In Brilon-Thülen nahe der Kreisgrenze zu Paderborn trafen sich auf den Gleisen der früheren Almetalbahn der Touristenzug des Vereins Waldbahn Almetal aus Büren und ein Nahverkehrszug der Deutschen Bahn. - © Michael Kreutner
In Brilon-Thülen nahe der Kreisgrenze zu Paderborn trafen sich auf den Gleisen der früheren Almetalbahn der Touristenzug des Vereins Waldbahn Almetal aus Büren und ein Nahverkehrszug der Deutschen Bahn. | © Michael Kreutner

Kreis Paderborn Wissenschaftler fordert Rückkehr der Almetalbahn

Für den früheren Dörenhagener Hochschullehrer Georg Römhild liegen die Gründe für die Reaktivierung der Strecke auf der Hand. Er sagt, wer nun dringend aktiv werden muss

Borchen-Dörenhagen. Als junger Mann hatte er den Traum, Bahnhofsvorsteher zu werden. Es kam aber anders für Georg Römhild. Der 76-Jährige hat Karriere in der Wissenschaft gemacht - doch die Verbundenheit zur Bahn ist geblieben. Der promovierte Geograph ist Fachmann für die Almetalbahn. Er kämpft nicht aus Gründen der Nostalgie für deren Reaktivierung zwischen Paderborn und Brilon, sondern, weil er von der Notwendigkeit überzeugt ist. Nach ersten NW-Berichten vor einigen Wochen über das neu aufgeflammte öffentliche Interesse an der Bahn, ist die Diskussion über die Wiederaufnahme des Zugverkehrs mittlerweile auch in der Politik angekommen. Der Nahverkehrsverbund, der Bürener Stadtrat und der Kreistag haben sich schon mit der Almetalbahn befasst. Der Zweckverband NWL wurde beauftragt, per standardisierter Bewertung die Perspektive für die Strecke aufzuzeigen. Die letzte Bewertung ist zehn Jahre alt. "Diese Strecke wäre ein Gewinn für das Bahn-Netz in der Region. Das muss man der Bahn als Netzbetreiber klarmachen", sagt Römhild. Der Geograph aus Dörenhagen hat schon in seiner Zeit als Akademischer Oberrat an der Universität Paderborn bis 2012 regelmäßig mit seinen Studenten das Almetal und die zugehörige Bahntrasse von Paderborn über Borchen und Büren nach Brilon bearbeitet. Zwischen Paderborn und Büren verkehrte der letzte Personenzug am 30. Mai 1981, der letzte Güterzug am 31. Dezember 1994. Dort wurden die Schienen 2006 abgebaut. Zwischen Büren und Alme fuhr noch bis 2014 die touristische Waldbahn Almetal. Entlastung für Nord-Süd-Verbindung Die neu aufgeflammte Unterstützung für das Thema aus dem politischen Raum nimmt Römhild wohlwollend zur Kenntnis. Er drängt aber zu noch mehr Initiative: "Der Deutschen Bahn muss bewusst werden, dass nicht nur die Schnellstrecken gestärkt werden können." Das einstige Staatsunternehmen habe derzeit kein Interesse an Nebenrouten. Römhild sagt: "Um gegenzuwirken, müsste auch der Bundesverkehrsminister eingreifen." Die Stadt Paderborn, der Kreis, die Bezirks- und die Landesregierung sollten die anstehende Verkehrswende ernst nehmen. "Die Entwicklung von Personen- und Güterverkehr konnte bei der Stilllegung der Strecke nicht vorhergesehen werden. Aber jetzt sind es Argumente, um mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern." Die Verbindung habe mit Blick aufs Bahn-Netz noch einen weiteren Vorteil, sagt der Forscher: "So eine Strecke hat auch eine Entlastungsfunktion für die Hauptrouten in Nord-Süd-Richtung." Schon heute würde immer mehr Verkehr zum Beispiel über Altenbeken und Warburg umgeleitet, wenn andere Trassen überlastet oder defekt seien. Auch der Tourismus in der Region sei ein bedeutender Faktor. Ein Beschluss zur Reaktivierung der Almetalbahn wäre aus Römhilds Sicht ein deutliches Zeichen zur Stärkung des ländlichen Raums. "So ist es in Nordhessen geschehen", blickt der in Lübbecke aufgewachsene frühere Hochschullehrer in die Nachbarregion. Dort werden die Verbindungen Korbach-Frankenberg und Frankenberg-Marburg wieder befahren: "Landes- und Kommunalpolitik haben sich eingesetzt, es wurde mit der Kurhessenbahn eine eigene Gesellschaft gegründet." Vergleich mit Stuttgart 21 Ob es mal eine komplette Reaktivierung der Strecke des Heckeneilzugs Bremen-Frankfurt geben kann, ist komplett offen. Nach den Wiedereröffnungen in Nordhessen, fehlen noch die Teilstücke der Almetalbahn und von Rahden (Kreis Minden-Lübbecke) nach Bassum in Niedersachsen. Doch Geograph Römhild gibt auch hier die Hoffnung nicht auf: "In Süd-Niedersachsen gibt es eine starke Initiative für das Wiederaufleben der Strecke." Doch zunächst treibt den Dörenhagener vor allem die Almetalbahn an. Die spekulierten Kosten von 30 bis 40 Millionen Euro wären nach seiner Ansicht gut investiert: "Dies sind keine exorbitanten Beträge. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Bahn für das Projekt Stuttgart 21 mit 8,2 Milliarden Euro kalkuliert."

realisiert durch evolver group