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Delbrück Spurensuche im Kösterschen Haus

Martin Kolek erforscht Kriegsgefangenen-Schicksale

04.01.2013
Josef Kückmann und Hubert Kösters (r.) schauen auf den gepflasterten, verschüttenen Eingang des Abwasserkanals am Kirchplatz, durch den 1945 aber auch sowjetische Kriegsgefangene flohen. - © FOTO: REGINA BRUCKSCH
Josef Kückmann und Hubert Kösters (r.) schauen auf den gepflasterten, verschüttenen Eingang des Abwasserkanals am Kirchplatz, durch den 1945 aber auch sowjetische Kriegsgefangene flohen. | © FOTO: REGINA BRUCKSCH

Delbrück. Nach mehr als 65 Jahren trafen sich Hubert Kösters und Josef Kückmann und erinnern sich lebhaft an die kleine Mauer und den Abwasserkanal am Kirchplatz gegenüber von der alten Mädchenschule – heute Kreuzapotheke.

Eigentlich wollte Martin Kolek bei seinen Recherchen mehr über Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene auf dem Hof Kückmann erfahren. Ein sowjetischer Kriegsgefangener wurde auf dem Hof Kückmann versteckt gehalten, er sollte wie alle sowjetischen Kriegsgefangenen nach Ende des militärischen Krieges in die Sowjetunion zurück transportiert werden. Ein Sammelpunkt war der Kirchplatz. Von dort türmte der Jugendliche durch einen Abwasserkanal, so Josef Kückmann.

Martin Kolek ging der Spur nach. Zeichnungen von einem Abwasserkanal waren nicht zu finden. Der Kanal ist mittlerweile mit Beton ausgefüllt, verdichtet. Erinnerung ist gelebte Gegenwart, sie lässt nicht einfach auslöschen oder wegbetonieren . Hubert Kösters erinnert sich an den Abwasserkanal, der Oberflächenwasser von der Langenstraße, - damals "Adolf Hitler Straße" bis zum Wiemenkamp führte: Er war etwa 90/100 Zentimeter groß und etwa 300 Meter lang.

Ende des Krieges - im Frühjahr 1945 wurden zahlreiche Kolonnen von sowjetischen Kriegsgefangenen schwer bewacht von deutschen Soldaten des "Volkssturms" und sog. "Kettenhunden" – Feldgendarmerie der Wehrmacht durch die Innenstadt von Delbrück getrieben. Immer wieder versuchten einzelne Kriegsgefangene zu fliehen. Hubert Kösters öffnete als Junge drei sowjetischen Kriegsgefangenen den Deckel zum Kanal. In diesem verschwanden sie. Wo sie geblieben sind, und ob sie überlebt haben, weiß Hubert Kösters nicht. Der Kanal verlief bis zum heutigen Wiemenkamp.