Bad Wünnenberg Feuer zerstört Spanckenhof

Bad Wünnenberger Wahrzeichen einsturzgefährdet / Sechsstelliger Schaden

VON RALPH MEYER UND ANNIKA FALK
Stundenlang züngelten immer wieder Flammen aus dem Gebälk des Spanckenhofs hervor. Löschwasser und Regen schädigten Wände und Decken. Die neue Bad Wünnenberger Drehleiter (Foto) bewies ihre Leistungsfähigkeit. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Stundenlang züngelten immer wieder Flammen aus dem Gebälk des Spanckenhofs hervor. Löschwasser und Regen schädigten Wände und Decken. Die neue Bad Wünnenberger Drehleiter (Foto) bewies ihre Leistungsfähigkeit. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Kreis Paderborn/Bad Wünnenberg. Ein Großbrand hat am frühen Freitagmorgen große Teile des Dachstuhls des historischen Spanckenhofs in Bad Wünnenberg zerstört. Rund 70 Feuerwehrleute aller Löschzüge und -gruppen der Stadt waren ab 6.07 Uhr im Einsatz, um das Wahrzeichen der Stadt zu retten.

Seit anderthalb Jahren wurde das Fachwerkgebäude für mehr als eine halbe Million Euro aufwändig saniert, nachdem eine erste Sanierung in den Jahren 1990/91 nicht sachgemäß ausgeführt worden war und die Standsicherheit bedroht schien.

Information

Gute Stube Wünnenbergs

Rund 400 Jahre nach Gründung der Oberstadt in Bad Wünnenberg entstanden die ersten Siedlungen am Fuße des Berges – die heutige Unterstadt. Im 18. Jahrhundert ließ der ehemalige Rentmeister Jobst Friedrich den Spanckenhof im Stil des klassischen Barocks als erstes Gebäude im Tal erbauen. Mit dem Gebäude wurde die Wohlhabenheit des hochgestellten Erbauers zur Schau gestellt und schon im Äußeren des Hauses seine hohe Stellung repräsentiert. Im Gefolge des Preußen kam ein Ignatius Spancken mit seiner Familie nachWünnenberg und kaufte den Spanckenhof, der heute als als Wünnenberger Wahrzeichen und gute Stube der Stadt gilt. Bis zur umfangreichen Sanierung fanden im Stucksaal die Ratssitzungen, Trauungen und kulturelle Veranstaltungen des Vereins "Kunst und Kultur" statt. Im Obergeschoss befand sich die Geschäftsstelle "Regionalforum Südliches Paderborner Land", im Erdgeschoss der ein Übungsraum des Spielmannszuges. (my)

In den vergangenen Monaten war zunächst die Außenhaut und die besonders mitgenommene Westfassade saniert worden. Auch die Heizungsanlage, die nach dem Gasausfall Anfang 2012 eingefroren war, wurde erneuert. "Im Augenblick war Winterpause, und jetzt sollte es an die Arbeiten im Inneren gehen", berichtete Bürgermeister Winfried Menne, der sofort zu Brandstelle eilte. Er hatte eigentlich gehofft, den Spanckenhof im zweiten Halbjahr 2013 wieder im früheren Umfang nutzen zu können. "Jetzt muss man sehen, welche Schäden Wasser und Feuer angerichtet haben und ob der Spanckenhof überhaupt noch reparaturfähig ist."

Kurz nach 6 Uhr wurden die Flammen auf dem Dach des Fachwerkhauses entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Als die ersten Kräfte an der Brandstelle eintrafen, war bereits ein starker Funkenflug zu beobachten. Wegen der noch anstehenden Innenarbeiten und der empfindlichen Stuckdecken schied ein Innenangriff für Einsatzleiter Martin Liebing von vornherein aus. "Die Innendecken im ersten und zweiten Stock brennen von Ost nach West immer wieder, sind teilweise eingestürzt", sagte Liebing, der das Ausmaß der Schäden bis zum Abend kaum abschätzen konnte.

Da das Gebäude einsturzgefährdet ist, konnten die Einsatzkräfte nicht ins Innere des Gebäudes vordringen. Es wurde schon während der Löscharbeiten durch rund 25 Einsatzkräfte des Technischen Hilfwerks aus Paderborn und Büren mit Holzpfählen und -bohlen abgestützt. Für die Stabilisierungsmaßnahmen ist auch das Wochenende über noch kein Ende absehbar.

Unterstützt wurde die Bad Wünnenberger Feuerwehr, die den ersten "heißen" Einsatz ihrer neuen Drehleiter erlebte, durch die Drehleiter aus Büren.

Im Laufe der Löscharbeiten deckten die Feuerwehrleute Teile der Dachhaut ab und kontrollierten den Dachstuhl mit der Wärmebildkamera nach versteckten Brandnestern, die bis in die Abendstunden immer wieder aufflackerten.

Da Innenwände und Decken aus Lehm, Holz und Stuck bestehen, setzte die Feuerwehr zunächst Wasser nur sehr zurückhaltend ein. Doch die Lage verschlimmerte sich bis zum Abend. Zeitweise wurde Schaum zum Löschen eingesetzt. Wasser entnahm die Wehr zum Teil aus dem Aabach.

Der Sachschaden am teilrenovierten Spanckenhof ist bislang nicht abzuschätzen, eine sechsstellige Summe ist wahrscheinlich, heißt es bei der Polizei. "Man steht ohnmächtig davor", sagte Bürgermeister Winfried Menne, der die Einsatzkräfte moralisch unterstützte.

Die Polizei hat noch am Vormittag die Ermittlungen zur Brandursache übernommen und einen Brandsachverständigen angefordert. Die Untersuchungen des Brandorts können voraussichtlich erst in der kommenden Woche begonnen werden. Während der Löscharbeiten wurde im rückwärtigen Teil des Gebäudes eine eingeschlagenen Scheibe entdeckt. "Wir ermitteln in alle Richtungen, und das schließt auch Brandstiftung mit ein", erklärte Michael Biermann, Sprecher der Paderborner Polizei.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group