Was für eine Badewetter: Die Besucher der Freibäder im Kreis Paderborn kamen in diesem Super-Sommer voll auf ihre Kosten. - © Pixabay (Symbolbild)
Was für eine Badewetter: Die Besucher der Freibäder im Kreis Paderborn kamen in diesem Super-Sommer voll auf ihre Kosten. | © Pixabay (Symbolbild)

Kreis Paderborn Wie sich der heiße Sommer auf die Schwimmbäder im Kreis Paderborn auswirkte

Wasser wurde über 30 Grad warm

Karl Finke

Kreis Paderborn. Gefühlt schien die Sonne noch nie so lange ohne Unterbrechung wie in diesem Sommer 2018. Doch die Wetterexperten haben extreme Bewertungen bereits ausgebremst: 2003 war es heißer. Die meisten Freibäder im Kreis Paderborn verbuchen zwar keine neuen Rekordzahlen, aber es gibt interessante Zahlen und Geschichten zu berichten. Außerhalb der Stadt Paderborn schließt unter den weiteren sieben Einrichtungen im Kreis die Sälzer Lagune mit der höchsten Besucherzahl ab. 86.000 Gäste nennt Stadtwerkeleiter Ludwig Bewermeier. Vom Rekordwert des Jahres 2003 (96.000) ist das weit entfernt. Bewermeier nennt zwei Gründe: "Nachmittagsunterricht" und private Planschbecken. "Es kommen nicht mehr so viele Kinder." Diese Entwicklung trifft wohl auch auf das Freibad in Büren zu. "Ende August waren es schon über 65.000", so Schwimmmeister Holger Lüdeking (Vorjahr knapp 60.000). Pumpe zwischenzeitlich ausgefallen Immerhin bietet die Stadt neben Schloß Neuhaus und dem Rolandsbad ein weiteres 50-Meter-Schwimmbecken im Kreis. 2003 hatte die Bürener "Batze" fast 100.000 Badegäste verbucht. Eine kleine Einbuße erklärt sich so: Weil eine Pumpe ausgefallen war, musste das Freibad zwischenzeitlich eine knappe Woche schließen. Wie in Büren stiegen auch in Bad Lippspringe die Zuwachszahlen im Vergleich zum Regensommer 2017 mit der Dauersonne nicht in den Himmel: Von gut 40.000 auf über 50.000. Eine Erklärung: Das Thermalbad startete verspätet in die Saison. Die Lufttemperatur am bestbesuchten Tag steht stellvertretend für zahlreiche Tage dieses Hitzesommers: 35 Grad Celsius. Am 26. Juli suchten 1.672 Gäste Abkühlung im Freibad der Kur-stadt. Im Bad Wünnenberger Waldschwimmbad, bis Ende August wurden mehr als 50.000 Besucher gezählt, steht der 24. Juli mit 1.400 Besuchern ganz oben. Die Sälzer Lagune erlebte am 7. August den Spitzenwert von 2.255 Badegästen. Rekordwerte wurden im Wasser gemessen. In Bad Wünnenberg stieg die Temperatur im Schwimmerbecken an einigen Tagen bis auf 28 Grad an. Die schon im Frühjahr 2017 in Lichtenau vom Freibad-Verein installierte Solarheizung erzeugte sogar Wassertemperaturen wie in der Karibik: "An einigen Tagen auf gut 30 Grad", so Schriftführer Bernd Schünemann. Das Badewannengefühl sei nach Beobachtung des Vereins "bei den meisten Besuchern sehr gut angekommen." Das von der Solaranlage in der Sälzer Lagune aufgeheizte Badewasser wurde dort schlicht gekühlt "mit kaltem Wasser", so Stadtwerke-Leiter Bewermeier: Um noch eine Erfrischung zu gewährleisten, die aus seiner Sicht ab 28 Grad nicht mehr gegeben sei. Das Badewasser musste gekühlt werden Die kleineren Freibäder profitierten rein zahlenmäßig am deutlichsten von dem Supersommer dieses Jahres. Die Lichtenauer zählen nicht die Besuche(r) mit Jahreskarten und verfügen somit über keine absoluten Zahlen, sie gehen aber von einer Verdoppelung im Vergleich mit dem Regen-Sommer 2017 aus. Für das benachbarte Naturbad Altenautal spricht der Vereinsvorsitzende Ralf Zumbrock sogar von einer "Verdreifachung" der Besucherzahl. Welche Auswirkungen ein guter oder ein schlechter Sommer auf ein ehrenamtlich geführtes Bad haben kann, macht Zumbrock deutlich. "Nach der katastrophalen Saison im Vorjahr haben wir uns Gedanken machen müssen, wie die Liquidität des Vereins im Winter und Frühjahr aufrecht erhalten werden kann." Auch im Winter fallen im Naturbad Altenautal schließlich Abschlagskosten für Energie, Wasser und Versicherungen an. Dieser Sommer hat für Erleichterung gesorgt. "Jetzt kann sogar darüber nachgedacht werden, die Attraktivität durch Investitionen weiter zu steigern", so Zumbrock. Die vielleicht originellste Geschichte der Saison kann das kleinste Freibad im Kreis Paderborn mit dem Namen "HaWei" (Harth/Weiberg) beitragen. Dieter und Heti Blanke aus Lippstadt schätzen die idyllische Atmosphäre oberhalb des Almetals so sehr, dass dieses Ehepaar schon seit über drei Jahren und auch 2018 an fast jedem schönen Tag 29 Kilometer hin und zurück per Rad zurücklegte. HaWei zählte in dieser Saison insgesamt 27.450 Besucher (Vorjahr 16.840). In den 1990er Jahren hatte der Weiterbestand des zweiten Bürener Freibades auf der Kippe gestanden, ein neuer Förderverein schließlich zum politischen Sinneswandel beigetragen. Die Stadt Büren weist auf die veränderten Umsätze durch Eintrittskarten hin: In diesem Jahr seien 40.000 Euro in die Kasse geflossen - 2003 wären es 30.000 Euro gewesen. HaWei hat schon vor gut einer Woche geschlossen. Auch das Naturbad Altenautal und das Freibad Lichtenau sind schon zu. Dort müssen die Vereinsmitglieder die arg strapazierte Grasnarbe dringend erneuern. In der Sälzer Lagune läuft die Saison noch bis einschließlich Freitag. Das Waldschwimmbad in Bad Wünnenberg öffnet wahrscheinlich am Samstag zum letzten Mal, Bad Lippspringe schließt am Sonntagabend. Das Bürener Freibad hält seinen Betrieb noch bis einschließlich Mittwoch nächster Woche aufrecht.

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