Hövelhof Eine Kapelle für Hövelsenne

Baubeginn für einen Ort der Erinnerung am Rande des Truppenübungsplatzes

VON RALPH MEYER
Bürgermeister Michael Berens, Pfarrer Bernd Haase, Landrat Manfred Müller und Vereinsvorsitzender Anton Rampsel (v. l.). Die Latten auf dem Boden stellen den Umriss des künftigen Bauwerks dar. - © FOTO: RALPH MEYER
Bürgermeister Michael Berens, Pfarrer Bernd Haase, Landrat Manfred Müller und Vereinsvorsitzender Anton Rampsel (v. l.). Die Latten auf dem Boden stellen den Umriss des künftigen Bauwerks dar. | © FOTO: RALPH MEYER

Hövelhof. Rund 150 Hövelhofer nahmen am Mittwochnachmittag, dem Josefstag, am Baubeginn für den Neubau der Hövelsenner Kapelle teil. Für viele war es ein sehr emotionaler Moment, und nicht wenige hatten Tränen in den Augen, als Pfarrer Bernd Haase den Baugrund am Rande des Truppenübungsplatzes Senne segnete.

Seit mehreren Jahren kämpfen die rund 80 Mitglieder des Fördervereins Hövelsenner Kapelle um einen Neubau, der an die ursprüngliche Kirche erinnern soll, die vor genau 90 Jahren geweiht worden war. 1985 wurde das Gotteshaus nach zehnjährigem Leerstand auf dem Truppenübungsplatz gesprengt.

Bürgermeister Michael Berens sprach von "einem historischen Tag". Er erinnerte daran, dass vor 350 Jahren die ersten Hövelhofer entlang des Krollbaches in Hövelsenne sesshaft wurden. "Wir stehen also unweit der Hövelhofer Keimzelle", sagte er. 1800 wurde die Dorfschule errichtet, doch auf die St.-Josefs-Kirche mussten die Hövelsenner bis 1924 warten.

Aber die Zeit des Glücks währte für die Hövelsenner nicht lange, denn das Dorf musste Platz machen für die Erweiterung des Truppenübunsgplatzes. 135 Familien verloren ihre Heimat und mussten umsiedeln - nach Zühr in Mecklenburg, ins Rheinland oder in die nahe Sennegemeinde. Die letzte Messe in der Hövelsenner Kirche wurde 1974 gefeiert, und zum letzten Mal erklang dort das "Hubertuslied". 1985 wurde der Sakralbau zum Entsetzen vieler Hövelhofer gesprengt. Heute erinnern nur noch ein Gedenkstein und ein Schuttberg an die Kirche der Hövelsenner.

Die Möglichkeit, nach Hövelsenne zu kommen, wurde über die Jahre immer schwieriger.

Noch heute erinnern die Hövelsenner Kompanie und der Männergesangverein Hövelsenne an den alten Ort, und das Dorf lebt in den Herzen vieler Bürger weiter. Das war der Antrieb für den Förderverein, trotz aller Schwierigkeiten den Bau der Kapelle zu verfolgen, der ein verkleinertes Abbild der alten St.-Josefs-Kirche im Maßstab 1: 3 sein wird.

Rund 7 mal 12 Meter soll das Gotteshaus messen, das genau 1,3 Kilometer südöstlich des alten Standorts am Kreuzungspunkt von Mühlen- und Panzerringstraße errichtet wird. Auch die Ausrichtung der Kapelle wird identisch mit der Lage der alten St.-Josefs-Kirche sein. Der Neubau der Kapelle wird rund 100.000 Euro kosten. Der Bau wird ausschließlich in Eigenleistung errichtet und ausschließlich durch Spenden finanziert. Über die Länge der Bauzeit möchte Anton Rampsel, Vorsitzender des Fördervereins, nicht spekulieren. Ein Grundstein mit historischen Dokumenten soll erst zu einem späteren Zeitpunkt eingebaut werden. Beim Neubau werden auch Originalsteine der alten Josefs-Kirche verwendet.

Landrat Manfred Müller sprach von einem "Stück Stein werdender Geschichte". Den Neubau stuft Müller als "Kombination aus Heimatverbundenheit und Gotteshaus" ein.

Pfarrer Bernd Haase sieht in dem Neubau einen "Ort des Gebetes und des Zusammenlebens" und hofft, dass an der Mühlenstraße auch ein "Ort der Erinnerung"entsteht.

Umrahmt wurde die Feierstunde durch die beiden "Siene Puttkers" Michael Berens und Udo Renneke, die besinnliche Stücke über die Senne vortrugen.

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