Mitte ein Spitzbogen, rechts und links zwei Durchgänge Bei Bauarbeiten in den Jahren 1978/79 wurden auch Teile der architektonischen Gliederung des Lettners sowie Bruchstücke des Bauschmucks gefunden. Wenige Jahre später konnte aus diesen Funden eine erste Rekonstruktion des Lettners erstellt werden. Mittig hatte er einen Spitzbogen, rechts und links davon zwei Durchgänge sowie eine Art Empore mit einer Brüstung. Dort versammelten sich die Chorsänger, es wurden volkssprachige Predigten gehalten oder das Evangelium vorgetragen. Der Lettner war nicht einfach eine Schranke, sondern ein sogenannter Hallenlettner, an dessen Front sich ein Raum mit Kreuzgratgewölbe anschloss. Dem Vorhaben, den Lettner im Verhältnis 1:1 nachzubauen, gingen sowohl eine analoge Rekonstruktion als auch ein digitales Experiment voran, bei dem seine Gestalt und seine Proportionen in Bezug zum Dom untersucht wurden. Auch die aktuelle Ausstellung im Diözesanmuseum "Gotik. Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa" thematisiert den Lettner und bekommt mit der Rekonstruktion im Dom ein spektakuläres neues Exponat hinzu.

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