So soll er aussehen: Der künftige Paderborner Hauptbahnhof mit viel Glas im unteren Bereich und einer Natursteinfassade in den oberen Geschossen. - © Stadt Paderborn
So soll er aussehen: Der künftige Paderborner Hauptbahnhof mit viel Glas im unteren Bereich und einer Natursteinfassade in den oberen Geschossen. | © Stadt Paderborn

Paderborn Breite Zustimmung für neuen Paderborner Hauptbahnhof

Die Deutsche Bahn und die Firma Bremer können ihre Planung in die Tat umsetzen

Holger Kosbab

Paderborn. Am Ende war die Mehrheit für den neuen Paderborner Hauptbahnhof mit Eingangshalle und Hotel recht deutlich. Nur die Grünen, die Linksfraktion/Offene Liste und Karin Schnauß (FBI Freie Wähler) stimmten gegen das Vorhaben der Deutschen Bahn Station und Service und der Bremer AG sowie eine finanzielle Beteiligung der Stadt in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Dennoch war nicht jeder, der zuvor mit Ja gestimmt hatte, rundum zufrieden mit dem Projekt, für das die Bahn mit Gesamtkosten von 7,6 Millionen Euro kalkuliert. Die CDU begrüße, dass in das Projekt Bewegung komme und es weitergehe, sagte Markus Mertens. Es bringe die Stadt und die Verkehrssituation in Paderborn voran. Die bereits am vergangenen Donnerstag im Bauausschuss kontrovers diskutierten Probleme halte die CDU-Fraktion für lösbar. Mertens sprach davon, dass schon im Bauausschuss eine große Mehrheit die Unterstützung der Stadt beschlossen habe. Dies war aber nicht der Fall, da die Entscheidung in die gestrigen Sitzungen des Haupt- und Finanzausschusses und Stadtrats vertagt worden war – worauf Reinhard Borgmeier (Linksfraktion/Offene Liste) hinwies. Bei der Firma Bremer bedankte sich Mertens schon mal. Von ihm komme der Dank erst, wenn Bremer seiner Verantwortung voll und ganz gerecht werde, sagte Franz-Josef Henze (SPD). Denn trotz Zustimmung gebe es weiterhin Bedenken. Dazu zähle das Vorplätzchen, das in der Breite von 16 auf sieben Meter mehr als halbiert und noch kleiner werde, als es schon sei. Von dem Projektbeirat, durch den die Stadt Paderborn die Bahn- und Bremer-Planung begleiten lassen möchte, solle „so weit Gebrauch gemacht werden, wie es möglich ist", sagte Henze. Mehrere Fraktionen wünschen sich verkehrliche Lösungen Reinhard Borgmeier von der Linksfraktion/Offene Liste kritisierte erneut, dass die Stadt sich nach der Friss-oder-stirb-Devise an der Planung beteilige, ohne dass es Alternativen gebe. Eine Planung, die mit dem Aufeinanderprallen von Reisenden, Fußgängern und Radfahrern zu Hauptzeiten „zu gefährlichen verkehrlichen Situationen" führe. Andererseits würden für abzustellende Fahrräder mehr Flächen benötigt. Die Investoren müssten Lösungen präsentieren statt eines Angebots, das unter Zeitdruck angenommen werde. Borgmeier nannte das Vorgehen unseriös. Da er einen Großteil der Gespräche mit der Bahn und Bremer mitgeführt habe, weise er den Vorwurf der Unseriosität von sich, sagte Bürgermeister Michael Dreier. Ein Bahnhof müsse funktionieren, sagte Klaus Schröder von den Grünen. Doch das zweifelt er an. Seiner Fraktion sei schleierhaft, wie dort, wo heute 200 Fahrräder ständen, demnächst Platz für 600 Räder sein soll. Daher befürchte er, dass Räder künftig weit entfernt abgestellt werden müssen. „Ein Bahnhof funktioniert nur als Mobilitätsverbund", sagte Schröder. Die Grünen hätten es sich gewünscht, dass Lösungen für den Verkehr angeboten werden. Verantwortung bedeute, Probleme auch zu benennen. Sascha Pöppe (FDP) wünscht sich eine Belebung für die ganze Bahnhofstraße. Mit Blick auf die Hotel-Planung hätte er aber gerne eine Analyse an die Hand bekommen, inwiefern sich der Neubau auf die heimische Hotellerie auswirkt. Ebenso hätte die FDP eine Auswahl an Alternativen befürwortet. „Wir sind nicht ganz glücklich", sagte Pöppe. „Aber nochmal 20 Jahre auf einen neuen Vorschlag zu warten", dies sei mit dem Wissen, dass Verhandlungen mit der Bahn schwierig seien, auch nicht richtig. Ein Ratsmitglied spricht von Erpressung Stephan Hoppe (FÜR Paderborn) schaute vor allem auf die 1,9 Millionen Euro, die die Stadt als Zuschuss gibt. Er gebe sich keiner Illusion hin, dass es bei dieser Summe bleibe. Es müsse wohl „deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden". Hoppe bezeichnete das Vorgehen der Vorhabenträger Bahn und Bremer als „Erpressung". Und die Paderborner Politik sehe sich „gezwungen" zuzustimmen. An diesem Punkt stellte Bürgermeister Dreier klar: Es sei „keine Erpressung". Die 1,9 Millionen Euro als Zuschuss seien gedeckelt. Und das Geld dürfe ausschließlich für die Sanierung des Bahnhofs verwendet werden. Von der LKR-Fraktion gab es die Zustimmung trotz einiger kritischer Punkte. Hartmut Hüttemann (FBI Freie Wähler) bekannte erneut, mit der Planung „Bauchschmerzen" zu haben – wofür der 1,9-Millionen-Zuschuss am meisten verantwortlich sei. „Ob das Ganze mit dem Hotel funktioniert, das ist eine ganz andere Frage." Dennoch sei er dafür, auch wenn vielleicht nicht die ganze Fraktion zustimme.

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