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Im Fokus: Auf dieser Freifläche südlich des Alten Hellwegs (verläuft links), könnte demnächst das Lager von Chefs Culinar stehen. Rechts im Tal liegt Ahden. - © Johannes Büttner
Im Fokus: Auf dieser Freifläche südlich des Alten Hellwegs (verläuft links), könnte demnächst das Lager von Chefs Culinar stehen. Rechts im Tal liegt Ahden. | © Johannes Büttner

Büren Bürener Ortsteil fürchtet die große Dunkelheit durch Chefs-Culinar-Neubau

Das riesige Lager würde nah ans Dorf rücken und könnte den Sonnenuntergang beschleunigen. Der Ortsvorsteher und weitere Einwohner kritisieren die Stadt

Jens Reddeker
28.03.2019 | Stand 27.03.2019, 21:15 Uhr

Büren-Ahden. Die Bürger in Ahden fühlen sich überrumpelt von den neusten Plänen der Stadt Büren. Wie die Neue Westfälische exklusiv berichtet hat, soll das riesige Zentrallager des Gastronomiezulieferers Chefs Culinar nicht am Bürener Kapellenberg entstehen, sondern nahe des bisherigen Gewerbeparks am Flughafen in Ahden. Ein entsprechender Flächenerwerb wird nach NW-Informationen bereits vorbereitet. "Von 1.000 Ahdenern sind mindestens 900 gegen das Projekt", schimpft Ortsvorsteher und SPD-Ratsherr Rainer Fischer. Von der Ahdener Tallage aus gesehen, wird seiner Ansicht nach mit dem Vorhaben nicht nur geographisch eine Grenze überschritten. "Wenn diese Bebauung wie vorgesehen südlich des Hellwegs kommt, dann geht im Winter die Sonne hier im Dorf bestimmt eine Viertelstunde eher unter." Wie die Unterlagen für die Bauausschusssitzung am kommenden Mittwoch, 3. April (18.30 Uhr im Bürgersaal), verraten, will die Stadt eine zwölf Hektar große Fläche südlich des Hellwegs durch eine Flächennutzungsplanänderung als Gewerbegebiet ausweisen. Die NW hatte zunächst berichtet, dass das Gewerbegebiet in westlicher Richtung erweitert werden sollte. 120.000 Quadratmeter waren auch am Kapellenberg vorgesehen, doch dort kann das 15-Millionen-Euro-Vorhaben aufgrund der Nähe zu Windanlagen nach NW-Informationen nicht umgesetzt werden. Käme der Umzug an den Flughafen, würde der Blick der Ahdener gen Westen dann auf das etwa 300 Mal 400 Meter große Lagergebäude fallen - laut Fischer exakt an der Stelle, wo bislang allabendlich die Sonne hinterm Horizont versinkt. "Ich fühle mich von Politik und Verwaltung verschaukelt" Nicht nur wegen des Lichtmangels im Tal ist auch die Ahdenerin Marianne Rahn sauer, nachdem sie aus der NW von den Plänen der Stadtverwaltung erfahren hat: "Uns wurde immer gesagt, dass ein Gewerbe-Park entsteht, der durch einen Wall abgegrenzt wird. Das ist aber nur bei einem einzigen Unternehmen passiert. Und jetzt wird auch noch die Zusage gebrochen, dass südlich des Hellwegs kein Gewerbe kommen soll. Ich fühle mich von Politik und Verwaltung verschaukelt." Vielen anderen Dorfbewohnern gehe es ähnlich. Ihr Mann Gerhard Rahn wirft der Stadt vor, am Kapellenberg eine gründliche Prüfung des Grundstücks versäumt zu haben: "Jetzt soll das Projekt in Ahden mit einem Schuss aus der Hüfte durchgeboxt werden." Im Ort befürchten Bewohner vor allem den Lkw-Verkehr am Lager. Der Lärm würde regelmäßig verstärkt, sagt Rainer Fischer, da zu 70 Prozent Westwind herrsche. Dass eine Gewerbeansiedlung südlich des Hellwegs drohen kann, wussten die Ahdener allerdings seit rund fünf Jahren. Schon seinerzeit wurde der Bereich im Regionalplan für gewerbliche und industrielle Nutzung ausgewiesen. Dort steht auch, dass an dieser Stelle "flughafenaffines Gewerbe" zulässig ist. "Wir haben schon damals vorgeschlagen, lieber Fläche zwischen Landebahn und Hellweg östlich des Flughafens auszuweisen", erinnert sich Ahdens Ortsvorsteher Fischer. Die Stadt äußert sich noch Verfahren nicht Darüber und über die überraschende Entwicklung im Fall "Chefs Culinar" würde er gerne mit Bürgermeister Burkhard Schwuchow (CDU) sprechen. Er wartet seit Tagen auf eine Antwort aus dem Rathaus. "Es ist einfach traurig, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden", sagt der Ahdener. "Die Bürger im Dorf müssen doch informiert werden." Er selbst erfuhr von den Ahdener Plänen erst in der Vorwoche. Stadtsprecherin Marianne Witt-Stuhr bertont, dass die Stadt sich über nicht-öffentliche Verfahren generell nicht in der Öffentlichkeit äußere. Das Informieren der Ahdener Dorfgemeinschaft nimmt der erfahrene Kommunalpolitiker Fischer nun selbst in die Hand. In der kommenden Woche soll es eine Sondersitzung des Dorfrates geben, zu der auch die Öffentlichkeit eingeladen ist. Bis dahin bedient er sich noch einer ganz traditionellen Form der Kommunikation: die Verwaltungsvorlage des Bauausschusses inklusive Flächenmarkierung hat er im Schaukasten in der Dorfmitte ausgehängt.

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