Paderborn/Jena Die schöne Clara Rosenthal kehrt heim

Erzbistum Paderborn schenkt der Stadt Jena bisher verschollenes Bildnis

Das Porträt der "schönsten Frau von Jena", Clara Rosenthal (1863-1941). - © FOTO: LIBORIANUM
Das Porträt der "schönsten Frau von Jena", Clara Rosenthal (1863-1941). | © FOTO: LIBORIANUM

Paderborn/Jena (NW). Im Liborianum Paderborn ist unerwartet eine kunsthistorische Überraschung zu Tage getreten: Lange zierte ein 1896 von Raffael Schuster-Woldan gemaltes Porträt einer bislang namenlosen "Dame mit Hund" das Bildungs- und Gästehaus des Erzbistums. Dieses konnte kürzlich von Kunsthistoriker Hans-Ulrich Hillermann im Rahmen einer Inventarisierung als Bildnis der Jenaer Bürgerin Clara Rosenthal (1863-1941) identifiziert werden. Mitte Februar kehrt es zurück in die Villa Rosenthal in Jena.

Clara Rosenthal war mit dem angesehenen Jura-Professor Eduard Rosenthal verheiratet und galt zu ihrer Zeit als schönste Frau Jenas. Als Jüdin war sie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 immer schlimmer werdenden Drangsalierungen ausgesetzt. im Jahr 1941 nahm sich Clara Rosenthal das Leben. Die Villa, die sie und ihr Mann einst in Jena bewohnt und in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Stadt Jena vermacht hatten, ist heute ein Kulturzentrum.

Seit vielen Jahren bemühen sich Jenaer Bürger, die Geschichte der jüdischen Familie Rosenthal zu erforschen und ihr Andenken zu ehren. Daher hat das Erzbistum Paderborn jetzt beschlossen, der Stadt Jena das Gemälde der Clara Rosenthal zu überlassen, damit es seinen Platz in der Villa Rosenthal wieder findet, in der es bis zu ihrem Tod gehangen hatte. Auf diese Weise möchten die Verantwortlichen dazu beitragen, die Erinnerung an eine der bedeutendsten Bürgerinnen Jenas und ihr tragisches Schicksal in der Zeit des Nationalsozialismus lebendig zu halten.

Am 18. Februar empfängt Generalvikar Alfons Hardt in Paderborn den Oberbürgermeister von Jena, Albrecht Schröter. Gemeinsam werden beide im Liborianum um 16.30 Uhr den Schenkungsvertrag für das Gemälde unterzeichnen. In einer öffentlichen Veranstaltung um 19 Uhr werden dann das Leben der Eheleute Rosenthal und die Geschichte des Gemäldes ausführlich vorgestellt. Anschließend wird das Bild nach Jena transportiert. Dort wird es zunächst in der Ausstellung "Frauenschönheit. Ideal und Wirklichkeit in der Belle Époque" im Stadtmuseum Jena gezeigt, bevor es seinen endgültigen Platz in der Villa Rosenthal findet.

Bis 1979 am Möhnesee

Das Gemälde befand sich bis 1979 im Waldschloss St. Meinolf am Möhnesee, das das Erzbistum Paderborn 1947 gepachtet und dann als Bildungshaus genutzt hatte. Bei der Beendigung des Pachtvertrags und der Verlagerung des Bildungsbetriebs in das Liborianum nach Paderborn schenkte der Eigentümer, die von Opelsche Forstverwaltung, dem Erzbistum das Gemälde für die neue Bildungsstätte Liborianum.

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