Immer im Blick: Vom Balkon des Volksbank-Gebäudes aus filmt diese Webcam den Neuen Platz. - © Marc Köppelmann
Immer im Blick: Vom Balkon des Volksbank-Gebäudes aus filmt diese Webcam den Neuen Platz. | © Marc Köppelmann

Paderborn An diesen Plätzen in Paderborn sind Kameras im Einsatz

Videoüberwachung: In ganz Paderborn sind öffentliche, geschäftliche und private Kameras verteilt. Doch nicht alle zeichnen auch wirklich etwas auf. Wie sie der Polizei nützen

Katharina Thiel

Paderborn. Sie fallen kaum auf, verfolgen aber jeden Schritt, den die Paderborner durch die Innenstadt machen. Ob in Geschäften, auf dem Domplatz, im Paderquellgebiet oder in Bussen des Padersprinters - Videokameras übertragen ihre Livebilder für den jeweiligen Betreiber rund um die Uhr. Dabei sind die Kameras zu ganz unterschiedlichen Zwecken angebracht. Die Stadt selbst betreibt fünf Webcams, die den Blick auf öffentliche Gebiete wie den Rathausplatz, den Domplatz und den Königsplatz ermöglichen. Zu Libori kommen zwei Kameras am Kamp und auf dem Liboriberg dazu. So könnten Interessierte auch die Jahreszeiten in der Stadt beobachten, sagt Alexander Menke, Marketing-Mitarbeiter der Stadt. Besonders bei Stadtfesten seien "die Klickzahlen relativ hoch", weil Besucherinnen und Besucher vorher überprüfen, wie voll es ist. "Sicherheitsaspekte" verfolge die Stadt mit den Webcams jedoch nicht. Neue Kamera im Paderquellgebiet An den gerade neu eröffneten Königsplätzen dienten die zwei dort installierten Kameras auch dem Zweck, "den Baufortschritt zu dokumentieren", sagt Menke. Auf ihrer Homepage verlinkt die Stadt noch drei weitere Webcams: Das St. Vincenz-Krankenhaus betreibt eine Kamera als Wetterstation auf dem Dach, die Volksbank überträgt das Geschehen auf dem Neuen Platz und die Universität bietet eine TowerCam mit 360-Grad-Rundumsicht an. Seit dem 12. April dieses Jahres ist auch der Blick ins Paderquellgebiet möglich. Die Stadt betreibt die Webcam "in Zusammenarbeit mit wetter.com", erklärt Menke. "Wir stellen die Daten zur Verfügung." Über einen Kalender können sich Interessierte auch die Bilder eines frei wählbaren Datums zu einer bestimmten Zeit aufrufen. Allerdings zeige die Kamera dann nur mehrere Standbilder an, der "Film, den man sich angucken kann, wird überschrieben." Aufnahmen werden nicht gespeichert In einer Zeit, in der Datenschutz zu einem alltäglichen Thema geworden ist, gibt Menke Entwarnung. Gespeichert werden die Aufnahmen, wie auch bei den anderen Webcams der Stadt, nicht. Auch Gesichter oder Kennzeichen von Fahrzeugen seien auf den Bildern nicht zu erkennen. "Soweit kann man gar nicht reinzoomen", sagt der Marketing-Mitarbeiter zur Kamera im Paderquellgebiet. "Der Bereich wäre verpixelt." Die anderen Webcams der Stadt ermöglichen eine Zoom- oder Schwenkfunktion gar nicht erst. Der Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb Paderborn (ASP) betreibt in einigen Parkhäusern und auf Parkplätzen Videokameras. In der Tiefgarage am Königsplatz, in den Parkhäusern am Neuhäuser Tor und am Rolandsweg sowie auf den Parkplätzen an der Florianstraße, am Hauptbahnhof und an der Kulturwerkstatt wird der Verkehr beobachtet. Außerdem ist jeder Kassenautomat mit einer Kamera ausgestattet. Wenn ein Problem mit einem Automaten auftritt, kann Betroffenen so besser geholfen werden. Für ein sicheres Gefühl der Fahrgäste In einem Großteil der Busse "sowie an einzelnen Bushaltestellen (am Hauptbahnhof, dem Westerntor und dem Neuhäuser Tor)" setzt auch der Padersprinter Videokameras ein. "Die Aufnahmen der Kameras dienen ausschließlich dem Zweck der Prävention und Beweissicherung, zum Beispiel im Fall von Gewalt, Vandalismus und Diebstahl", sagt Lisa Casey, Pressesprecherin des Padersprinters. Den wenigen offiziellen Webcams stehen viele private oder geschäftliche Überwachungskameras gegenüber. Laut der Internetseite befinden sich alleine 175 Kameras, offiziell und privat, im Innenstadt-Ring von Paderborn. Dabei wird zwischen drei Arten unterschieden: fixiert, schwenkend und sogenannte "Dome-Kameras", die in einer halbrunden getönten Kuppel eingebaut sind. Die Zahl und der genaue Standort werden durch IP-Adressen und Hinweise aus der Bevölkerung ermittelt. Dass sich Menschen durch die öffentlichen Kameras belästigt fühlen, komme nicht vor, sagt Ulrich Krawinkel, Pressesprecher der Polizei Paderborn. Probleme entstehen lediglich, "wenn der Nachbar eine Kamera am Haus angebracht hat" und das Nachbargrundstück mitgefilmt werde. Fahndung mit Bildern der Überwachungskamera Zur Verbrechensaufklärung erweisen sich vor allem die Überwachungskameras an Geldautomaten als nützlich. Mit richterlichem Beschluss darf die Polizei im Fall einer Ermittlung die Bilder der Kamera veröffentlichen und so nach dem mutmaßlichen Täter fahnden. "Das kommt häufiger vor", erklärt Krawinkel. Kritische Stimmen zu Webcams im öffentlichen Raum gibt es trotzdem. Padeluun, Gründungsvorstand des Vereins "Digitalcourage" aus Bielefeld sagte zuletzt: "Es gibt nur wenige Ausnahmen, wo Videoüberwachung eine Wirkung erzielt." Es sei ein "Fetisch, ein kleines bisschen 'guck mal, ich habe die Macht, hier so ein Ding aufzuhängen und Dich zu filmen und mir's im Hinterzimmer anzugucken.' Anständige Menschen betreiben keine Webcams."

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