Schauspielkunst zum Anfassen: Diese beiden Darsteller des Paderborner Ensembles, Willi Hagemeier (vorne l.) und David Lukowczyk (vorne r.), haben mit ihrem Können nicht nur Katharina Kreuzhage (Vorstand des Fördervereins und Theaterintendantin) und Rainer Rings (Vorsitzender der Theaterfreunde) überzeugt. - © Svenja Ludwig
Schauspielkunst zum Anfassen: Diese beiden Darsteller des Paderborner Ensembles, Willi Hagemeier (vorne l.) und David Lukowczyk (vorne r.), haben mit ihrem Können nicht nur Katharina Kreuzhage (Vorstand des Fördervereins und Theaterintendantin) und Rainer Rings (Vorsitzender der Theaterfreunde) überzeugt. | © Svenja Ludwig

Paderborn Preis für die verführerische Lola am Theater Paderborn

Schauspiel: Anne Bontemps und David Lukowczyk werden für ihre Leistung ausgezeichnet. Willi Hagemeier erhält den Ehrenpreis. Die Theater-Finanzierung ist zukünftig eine große Herausforderung

Svenja Ludwig

Paderborn. Wie bei jeder Preisverleihung, die etwas auf sich hält, war auch am Sonntag bei der Theatermatinee der Theaterfreunde nicht jeder Geehrte zugegen. Dafür schickte Anne Bontemps, die schon zum zweiten Mal mit der Glasstele geehrt wurde, eine herzliche Videobotschaft und ein Küsschen in die Domstadt. Die Belgierin, die mittlerweile an der Münchner Schauburg spielt, erhielt den mit 1.000 Euro dotierten Preis gleich für zwei Rollen. Als "Judy" in The Blues Brothers habe sie mit ihrem Gesang überzeugt und sich in "Der blaue Engel" als "fesche, glamouröse und verführerische Lola glanzvoll aus Paderborn verabschiedet", wie Laudator Josef Hackfort die Wahl der Jury begründete. Für die "Vermittlung des inneren Umbruchs des Walter Faber" in "Homo Faber" und für Witz, Charme und eine starke Gesangsleistung in "The Blues Brothers" wurde als männlicher Darsteller David Lukowczyk prämiert. Einen außerplanmäßigen Ehrenpreis durfte zudem der "Archaeopterix kammerspieliensis" Willi Hagemeier entgegennehmen - "der letzte bunte Vogel aus den Zeiten der westfälischen Kammerspiele", beschrieb Lobredner Michael Greifenberg (Stani) den Schauspieler, der seit 30 Jahren auf der Paderborner Bühne steht. Gemeinhin gilt die Schauspielerei als brotlose Kunst. Von Geldmangel sind allerdings nicht nur Darsteller häufig betroffen. Auch die Bühnen sind auf Finanzspritzen angewiesen. Das Defizit des Paderborner Theaters beläuft sich jährlich auf rund 2,4 Millionen Euro. Ein Betrag, den Stadt (zwei Drittel) und Kreis ausgleichen. Hinzu kommen pro Jahr 900.000 Euro von der Förderstiftung - diese Zahlungen werden allerdings zur Saison 2019/20 eingestellt. Bürgermeister Michael Dreier sprach diesbezüglich von einer "großen finanziellen Herausforderung". Denn die auslaufenden Fördergelder müssen anderweitig aufgetrieben werden. Möglichkeiten sind etwa höhere Eintrittspreise, mehr Mittel aus dem städtischen Haushalt oder die Reduzierung des Theateretats. Festredner Rolf Bolwin, ehemaliger Vorsitzender des deutschen Bühnenvereins, bezog klar Stellung: "Es wird Zeit, dass wir uns von der Vorstellung einer schwarzen Null im Haushalt verabschieden." Die Schicksalsfrage, die es seiner Meinung nach zu beantworten gelte, laute: "Wollen wir Kinder mit ein paar Schulden hinterlassen oder solche, die dumm sind?" Denn neben Unterhaltung biete das Theater vor allem eines: Bildung.

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