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Hier ist noch Platz: Eine Erweiterung des Gewerbegebietes am Flughafen in Büren-Ahden (im Hintergrund ist die Firma CP Tech zu sehen) macht die Ansiedlung von Chefs Culinar möglich. - © Johannes Büttner
Hier ist noch Platz: Eine Erweiterung des Gewerbegebietes am Flughafen in Büren-Ahden (im Hintergrund ist die Firma CP Tech zu sehen) macht die Ansiedlung von Chefs Culinar möglich. | © Johannes Büttner

Büren Plötzliche Planänderung: Chefs Culinar soll am Paderborner Flughafen bauen

Das riesige Zentrallager soll doch nicht am Kapellenberg entstehen. Ein Nachbarbauwerk ist schuld. Doch die Stadt Büren will den Großinvestor mit einem anderen Grundstück halten.

Jens Reddeker
26.03.2019 | Stand 26.03.2019, 11:12 Uhr

Büren. Bürgermeister Burkhard Schwuchow gab zu, dass er sich verliebt habe. Und Bürens erster Bürger erhielt im Gegenzug ebenfalls reichlich Komplimente. Büren und die Firma Chefs Culinar präsentierten sich im Festzelt des Moritzmarktes im September 2018 als Traumpaar. Stadt und Unternehmen hatten im Sommer einen NW-Bericht bestätigt, dass der Lebensmittel-Großhändler ein riesiges Zentrallager am Bürener Kapellenberg errichten werde. Chefs Culinar lobte die professionelle Abwicklung durch die Bürener Stadtverwaltung. Sechs Monate später besteht die Liebe zwischen den Partnern immer noch, doch ein entscheidendes Detail der nahenden Hochzeit ändert sich. Nach NW-Informationen wird das Lager nicht am Kapellenberg gebaut, sondern im Gewerbegebiet am Flughafen. Ursache für die plötzliche Planänderung ist offenbar ein Windrad. Die Spatzen pfiffen es in Büren bereits seit mehreren Tagen von den Dächern, doch jetzt wird das Vorhaben konkret umgesetzt. Auf der Tagesordnung der Ratssitzung am kommenden Donnerstag, 18.30 Uhr im Bürgersaal, wird im nicht-öffentlichen Teil über einen "Flächentausch zur Entwicklung gewerblicher Flächen am Paderborn/Lippstadt Airport" debattiert. 120.000 Quadratmeter hätten am Kapellenberg zur Verfügung gestanden, viel weniger sollen es wohl auch am Airport nicht werden. Für das Unternehmen und die Stadt Büren drängt die Zeit, schließlich sprach Geschäftsführer Christian Moll (Weeze) im Vorjahr davon, 2019 mit dem Bau beginnen zu wollen. Die Eröffnung ist für 2022 vorgesehen. Am ursprünglichen Standort Kapellenberg hatten die Planer in der Stadtverwaltung offenbar nicht mit dem Gegenwind eines Steinhäuser Windradbetreibers gerechnet. Dessen Anlagen stehen auf der anderen Straßenseite des Hellwegs und das geplante Gebäude würde zu nah an die Windräder rücken. Laut NRW-Bauministerium gibt es aktuell zwar keine grundlegende Abstands-Regelung für eine derartige Konstellation. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers werde aber der Einzelfall berücksichtigt. Einerseits ergeben sich Abstände zu Windkraftanlagen aus lärmschutztechnischen Gründen, andererseits gelte der Grundsatz, dass das dreifache der Höhe der Windkraftanlage als Abstand eingehalten werden sollte, "damit das Bauwerk keine erdrückende Wirkung entfaltet". Trotz Verhandlungen konnten sich in Büren Stadt und Betreiber nicht auf eine Lösung einigen - so dass im Rathaus nach Alternativen gesucht wurde. Vielsagende Antwort In der Vorwoche hatte die Stadt auf NW-Anfrage mitgeteilt, dass weder Unternehmen noch Kommune "Zweifel an der Umsetzung des Bauvorhabens" haben. Auch bei der Chefs-Culinar-Planung sei das entsprechende Bauleitplanverfahren vorgeschrieben. Dabei gehe es um die Abwägung aller öffentlichen Belange wie beispielsweise dem Umwelt- und Landschaftsschutz sowie um privatrechtliche Interessen. Stadtsprecherin Marianne Witt-Stuhr antwortete vielsagend: „An diesem Abwägungsprozess wird derzeit mit allen Beteiligten und den Trägern öffentlicher Belange gemeinsam gearbeitet." Einen Hinweis auf die neue Entwicklung verkniff sie sich. Für die Lösung sorgte schließlich Georg Freiherr von und zu Brenken. Von ihm erwarb die Stadt Land, um das Gewerbegebiet am Flughafen in westlicher Richtung mit dem dicken Fisch Chefs Culinar zu erweitern. Die Stadt Büren legte sich mächtig ins Zeug, noch ist das Gelände nach NW-Informationen nicht einmal erschlossen. Neben einer Kanalisation benötigt Chefs Culinar schließlich mindestens zwei Zufahrten aufs Gelände. Günstige Verkehrslage ist ausschlaggebend Die Unternehmensgruppe mit Hauptniederlassungen in Kiel und Weeze (Niederrhein) liefert Lebensmittel sowie vorbereitete und fertige Essen an Großverbraucher. Der Weezener Geschäftsführer Christian Moll lobte 2018 den Standort Büren: „Er erfüllt alle modernen Standards und ist perfekt auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten." Moll nannte konkret die Anbindung an die Autobahnen 44 und 33. Diese Lage biete dem Unternehmen „umfassendes Potenzial für weiteres Wachstum". Am Montag antwortete Chefs Culinar nicht auf eine NW-Anfrage. Seinerzeit hieß es, das Logistikzentrum mit Bürogebäude könnte Längen von 400 Mal 300 Meter bekommen. Für die Investition sprach Moll im Vorjahr von einem „zweistelligen Millionenbetrag", der sich aufgrund der benötigen Kühlräume wohl auf etwa 15 Millionen Euro schätzen lässt.

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