Der Kiebitz, hier ein Männchen, war einst Charaktervogel der westfälischen Agrarlandschaft. - © Gerhard Lakmann
Der Kiebitz, hier ein Männchen, war einst Charaktervogel der westfälischen Agrarlandschaft. | © Gerhard Lakmann

Delbrück Landwirte schaffen Inseln für den Vogelschutz auf Ackerflächen

Für den Artenschutz legen Landwirte freiwillig zwei Hektar große Flächen auf Äckern still

Regina Brucksch
11.05.2019 | Stand 11.05.2019, 14:36 Uhr

Delbrück-Westenholz. Im Delbrücker Land haben vier Landwirte „Feldvogelinseln im Acker" eingerichtet. Ziel des landesweiten Förderprogramms ist der Schutz von Kiebitzen. Donnerstagmittag stellten Vertreter des Kreises Paderborn, der Biologischen Station Senne, der NRW-Landwirtschaftskammer und des Landwirtschaftlichen Kreisverbands auf dem Hof von Richard Schulte in Westenholz das Gemeinschaftsprojekt vor. Peter Gottsleben, Dezernent aus Detmold, erläuterte das Paket: „Das Land NRW legt es zum dritten Mal in Folge auf. Leider ist es jährlich auf 100.000 Euro gedeckelt. Landwirte können eine Prämie erhalten, wenn sie ein Jahr lang eine zwei Hektar große Fläche stilllegen, die mindestens drei Brutpaare aufweist." Gerhard Lakmann von der Biologischen Station erklärte: „Unser Dachverband hat beim Umweltministerium offene Türen eingerannt. Seit zehn Jahren nimmt die Zahl der Kiebitz-Brutpaare dramatisch ab." Insekten als Futter für die Feldvögel Der Naturschützer sprach von einem Mainstream-Thema in der Bevölkerung. Auf den Inseln würden Ackerwildkräuter wachsen, die Insekten als Futter für die Feldvögel anzögen. Somit seien die Flächen Überlebensinseln für ganze Arten-Gemeinschaften. Die Niederungsgebiete an Ems und Lippe böten letzte Rückzugsgebiete. Eine Kiebitz-Bestandsaufnahme 2017 habe ergeben, dass die meisten der fast 500 Paare im Raum Delbrück und Salzkotten ihre Jungen aufzögen. „Wir haben sie kartiert. Allein 100 sind in Westenholz", begründete der engagierte Jäger Richard Schulte seine Begeisterung. In diesem Jahr sind neben ihm die Landwirte Hubert Lipsmeier, Stefan Sudhoff und Helmut Daniel aus Westenholz sowie Anton Krönig aus Anreppen dabei. Heinrich Baumhögger aus Salzkotten, Vorsitzender des Kreis-Naturschutzvereins, lobte ihren freiwilligen Einsatz. Paderborn sei bei vielen Naturschutz-Aktionen landesweit vorn. Schulte sprach den Schutz von Kiebitz-Einzelgelegen an: „Eine Gruppe aus Westenholzer Landwirten und Naturfreunden hat 40 Nester mit Stöcken markiert. Der Kreis zahlt für das Aussparen bei der Bodenbearbeitung jeweils 25 Euro." Neben den „Feldvogelinseln" bietet der Vertragsnaturschutz weitere Pakete an. Das können die Anlagen von Ackerbrachen durch Einsaat oder Selbstbegrünung sein. Anträge für diesen fünfjährigen Förderzeitraum ab Januar 2020 sind beim Kreis-Umweltamt bis Ende Juni 2019 einzureichen.

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