0
Die ehemalige Häftlingsbaracke: Sie soll zu einem barrierefreien Informations- und Dokumentationszentrum ausgebaut werden. Hinter die frühere KZ-Küche, die heute von der Feuerwehr genutzt wird. - © Kreismuseum Wewelsburg
Die ehemalige Häftlingsbaracke: Sie soll zu einem barrierefreien Informations- und Dokumentationszentrum ausgebaut werden. Hinter die frühere KZ-Küche, die heute von der Feuerwehr genutzt wird. | © Kreismuseum Wewelsburg

Büren Einstige KZ-Baracke in Wewelsburg wird zum Infozentrum "Flucht"

Ort des Verbrechens und Leidens: Der Kreis Paderborn kauft von der Stadt Büren das letzte Gebäude 
des ehemaligen Konzentrationslagers. Der spät nachgeholte Denkmalschutz sorgte für erhebliche Turbulenzen.

Karl Finke
05.10.2018 | Stand 05.10.2018, 18:22 Uhr

Büren-Wewelsburg. Der fehlende Denkmalschutz für die stehen gebliebene Baracke des früheren Konzentrationslagers war lange vergessen worden. 2016 untersuchte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Bausubstanz, entdeckte in den Wänden Schriftzeichen von Häftlingen des KZ Niedernhagen und stoppte die Arbeiten zur Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses an dieser Stelle. Nun will der Kreis Paderborn den just unter Denkmalschutz gestellten Bereich kaufen und zu einem Informationszentrum umbauen. Die Baracke soll mit so genannten EFRE-Mitteln der Europäischen Union, die bereits genehmigt worden sind, und Landesmitteln saniert werden. Bis 2020 ist eine Investition in Höhe von fast 400.000 Euro geplant. Der Eigenanteil des Kreises Paderborn liegt bei rund 84.400 Euro. Von der KZ-Barracke zum Flüchtlingslager „Die originalen baulichen Überreste können auf besondere Weise Bezüge zum Konzentrationslager Niederhagen und dem späteren Flüchtlingslager vermitteln, so die Leitung des Kreismuseums Wewelsburg: „Es bietet sich die einzigartige Chance, an dem Baudenkmal sowohl auf die Verbrechen der NS-Zeit als auch auf die Themen Flucht und Vertreibung hinzuweisen." Die Baracke soll mit ihren drei Wohnungen und einem Kellerraum als „Ge-Denk-Ort" konzipiert werden. Dabei wird das Gebäude selbst zum Ausstellungsobjekt. Doch die ursprüngliche Häftlingsbarracke soll nicht rekonstruiert werden. Aufgearbeitet werden alle Nutzungsphasen bis zur Gegenwart. Nach der Auflösung des KZ Niederhagen 1943 zogen die restlichen KZ-Häftlinge in eine Werkstattbaracke auf dem Industriehof. Das leer stehende Barackenlager wurde seit 1944 als Umsiedlungslager der Volksdeutschen Mittelstelle (Vomi-Lager) für „Volksdeutsche" umfunktioniert, die aus den besetzten Ostgebieten ins Deutsche Reich deportiert wurden. Nach dem Krieg wurden die Baracken als „DP-Camp" (Displaced Persons) für ehemalige Zwangsarbeiter aus der Region genutzt. Ab 1946 wurden in den leer stehenden Baracken Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht. Feuerwehr zieht an den Dorfrand Besuchergruppen, die bisher das Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz besucht haben, können sich künftig die umgestaltete Baracke ansehen. Es wird keine Wandtafeln sondern eine zeitgemäße Präsentation mit Medientischen, Hörstationen und Projektionen geben. Die Baracke wurde bereits während der KZ-Zeit mit einem Luftschutzkeller erbaut. Dieser Keller kann später für Foto-, Sonder- oder Kunstausstellungen genutzt werden. Zunächst wollte die Stadt Büren das Informationszentrum bauen. Ein Teil der früheren KZ-Häftlingsküche, die neben den Baracken seit 1954 als Feuerwehrgerätehaus und Fahrzeughalle dient, sollte weiterhin von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt und dafür umgebaut werden. Neben der alten Bausubstanz entstand schon 2017 für eine halbe Million Euro eine neue Fahrzeughalle. Stadt und Feuerwehr entschieden sich in diesem Jahr für einen Feuerwehr-Neubau am Dorfrand und eine komplette Aufgabe des jetzigen Standortes. Das Kreismuseum Wewelsburg wird in den nächsten Monaten Anwohner und Interessierte zu Informationsgesprächen einladen, um die Pläne vorzustellen.

realisiert durch evolver group