0
Possierliches Tier ohne Feinde: Der Waschbär breitet sich in Deutschland aus und sucht seine Nahrung auch in der Nähe von Menschen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Staupe oder die Waschbär-Tollwut in Europa aufgetreten sind. - © Natalie Gottwald (Symbolbild)
Possierliches Tier ohne Feinde: Der Waschbär breitet sich in Deutschland aus und sucht seine Nahrung auch in der Nähe von Menschen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Staupe oder die Waschbär-Tollwut in Europa aufgetreten sind. | © Natalie Gottwald (Symbolbild)

Büren Waschbär am Paderborner Flughafen mit Brecheisen erschlagen

Am Flughafen Paderborn/Lippstadt: Ein Polizeibeamter händigt dem Täter das Werkzeug aus. Mitglieder eines Tierschutzvereins stellen Strafanzeige

Karl Finke
25.09.2018 | Stand 25.09.2018, 12:39 Uhr

Büren-Ahden. Waschbären haben sich in Deutschland enorm vermehrt und gelten gemeinhin schon als Plage. Als ein solches Tier vergangene Woche in und an einem Parkhaus am Flughafen Paderborn/Lippstadt umher lief, lebte es nicht mehr lange. Ein Airport-Besucher erschlug den ungebetenen Gast mit einer Eisenstange. Ausgehändigt wurde ihm diese von einem Polizeibeamten. Mitarbeiterinnen einer Autovermietung vor Ort entdeckten den Waschbären kurz vor Dienstschluss. „Meine Kollegin hat das Tier auf dem Arm gehabt", so eine Angestellte gegenüber der NW. Sie spricht von einem „Baby-Waschbär". Dieser wurde auch gefüttert, weil das Tier ausgehungert gewirkt haben soll. Flughafen-Besucher hatten zu diesem Zeitpunkt schon die Polizei im Airport aufmerksam gemacht. Gegenüber den Beamten sollen sie von einem kranken Waschbären gesprochen haben. „Über den Gesundheitszustand gab es unterschiedliche Wahrnehmungen", so Ulrich Krawinkel, Sprecher der Kreispolizeibehörde Paderborn. Airport-Gast ein Brecheisen gegeben Ein Polizeibeamter soll jenem Airport-Gast, der das unerwünschte Tier schließlich tötete, dafür das geeignete Werkzeug ausgehändigt haben. Die Mitarbeiterinnen der Autovermietung schnappten bei der Übergabe diese Worte auf: „Wenn Sie sich das trauen." Eine der Frauen verließ die Station in ihren Feierabend. Sie sagt zur NW: „Ich wollte mir das nicht mit anschauen." Wenig später war der Waschbär tot. Eine Kollegin im Airport, die sich wohl im Tierschutz engagiert, machte die Tötung des Tieres in ihrer Runde bekannt. Drei Frauen aus einem Tierschutzverein im Kreis Paderborn stellten daraufhin bei der Polizei Strafanzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, bestätigt Polizeisprecher Krawinkel. Die Anzeige richtet sich sowohl gegen den hilfsbereiten Beamten als auch gegen den Täter, der das Tier erschlug. Ob derjenige den Waschbär von einem eventuellen Leiden erlöste oder Kontaktpersonen vor einer eventuellen Ansteckungsgefahr bewahrte, wird kaum zu klären sein. Die Tierleiche ist nach Mitteilung der Polizei entsorgt worden. Die weiteren Ermittlungen habe die Staatsanwaltschaft Paderborn übernommen. Jungwaschbären ganzjährig bejagbar „Nach der Jagdzeitenverordnung NRW dürfen Waschbären vom 1. September bis 28. Februar bejagt werden. Die Jungwaschbären sind ganzjährig bejagbar. Diese Regelung gilt für Jagdbezirke", antwortet der Kreis Paderborn als Untere Jagdbehörde auf Nachfrage der NW. In der Regel ist für eine derartige Tötung der zuständige Jagdberechtigte zu benachrichtigen. Im Bereich des Flughafens Paderborn/Lippstadt, dazu zählen auch die Parkhäuser, ist der pensionierte Flughafen-Geschäftsführer Fritz Henze der Wildtierbeauftragte. Er spricht von „sehr vielen" Waschbären in der Umgebung und „überfahrenen Tieren auf der Kreisstraße". Wenn ein Tier krank sei, würde jeder Jäger es „so schnell wie möglich erlösen" wollen. Einen Waschbären in diesem Bereich mit einer Falle zu fangen und an anderer Stelle zu töten, würde sich womöglich auch mancher Polizeibeamte nicht zutrauen. Wenn in der Situation ein Kontakt mit Hunden vorhanden gewesen wäre, hätte es zu einer Beißerei kommen können. Natürlich hätte man in der Situation auch „gar nichts machen" können, so Henze. In seiner Gesamtbewertung spricht er von einem „ungeschickten Verhalten" der Beteiligten.

realisiert durch evolver group