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Symbolbild. - © picture alliance / dpa
Symbolbild. | © picture alliance / dpa

Hövelhof Hövelhofer Küster gewinnt vor Gericht

Durch die Streichung von drei Heiligen Messe in der Kirchengemeinde St. Johannes Nepomuk, sollte Hermann Wegener weniger Stunden pro Woche arbeiten. Dagegen zog er vor Gericht - mit Erfolg

Viktoria Bartsch
05.11.2016 | Stand 06.11.2016, 09:14 Uhr

Hövelhof. Das Arbeitsgericht Paderborn gab Küster Hermann Wegener am Freitagmittag recht: Die Änderungskündigung seines Arbeitsvertrages ist sozial ungerecht. Damit wird er auch weiterhin Vollzeit als Küster der Hövelhofer Kirchengemeinde St. Johannes Nepomuk arbeiten. Aufgrund der Streichung von drei Heiligen Messen pro Woche wollte die Kirchengemeinde Wegeners Arbeitsstunden von 39 auf 32 Stunden reduzieren. Dagegen zog der 52-Jährige vor Gericht. Seit einem halben Jahr streiten Küster und Kirchengemeinde bereits: Angefangen habe alles im April mit einer Sitzung des Gemeinderates, in der die Kürzung der Heiligen Messen beschlossen worden sei, so Wegener. Obwohl die Information kurz danach durch den Ort sickerte, habe man erst zweieinhalb Monate später mit ihm das Gespräch gesucht. "Das fand ich wirklich schade", sagt er. Das Gespräch fand ohne Pfarrer Bernd Haase, dafür aber mit Vertretern des Kirchenvorstandes und der Mitarbeitervertretung statt. Darin habe man ihm erklärt, dass man ihn zum 31. Dezember betriebsbedingt kündige, ihn aber ab dem 1. Januar 2017 wieder einstellen möchte. Allerdings nicht mehr mit den bisherigen 39 sondern mit 32 Stunden pro Woche. Wegener lehnte die Unterzeichnung der Papiere in dem Gespräch ab. Er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt und um ein neues Gespräch gebeten - diesmal mit Pfarrer Bernd Haase und jemanden, der sich arbeitsrechtlich auskenne, erklärt er gegenüber nw.de. Doch dazu kam es nicht. Am Morgen drauf lag die Kündigung im Briefkasten des Küsters. "Bei der Unterzeichnung ging es lediglich um die Zustellung des Kündigungsschreibens", sagt Susanne Höpfner, Anwältin der Kirchengemeinde. Weil Wegener die Papiere nicht direkt unterschrieben habe, habe man ihm die Papiere auf diesem Wege zugestellt, so die Anwältin. Für sie handele es sich bei dem Fall um eine normale betriebsbedingte Änderungskündigung. Hermann-Josef Bentler, Mitglied des Kirchenvorstandes, war bei dem besagten Gespräch dabei. "Wir haben ausdrücklich gesagt, dass wir jederzeit ansprechbar sind." Die Zustellung der Papiere habe nichts an der grundsätzlichen Gesprächsbereitschaft seitens des Kirchenvorstandes geändert, so Bentler. Küster Wegener nahm sich daraufhin einen Anwalt. Die Begründung der Stundenreduzierung im Zuge der Streichung der Messen mache für ihn keinen Sinn. Ein Gottesdienst werde laut Wegener mit 1,5 Stunden veranschlagt, insgesamt handele es sich also um den Wegfall von 4,5 Arbeitsstunden. Die Kirchengemeinde wollte ihm aber sieben Stunden streichen. In diese sieben Stunden sei nicht nur der Wegfall der drei Messen, sondern auch der geringere Reinigungsaufwand berücksichtigt worden, erklärt Anwältin Höpfner. Der Küster befürchtete durch die Streichung der Stunden einen Verlust von rund 500 Euro brutto. Seit 13 Jahren arbeitet Wegener in der Pfarrgemeinde St. Johannes Nepomuk. Seinen Job als Elektroinstallateur habe er damals extra aufgegeben. Er mache seinen Job gerne, habe in all den Jahren immer wieder Überstunden gemacht. Auch ohne die drei Messen pro Wochen, habe er genügend zu tun, um Vollzeit zu arbeiten. Dieses belege auch ein Stundenprotokoll, das er seit Mai führe. Am Freitagvormittag trafen beide Parteien nun zum dritten Mal vor Gericht aufeinander. Es zeigte sich, wie verhärtet das Arbeitsverhältnis zwischen Kirchengemeinde und Küster mittlerweile ist. Um künftig miteinander auszukommen, schlug Richterin Andrea Rakow den Beteiligten eine Mediation vor. Ob es dazu aber kommen wird, ist unklar. Im Anschluss an die Verhandlung sagte Pfarrer Bernd Haase: "Wie jede Entscheidung wird auch diese vom gesamten Kirchenvorstand getroffen." Ob die Kirchengemeinde das Urteil annimmt oder in der nächsten Instanz dagegen vorgehen wird, ist momentan noch unklar.

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