Verheerender Brand: In Delbrück-Steinhorst starben 4.000 Küken, nur wenige überlebten.  - © Ralph Meyer
Verheerender Brand: In Delbrück-Steinhorst starben 4.000 Küken, nur wenige überlebten.  | © Ralph Meyer

Delbrück Peta erstattet nach Großbrand Strafanzeige gegen Delbrücker Geflügelhof

In Steinhorst starben 4.000 Gänseküken. Die Tierrechtsorganisation wirft den Betreibern unzureichende Brandschutzmaßnahmen vor. Die weisen alles zurück

Uwe Müller
23.05.2019 | Stand 23.05.2019, 20:37 Uhr

Delbrück-Steinhorst. Der Schock saß tief bei den Betreibern des Geflügelhofes in Steinhorst. Vor zehn Tagen starben 4.000 Gänseküken bei einem Stallbrand. Weitere rund 1.500 Tiere der zunächst geretteten 2.000 Gänse mussten kurz darauf eingeschläfert werden, weil sie zu viel Rauch eingeatmet hatten.Auch der Sachschaden, der auf 150.000 Euro geschätzt wird, setzt dem Ehepaar sehr zu. Und nun der nächste Schock: die Tierschutzorganisation Peta hat bei der Staatsanwaltschaft Paderborn Strafanzeige gegen die Inhaber des Geflügelhofes erstattet. Mutmaßlich unzureichende Brandschutzmaßnahmen seien möglicherweise billigend in Kauf genommen worden, so dass die Gänse qualvoll erstickten oder bei vollem Bewusstsein verbrannten, begründet die Tierschutzorganisation die Anzeige. Die Brandursache ist Peta egal Laut Polizei und Sachverständiger sei das Feuer auf einen technischen Defekt zurückzuführen, andere Ursachen seien auszuschließen. „Uns ist völlig egal, welche Ursachen zum Brand geführt haben", erklärt Edmund Haferbeck, Leiter der Peta-Rechtsabteilung, und ergänzt: „Wir haben bundesweit 10 bis 15 Stallbrände im Monat. Das ist ein deutliches Zeichen, dass nichts mehr stimmt. So geht es nicht weiter. Jedes Mal heißt es nur, es ist ein technischer Defekt gewesen – der Brandschutz wird bei vielen Tierställen nicht ernst genommen und nur alle paar Jahrzehnte überprüft. Wir haben durch viele Undercover-Aufnahmen oft gezeigt, dass in Ställen Stromleitung offen liegen und mit Stroh in Berührung kommen können. Wir sind absolut gegen Massentierhaltung." Vor Ort in Steinhorst sei die Tierschutzorganisation aber nicht gewesen. Das Inhaberpaar des Geflügelhofes ist brüskiert, als es von der Strafanzeige gehört hat und weist fehlenden Brandschutz zurück: „Wir führen den Betrieb seit 60 Jahren und hatten nie Probleme. Der Stall, der insgesamt über 1.000 Quadratmeter groß ist, ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Dazwischen sind gemauerte Trennwände." In einem 375 Quadratmeter großen Abschnitt des Stalls ist laut Feuerwehr das Feuer ausgebrochen. Dort seien aber laut den Geflügelzüchtern nur etwa 1.500 Gänseküken untergebracht gewesen. Die anderen Tiere hätten sich in anderen Abteilen aufgehalten. Laut der Stadt Delbrück werden Betriebe mit Tierhaltung beim Neubau bezüglich des Brandschutzes überprüft, danach sei es Betreiberpflicht. Peta kritisierte in der Vergangenheit wiederholt die bestehenden Brandschutzverordnungen, da ein Schutz der Tiere so gut wie nicht geregelt ist. Und auch Massentierhaltung will sich das Paar aus Steinhorst nicht vorwerfen lassen: „Das gibt es bei uns nicht. Es sind alles Weidetiere, die wir nur an Biobetriebe und Privatleute innerhalb Deutschlands verkaufen. Die Gänse haben genug Platz. Neben dem großen Stall haben die Tiere auch einen noch größeren Auslauf. Zudem werden wir regelmäßig vom Veterinäramt überprüft – wir sind ein Vorzeigebetrieb." Lisa Kainz, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei Peta meint: „Jedes Tier, das bei einem Stallbrand stirbt, wird grob fahrlässig getötet." Zudem sei es schlicht unmöglich Soforthilfe zu leisten, wenn Tausende Tiere in einem Stall eingesperrt sein. Dieses Risiko sei den Betreibern bewusst, so Kainz. Peta weist Lürbkes Kritik scharf zurück Zuletzt gab es Brände in Schweinemastbetriebe in Erwitte und Soest und nun das Feuer auf der Geflügelfarm in Delbrück. Eine Aufklärung der sich häufenden Brände in Tierställen fordert Marc Lürbke, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. Zudem habe es in NRW mehrfache Stalleinbrüche gegeben. Lürbke fordert, dass geklärt werden müsse, ob es sich in diesen Fällen um Angriffe radikaler Tierrechtler handele. Edmund Haferbeck, Leiter der Peta-Rechtsabteilung, kann darüber nur schmunzeln: „Es ist eine Ungeheuerlichkeit. Ich kann nicht fassen, was manche Leute verbreiten. Tierschützer würden so etwas nie tun."

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