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Viele der Missbrauchsfälle sind vermutlich schon verjährt. - © Pixabay
Viele der Missbrauchsfälle sind vermutlich schon verjährt. | © Pixabay

Paderborn Erzbistum Paderborn: Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen wegen Missbrauch

Viele der mutmaßlichen Täter sind bereits tot, doch nicht alle Taten sind verjährt

Birger Berbüsse
31.10.2018 | Stand 31.10.2018, 09:20 Uhr

Paderborn. Aufgrund der Ergebnisse der Missbrauchsstudie für die katholische Kirche prüft nun die Staatsanwaltschaft Paderborn, ob sie Ermittlungen einleitet. Das Erzbistum Paderborn hatte nach eigenen Angaben 111 Beschuldigte und 197 Betroffene in den vergangenen 70 Jahren verzeichnet. Zwar sind die meisten Fälle längst verjährt, doch möglicherweise nicht alle. Nach Veröffentlichung der Studie hatte kürzlich eine Gruppe Strafrechtler Anzeige gegen Unbekannt bei Staatsanwaltschaften in jeder Diözese erstattet. Auch in Paderborn ist am Montag eine solche Anzeige eingegangen. "Wir prüfen aber ohnehin, ob es noch Fälle gibt, die nicht aufgearbeitet sind", sagte Oberstaatsanwalt Christoph Zielke auf Anfrage von nw.de. Dies sei immer der Fall, wenn sich entsprechende Anhaltspunkte ergeben würden. Die Veröffentlichung der Studie war ein solcher Anhaltspunkt. Seitdem liefen Gespräche zwischen Staatsanwaltschaft und Kirche, so Zielke. Man prüfe derzeit, ob es "aktuell nicht-aufgearbeitete strafrechtlich relevante Sachverhalte in nicht rechtsverjährter Zeit gegen noch lebende Beschuldigte gibt", sagte er im Wortlaut. Es sei jedoch zu vermuten, dass der Großteil der Taten verjährt sei. Schließlich sind von den 111 Beschuldigten laut Erzbistum bereits 87 verstorben, 13 der weiteren 24 Kleriker seien in Rente. "Das Erzbistum kooperiert uneingeschränkt" Dem Erzbischöflichen Generalvikariat war die "Anzeige gegen unbekannt" auf Anfrage noch nicht bekannt. "Es liegt in der Verantwortung der zuständigen staatlichen Behörden, wie damit umzugehen ist", sagte der stellvertretende Pressesprecher Thomas Throenle gegenüber nw.de. Das Erzbistum Paderborn kooperiere wie bisher uneingeschränkt mit den Staatsanwaltschaften, betonte er. Generalvikar Alfons Hardt habe bereits vor über zehn Jahren Kontakt mit den Staatsanwaltschaften aufgenommen und darüber informiert, dass die Strafverfolgungsbehörden uneingeschränkten Zugang zu allen Akten haben, die sie im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben benötigen. "Von uns wurden und werden die Fälle weiter gegeben, in denen eine Beschuldigung strafrechtlich relevant sein könnte und sofern ein Betroffener nicht ausdrücklich widerspricht", sagte Throenle weiter. Bei der Vorstellung der Missbrauchsstudie hatte das Erzbistum von neun Fällen gesprochen, die an die Staatsanwaltschaften weiter gegeben wurden. Grenzverletzungen werden nicht angezeigt Anzeigen gegen bereits verstorbene Täter gibt es nicht. Grenzverletzungen wie ungewollte Umarmungen kommen auch nicht zur Anzeige. "Aber im Falle eines Missbrauchsverdachts wird Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft ermittelt", hatte der Pressesprecher erläutert. Mitte Oktober war bekannt geworden, dass sich neue Betroffene gemeldet haben. Der letzte bekannte schwerwiegende körperliche Fall liegt laut Erzbistum Jahrzehnte zurück. Vor etwa neun Monaten hatte es allerdings einen neuen Missbrauchsverdacht gegeben. "Dieser hat sich inzwischen als unbegründet erwiesen. Die Prüfung ist abgeschlossen", teilte das Erzbistum nun auf Nachfrage mit.

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