0
Wie geht’s weiter? Dieses Gleisende liegt im früheren Rangierbahnhof in Ringelstein. - © Johannes Büttner
Wie geht’s weiter? Dieses Gleisende liegt im früheren Rangierbahnhof in Ringelstein. | © Johannes Büttner

Büren/Paderborn Experte fordert Neustart für die Almetalbahn

NW-Artikel sorgt für zahlreiche Reaktionen / Rainer Wester vom Fahrgastverband Pro Bahn sieht Chancen in der Verbindung Büren - Paderborn

Jens Reddeker
16.01.2019 | Stand 16.01.2019, 07:36 Uhr |

Kreis Paderborn. Bei Pendlern zwischen Paderborn, Büren und dem Sauerland sowie bei Eisenbahnfans keimt Hoffnung auf - Hoffnung auf die Reaktivierung der Almetalbahn. Die seit Jahren stillgelegte Strecke aus der Domstadt über Büren nach Brilon sei es wert, wieder befahren zu werden. Am vergangenen Wochenende forderte der Bürener Friedel H. Weber in der NW, dass sich die Politik ein Beispiel an der Reaktivierung von Bahnstrecken in Nordhessen nehmen solle. Unterstützung erfuhr er danach von NW-Lesern auf Facebook - und auch Bahnexperte Rainer Wester (Upsprunge) vom Fahrgastverband Pro Bahn macht sich jetzt für die Belebung der Route stark. "Die Strecke ist zum Glück nicht für den Bahnverkehr entwidmet", klärt Wester auf. Der Kreis unterhalte die Trasse weiterhin. Noch in dieser Woche wurden Baumschnittarbeiten, unter anderem bei Wewelsburg, durchgeführt. Im Nahverkehrsplan des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sei die Strecke ebenfalls als "umsetzenswert" vermerkt. Der 26 Kilometer lange Teilabschnitt zwischen Paderborn und Büren sei als förderfähig eingestuft - ein Betrieb würde sich laut Studien lohnen. Der NWL nennt eine Streckengeschwindigkeit von 80 bis 100 km/h und als Ziel einen Stundentakt, der in Spitzenzeiten zum Halbstundentakt verdichtet werden könnte. Noch kein Analyse-Ergebnis der Bahn Auf Facebook schreibt NW-Leserin Nina Hirschberg zur Reaktivierung: "Das wäre mal was." Markus Hufnagel ärgert sich darüber, dass "Studenten aus dem Sauerland derzeit nur unter größten Umständen per Bahn nach Paderborn reisen" können. Hier könnte eine Almetalbahn 2.0 Abhilfe schaffen. Auch die Bürener SPD hat sich in der NW-Redaktion gemeldet und darauf hingewiesen, dass die Stadt 2016 nach einem Rats-Antrag der Sozialdemokraten eine Potenzialanalyse für die Reaktivierung der Strecke in Auftrag gab. Ein Ergebnis dieser Analyse der DB Netz AG und des Deutschen Bahnkunden-Verbands liegt noch nicht vor. Der Kostenaufwand einer Wiederinstandsetzung schockt den Bahnverkehr-Lobbyisten Wester nicht. "Wenn man die kolportierten 30 Millionen Euro betrachtet und sieht, wie teuer der Ausbau der A 33 ist, fällt auf, dass der Bahnverkehr solch eine Summe längst wert sein sollte." Das am vergangenen Freitag freigegebene Teilstück der A 33 zwischen Halle und Künsebeck kostete 60 Millionen Euro. Kompletter Neubau unumgänglich Als Vorbild für einen Neustart der Almetalbahn dient die mittlerweile sehr gefragte "Senne-Bahn" (RB 74). Die Strecke zwischen Paderborn und Bielefeld war zwar in jüngerer Vergangenheit nie gänzlich stillgelegt, doch dümpelte sie Ende der 1980er Jahre nur noch vor sich hin und stand kurz vor dem Aus. Mittlerweile haben neue Züge und der Ausbau bis zum Halbstundentakt zu einst ungeahnten Auslastungen geführt. Eine ähnliche Entwicklung hält Bahn-Experte Wester auch im Almetal für möglich: "Wer weiß denn, wie sich die Kosten fürs Autofahren mal entwickeln? Diese Verbindung kann speziell für den Südkreis noch sehr wertvoll werden." Die Almetalbahn müsste im Fall der Reaktivierung komplett neu gebaut werden. Und das, obwohl auf dem Abschnitt zwischen Büren und Brilon noch Gleise liegen: "Das ist aber nur noch Abfall", meint Experte Wester. Auf der Strecke zwischen Paderborn und Büren verkehrte der letzte Personenzug am 30. Mai 1981, der letzte Güterzug am 31. Dezember 1994. Dort wurden die Schienen 2006 abgebaut. Zwischen Büren und Alme fuhr noch bis 2014 die touristische Waldbahn Almetal. Die Vereinsinitiative ruht seitdem. Der Energieversorger RWE hatte bis dahin Transformatoren über die Schienen transportiert und so den Streckenerhalt sichergestellt. Mittlerweile benötigt RWE die Transformatoren und damit auch die Strecke nicht mehr. Im Nahverkehrsplan Westfalen-Lippe heißt es, dass die Route auch zur Anbindung des Flughafens Paderborn/Lippstadt genutzt werden könnte. Der Airport würde vom Bahnhof Wewelsburg aus per Shuttle-Bus bedient.

realisiert durch evolver group