Vollverschleierte Frauen. - © dpa
Vollverschleierte Frauen. | © dpa

Paderborn Rechtsanwältin und Imamin kritisiert das Frauenbild im Islam

Burka als Käfig des Patriarchats

Paderborn. Zu einem Vortrag mit Diskussion zum Thema "Frauenbild im Islam - Eine Herausforderung für Deutschland" lud der Paderborner Arbeitskreis "Gewalt gegen Frauen" ins Historischen Rathauses. Referentin war die Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ates. Seyran Ates lässt sich derzeit zur Imamin ausbilden und leistet einen sehr praktischen Beitrag zur Gleichberechtigung der Musliminnen: Sie gründet eine Moschee, in der Frauen und Männer gemeinsam beten. Die Tochter türkisch-kurdischer Gastarbeiter sprach über das Bild der Frau in patriarchalen Strukturen und Unterdrückung in verschiedenen Religionen. Ein besonderes Augenmerk legte sie dabei auf ihre eigene Religion, den Islam. Frauen seien im Islam im Vergleich zu Männern immer noch erheblich weniger wert, sagte Ates. In vielen islamischen Gesellschaften seien sie kategorisch an das Haus und die Kindererziehung gebunden und würden dazu gezwungen, sich zu verschleiern. Somit sei gerade die Burka nichts anderes als ein Käfig des Patriarchats, der die Frauen benachteilige und unterdrücke. Ates forderte die an der Integration Beteiligten in Deutschland auf: "Richten Sie Ihren Blick auf die Forderungen der Frauenrechtlerinnen in den islamischen Ländern. Sie kämpfen gegen die Vollverschleierung und den Zwang ein Kopftuch zu tragen." Daher sei es widersinnig, wenn Vollverschleierung und ein Kopftuchzwang von einigen in Deutschland als ein Recht der betroffenen Frauen angesehen werde. Nicht alle Frauen, die sich für das Tragen eines Kopftuches entscheiden, seien unmündige Frauen. Man müsse differenzieren zwischen dem Zwang zum Kopftuch und dem freiwilligen Tragen aus Gottgefälligkeit. Auch betonte Ates, dass dem Islam eine Reformierung, wie sie im Christentum durch Martin Luther stattgefunden hat, fehle. Immer noch sei es schwierig, den Koran zu verstehen und zu deuten. Es gebe viele verschiedene Auslegungen und Umsetzungen, die mitunter auch dazu führten, dass Gewalt an Frauen durch bestimmte Suren begründet werde. Auch dass Sexualität in einem hohen Maße tabuisiert wird, äußere sich oftmals in sexueller Gewalt an Frauen im Alltag, insbesondere auf vielbesuchten Plätzen wie dem Taksim-Platz in Istanbul. Daher sei es wichtig, dass eine offene und ehrliche Diskussion über den Islam stattfinde. Eine zu vorsichtige Haltung der deutschen Bevölkerung aus Angst als rassistisch zu gelten, helfe dem allgemeinen und nötigen Diskurs über die Tradition der Unterdrückung der Frau im Islam nicht weiter. Entschieden äußerte sich die Referentin gegen Kinderehen und forderte eindringlich, diese in Deutschland nicht anzuerkennen, sondern eine Eheschließung unter 18 gesetzlich auszuschließen. Sie plädierte für ein Miteinander anstelle eines Gegeneinanders der Religionen. Nur so könne langfristig etwas an dem Stellenwert der Frau im Islam und auch weltweit geändert werden. Zu kritisieren sei außerdem, dass in der Religionsgeschichte des Islam bedeutenden und prägenden weiblichen Personen viel zu wenig Stellenwert beigemessen werde. Zu nennen sei hier vor allem die erste Frau des Propheten Mohammed, eine verwitwete Handelsgeschäftsbesitzerin, mit der er in Einehe lebte und die finanziell unabhängig war.

realisiert durch evolver group