Hövelhof Hövelsenner Kapelle im Verhältnis 1:3 nachgebaut

Gedenkstätte wird eingeweiht

Hövelhof. Mit dem Läuten der alten Kirchenglocke von St.-Josef wird die Gedenkstätte Hövelsenner Kapelle am 11. Juli um 17 Uhr feierlich eröffnet. Nach Jahren der Planung und zwölf Monaten Bauzeit blickt der Förderverein Hövelsenner Kapelle mit Stolz auf das Geschaffene. Die Kapelle ist ein ungefähr im Verhältnis 1:3 verkleinerter Nachbau der 1974 aufgegebenen St.-Josefs-Kirche.

Wegen der Expansion des Truppenübungsplatzes verloren über 800 Hövelsenner auf 135 Hofstellen damals ihre Heimat. Der Neubau an der Sennestraße 236, schräg gegenüber der Heidschnuckenschäferei, liegt vom alten Standort der Kirche gerade einmal 1.300 Meter entfernt.

Information

Blick in die Geschichte

Die Besiedlung der Hövelsenne begann unmittelbar nach dem Ende des 30-jährigen Krieges um 1659. Das Dorf mit bis zu 800 Bewohnern reichte bis an das heute ebenfalls aufgegebene lippische Haustenbeck heran. 1923 weihten die Hövelsenner die historische St. Josefs-Kirche ein, die ebenfalls mit Spenden und Eigenleistung errichtet wurde. Der Hochaltar wurde damals von der Kirchengemeinde Dörenhagen beigesteuert. Dorthin ist der Altar bei der Aufgabe des Kirchenraums wieder zurückgegangen. Ihn wiederum zurückzuholen ist unmöglich, weil der Altarraum nur noch ein Drittel seiner ursprünglichen Größe hat. Stattdessen wird ein nach der Originalvorlage rekonstruiertes Bild des Heiligen Josef die Wand hinter dem Altar zieren. Eigene Geschichten erzählt der barrierefreie Weg vor der Kapelle. Beschriftete Pflastersteine sollen an die 135 Hofstellen, an die Familien von Hövelsenne erinnern. 32 Steine liegen bereits, 15 zusätzliche sind bestellt.

Ursprünglich sei geplant gewesen, immer dann weiter zu bauen, wenn ausreichend Geld da ist, berichtet Vorsitzender Anton Rampsel: „Dank der großen Spendenbereitschaft der Hövelsenner, aber auch aller Hövelhofer und der heimischen Wirtschaft können wir jetzt schon die Eröffnung feiern.“ Kassenwartin Beatrix Dellinger: „Manche haben uns mit fünf Euro unterstützt, andere mit 5.000 Euro. Wir sind für jede Spende dankbar und benötigen noch weitere Mittel, um die Geschichte von Hövelsenne für unsere Besucher erlebbar zu machen.“

Bei der Einweihung am Samstag, 11. Juli, mit der eigens aus dem Heimathaus ausgeliehenen Originalglocke von St.-Josef wird eine Heilige Messe draußen vor dem Neubau gefeiert. 20 Sänger des ehemaligen Männergesangvereins Hövelsenne werden sich daran beteiligen. Margret Bönninghoff, zweite Vorsitzende des Fördervereins: „Wir haben für den Auftakt ein besonders gut passendes Kirchenlied ausgewählt: Ein Haus voll Glorie schauet“.

Das 1.500 Quadratmeter große Grundstück, seit dem Frühsommer eingesät und mit einer Hecke an zwei Seiten umrahmt, hat bereits bei der Maiandacht der Hövelsenner Schützenkompanie mit 350 Besuchern seine Feuerprobe bestanden. Mindestens so viele werden auch zu dem Festakt mit Landrat Manfred Müller und Bürgermeister Michael Berens erwartet. Das Fest soll allen Interessierten Gelegenheit geben, den Neubau zu besichtigen, aber auch bei Speis und Trank über alte Zeiten zu klönen.

Spätestens dann dürfte der einst vollständig ausgelöschte Ortsteil von Hövelhof sein neues Zentrum gefunden haben.
Rampsel: „Die Kapelle soll als Gedenkstätte eine Anlaufstelle für die Ehemaligen sein, aber auch für deren Nachkommen.“ Zu den weiteren Planungen gehört auch ein Übersichtsplan, auf dem die alte Siedlung anschaulich wird. Spätere Generationen können dann auf Spurensuche gehen.
„Das Interesse an unserem Projekt ist groß“, sagt Schriftführer Rudolf Rodenbröker. Der heute in Bad Lippspringe ansässige Unternehmer war 1974 bei der letzten Messe in St. Josef als 14-Jähriger noch dabei. Was ihn am meisten freut: „Viele Hövelsenner, aber auch Ausflügler, Radfahrer und Heimatinteressierte haben schon bei den Bauarbeiten einen Blick ins Innere der Kapelle gewagt.“

In diesen Tagen werden noch sechs Kirchenbänke, ein kleiner Altar, ein Ambo sowie eine Kniebank aufgestellt. Rechts vom Eingang sind die letzten verbliebenen Ziegel des alten Gebäudes zu einer Kerzenecke aufgemauert. Künftig wird hier eine Madonna Platz finden. Die Kapelle, die nicht eine geweihte Kirche ist, wohl aber eine Gedenkstätte, soll auch ein Platz des Gebetes und des Gedenkens werden.
Von Sonntag, 12. Juli, an wird die Kapelle dann täglich bis Sonnenuntergang geöffnet sein.

Eine ganz besondere Kostbarkeit stellen die aufwendig restaurierten Kirchenfenster dar. Die sechs mit einer modernen Schutzverglasung gesicherten seitlichen Lichteinlässe tragen sogenannte Medaillons, große Heiligenporträts mit den Darstellungen von Maria, Josef, Elisabeth, Johannes und Aloysius.

Fünf der sechs Originale waren, wie einige andere Gegenstände auch, von Hövelsenner Familien vor dem Abriss der alten Kirche gesichert und über die Zeit bewahrt worden. Das Borchener Unternehmen „Die Glasmaler“hat die Instandsetzung der Medaillons übernommen. Das „Atelier Michael Neumann und Jörn Lönne“ steht für Gesamtentwurf und Konzept.

Die meisten Arbeiten an der Kapelle aber wurden in Eigenleistung erbracht. Deshalb kann Vorsitzender Anton Rampsel die bisherigen Gesamtkosten auch nur schätzen: „Alles in allem wurde hier ein Wert von über 100.000 Euro geschaffen. Das Ganze ist eine wunderbare Gemeinschaftsleistung.“ Wohlwollende Firmen übernahmen einzelne Gewerke wie den Tiefbau oder das Dachdecken komplett. Freiwillige Helfer waren bald jeden Tag an der Baustelle.

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