Themenraum „Computer aus dem Osten": Präsentiert werden Objekte aus dem ehemaligen Ostblock, die im Westen meist unbekannt waren. So beispielsweise der erste elektronische Tischrechner mit Quadratwurzelfunktion, ein Gerät aus Bulgarien (1967) oder ein Megabit-Chips aus DDR-Produktion. - © Jan Braun
Themenraum „Computer aus dem Osten": Präsentiert werden Objekte aus dem ehemaligen Ostblock, die im Westen meist unbekannt waren. So beispielsweise der erste elektronische Tischrechner mit Quadratwurzelfunktion, ein Gerät aus Bulgarien (1967) oder ein Megabit-Chips aus DDR-Produktion. | © Jan Braun

Paderborn Digging Deep: Das HNF holt alte Schätzchen aus dem Keller

Das Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn zeigt 70 besondere Exponate

Sabine Kauke

Paderborn. Etwa 5.000 Exponate umfasst die Dauerausstellung des Heinz-Nixdorf-Museumsforums. Vier mal so viele, rund 20.000 Objekte, schlummern jedoch im Depot des Computermuseums im Verborgenen. Darunter Schätze und Flops der Computerwelt. Um einige davon der Öffentlichkeit zu präsentieren, haben die Kuratoren „tief gegraben": „Digging Deep – Depotschätze in Szene gesetzt" heißt die neue Sonderausstellung, die am Donnerstagabend eröffnet wurde. „Im Depot gibt es viele ganz tolle Stücke, die bisher noch nie gezeigt worden sind", schwärmt Jochen Viehoff, Geschäftsführer des Heinz-Nixdorf-Museumsforums. 70 davon werden nun in der Sonderausstellung bis zum 5. August im 3. Obergeschoss des Museums gezeigt. „Dabei handelt es sich um spannende, teils einmalige Objekte, die nicht unbedingt in den Schwerpunkt des Hauses passen und zum Teil bereits international an Museen verliehen worden sind", erklärt Kurator Christian Berg. So zum Beispiel eine der kleinsten Schreibmaschinen der Welt, die Miniature Pocket Typewriter von 1891. Oder die Casartelli-Rechenscheibe von 1860, von der es weltweit nur zwei Exemplare geben soll. Oder die gläserne Serie des Computer-Pioniers Heinz Nixdorf aus dem Jahr 1984. „Wir sind sehr froh, die Wanderausstellung ,Der gläserne Computer’, die Heinz Nixdorf in Auftrag gegeben hatte, erstmals wieder präsentieren zu können", sagt Jochen Viehoff. Kurioses und Kostbares künstlerisch präsentiert Alle Pretiosen werden nicht wie sonst üblich in einem bestimmten Kontext präsentiert, sondern eher außergewöhnlich in künstlerischer Form. „Uns ging es weniger darum, die exakten historischen Hintergründe der Objekte darzustellen. Wir wollten Kurioses und Kostbares, Skurriles und Außergewöhnliches in einem künstlerisch gestalteten Umfeld präsentieren", beschreibt Geschäftsführer Viehoff den Ansatz. Dafür hat HNF-Medientechnikerin und -gestalterin Michaela Wecker gesorgt. „Die Idee war, Kunst und Technik zu vereinen", so Wecker. Für jeden der sechs Themenräume hat die Künstlerin Anis Fayezizadeh eigens ein passendes Kunstwerk kreiert. „Diese Werke lassen Raum für Interpretationen", erklärt Michaela Wecker, die für die Deko-Kunst sogar verrostete Metallobjekte vom Schrottplatz geholt hat. „Besucher sollen direkt sehen, dass diese Form der Präsentation anders ist als sonst." Flops der IT Das ist sie in der Tat. So warten beispielsweise in der „Schatzkammer", ausgekleidet mit goldfarbener Folie, wertvolle Objekte wie die besagte Casartelli-Rechenscheibe auf den Besucher. Demgegenüber fristen „Flops" im Themenraum „Missgeschicke der IT" ihr Dasein auf verrosteten Drahtkäfigen: so der damals viel zu teure Personalcomputer „Apple Lisa" oder die Spielkonsole „Apple Pippin Game Console". In den Räumen, allesamt in Anlehnung an den Bergbau unter Tage („Digging deep") recht dunkel gehalten und mit metallischen Folien in unterschiedlichen Farben gestaltet, geht es außerdem um „Große Minis – Kleinrechner ganz groß", „Design und Funktion" sowie „Computer aus dem Osten". Interaktion ist vor allem im Bereich „Alles Retro" angesagt: mit Klassikern der Computerspiele. Erstmals gezeigt wird auch die Nixdorf-Datenbank mit Bildmaterial, Videos, Tondokumenten und Zeitinterviews.

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