Sekunden nach dem Treffer: Frank Bröckling hat sich am Pfingstsonntag um 20.44 Uhr mit dem 161. Schuss einen Traum erfüllt. - © Regina Brucksch
Sekunden nach dem Treffer: Frank Bröckling hat sich am Pfingstsonntag um 20.44 Uhr mit dem 161. Schuss einen Traum erfüllt. | © Regina Brucksch

Hövelhof Hövelhofs König Frank Bröckling: "Ich fühle mich als schwuler Schütze wohl"

Die Sennegemeinde hat erstmals einen homosexuellen Regenten

Jens Reddeker
11.06.2019 | Stand 12.06.2019, 13:23 Uhr

Hövelhof. Mit dem 161. Schuss hat sich Frank Bröckling am Pfingstsonntagabend zum Jubelkönig in Hövelhof gemacht. Er ist der erste Regent im Kreis Paderborn, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Mit nw.de spricht er unter anderem darüber, was er erwartet und warum sein Mann nicht Prinzgemahl wurde. Herr Bröckling, wie waren die ersten Tage als Schützenkönig? Frank Bröckling: Das Telefon steht nicht mehr still. Es ist seit dem entscheidenden Schuss aufregend und einfach nur schön. Als wir am Sonntag gegen 23 Uhr vom Vogelschießen nach Hause kamen, waren Haus und Garten voll, es war geschmückt und es hat bis 4 Uhr eine Musikkapelle im Haus gespielt. Einmalig. Morgens kamen dann der Bataillonsvorstand, Nachbarn, Freunde sowie der alte und der neue Hofstaat vorbei. Sie führen seit fünf Jahren in Hövelhof das Hotel „Zum Grünen Baum", passt der Nebenjob als König da noch rein? Bröckling: Wir sind ein achtköpfiges Team im Hotel. Ich habe die Mitarbeiter vorher eingeweiht, was ich vorhabe. Sie haben mir die Daumen gedrückt und sich am Sonntag auf dem Festplatz riesig gefreut. Und jetzt müssen sie eben manchmal ohne mich auskommen. Aber als Reiteradjutant der Bruderschaft habe ich schon immer viele Schützentermine gehabt. Eingeweiht war ja nicht nur das Hotel-Team, in Hövelhof pfiffen die Spatzen ihre Pläne von den Dächern... Bröckling: Stimmt. Ich konnte ja schon nicht mehr in Ruhe tanken oder einkaufen. Überall haben mir Hövelhofer Glück gewünscht. Manchmal habe ich da gedacht, dass ich es wohl weniger Leuten hätte erzählen sollen. Wusste der Bürgermeister, Ihr Vorgänger als König, Bescheid? Bröckling: Michael Berens hat mir neulich schon mal die Königskette gezeigt und gesagt, dass er sich freuen würde, am Pfingstmontag bei uns im Garten zu sitzen. So war es dann auch, der komplette bisherige Hofstaat kam und hat uns gratuliert. Alles hat eben gepasst, aber es hätte ja auch schief gehen können. Dann hätte Hövelhof jetzt nicht den ersten schwulen Schützenkönig. Glauben Sie, dass Sie im Ort genauso bejubelt werden, wie die heterosexuellen Könige vor Ihnen? Bröckling: Auf jeden Fall. Man hat ja auch schon nach dem Vogelschießen gesehen, wie lang die Schlange der Gratulanten war. Ich fühle mich als schwuler Schütze wohl und habe hier im Ort noch nie Schwierigkeiten gehabt. Es mag sein, dass unter den 2.000 Mitgliedern auch welche dabei sind, die das komisch finden, aber dann ist das eben so. Sie haben aber Ihren Mann Jochen nicht zum Prinzgemahl im Hofstaat gemacht, sondern ihre Freundin Heidi Auster als Königin auserwählt. Warum? Bröckling: Es war für Jochen und mich immer klar, dass wir es so machen. Die Menschen wollen doch die Frauen und vor allem ein Königinnenkleid sehen – und das wollten wir niemandem nehmen. Mir war wichtig, dass mein Mann mit in der Königskutsche sitzt – deshalb bildet er gemeinsam mit Rita Fockel auch das Zeremonienmeisterpaar. Schützenvereine werden von außen als Horte des Konservativen wahrgenommen. Auch deshalb scheint es immer noch etwas Besonderes zu sein, wenn ein schwuler Mann im Verein ganz vorne mitmischt. Welche Bedeutung hat es für sie, dass gerade katholische Bruderschaften auch Probleme mit der Rolle von Frauen, Schwulen und Andersgläubigen haben? Bröckling: Für mich war es immer normal, Schütze zu sein und schwul zu sein. Ich kann mich an keine Probleme erinnern. Mein Mann und ich würden aber auch nicht händchenhaltend durchs Schützenfestzelt laufen – das machen wir woanders aber auch nicht. Man muss ja nicht alles auf die Spitze treiben. Dennoch freut es mich, wenn ich mit dieser Rolle als König auch ein Zeichen für Offenheit und Toleranz setzen kann. Haben Sie besondere Pläne für Ihr Regentschaftsjahr? Bröckling: Ich habe nicht vor, neue Methoden einzuführen, sondern wir wollen als Hofstaat Spaß haben und tolle Feste feiern. Ich freue mich riesig auf das Schützenfest in anderthalb Wochen und auf das Bundesschützenfest im September in Schloß Neuhaus. Die Wege sind kurz für uns, die Frauen müssen sich nicht im Bus umziehen, sondern wir haben es direkt vor der Tür. Was will man mehr? Sie kennen schon Schützenfeste aus der Hofstaatperspektive: 2010 als Hofpaar im Kaiserhofstaat von Reinhard Mielemeier, 2013 als Zepterprinz und 2015 als Adjutant bei Ihrem Freund Ingo Buschmeier. Auf welchen Moment beim Schützenfest freuen Sie sich besonders? Bröckling: Der Weg zum Festplatz und die Parade werden bestimmt schön. Besonders aufregend ist es, wenn wir mit der Königskutsche zur Auffahrt aufgerufen werden. Da schlägt mein Herz garantiert besonders schnell. Ansonsten wünsche ich mir, dass es sonnig und friedlich wird – dann feiern wir ein tolles Fest.

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