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Heimweh nach Omas Kartoffelsalat

Caroline Obermeyer (25) unterrichtet Deutsch an einer mexikanischen Schule

VON NICOLE SIELERMANN
13.01.2009 | Stand 04.02.2015, 11:42 Uhr
Caroline Obermeyer hat für dieses Foto alle Klischees vereint: Sombrero, Kaktus und Gewehr.
Caroline Obermeyer hat für dieses Foto alle Klischees vereint: Sombrero, Kaktus und Gewehr.

Bad Oeynhausen/Guadalajara. Die Männer pfeifen ihr tagtäglich hinterher, tragen Sombreros und Cowboystiefel und trinken Tequila in rauen Mengen – Caroline Obermeyer ist mittendrin im mexikanischen Leben. Seit Mai 2008 lebt und arbeitet die gebürtige Bad Oeynhausenerin in Guadalajara, der zweitgrößten Stadt in Mexiko. Und hat in den vergangenen Monaten festgestellt: "Dass nicht alle Mexikaner Schnurrbärte tragen", wie sie lachend sagt. Die Vorurteile der Deutschen über die Mexikaner – sie stimmen laut der 25-Jährigen nur zum Teil.

Mexiko sei ein Land voller Gegensätze und die Kluft zwischen Arm und Reich sei doch sehr groß, berichtet Caroline Obermeyer. Seit mehr als acht Monaten unterrichtet die 25-Jährige Deutsch und Englisch an einer Sprachschule in Mexiko. "Die ist vergleichbar mit unserer Volkshochschule", erklärt sie.

Gefunden habe sie die Stelle über die Internetseite der Agentur für Arbeit: "Ich muss für mein Germanistik- und Romanistik-Studium in Dresden ein Auslandssemester absolvieren, um Spanisch zu lernen." Doch ein Studium im Ausland war ihr "einfach zu teuer" und so habe sie sich für diesen Weg entschieden. "Es ist einfach unglaublich, wie motiviert die Mexikaner sind, Deutsch zu lernen und etwas über die deutsche Kultur kennenzulernen", hat sie überrascht festgestellt. Caroline Obermeyer unterrichtet nicht nur an der Schule, sondern auch die Mitarbeiter von Firmen aus Deutschland und den USA.

Dass die Mexikaner ihr hinterherpfeifen, daran hat sich Caroline Obermeyer mittlerweile gewöhnt: "Man fällt hier auf der Straße natürlich auf", sagt sie. "Und das Pfeifen gehört halt zur Mentalität der Mexikaner." Meist wird die 25-Jährige auf Englisch angesprochen: "Wenn ich denen dann aber erzähle, ich komme aus Deutschland, sind sie gleich viel freundlicher und interessierter", hat die junge Frau, die einst Bankkauffrau gelernt hat, festgestellt. Deutschland sei in Mexiko sehr gut angesehen: "Für die Produktqualität und die National-Elf", wie sie schmunzelnd sagt.

Die ersten vier Monate in Mexiko hat Caroline Obermeyer mit 15 Mexikanern in einem Haus gewohnt. Danach ist sie in ein kleines Appartment gezogen – und teilt sich das mit einer Deutschen und ihrem mexikanischen Freund. "Um die Wohnungssuche musste ich mich selber kümmern, die Schule hat mich dabei nicht unterstützt", sagt die 25-Jährige.

Seit Monaten fern der Heimat und der Familie – für die Eidinghausenerin kein Neuland. Bereits von 2005 bis 2006 verbrachte sie ein Auslandsjahr in den USA. Damals kam sie über das Bundestagsprogramm "Congress-Bundestag Youth Exchange for Young Professionals" nach Mount Vermont zwischen Seattle und Vancouver (Kanada) im US-Bundesstaat Washington.

Weihnachten feierte sie 2008 auf einer kleinen Ranch in Mexiko: "Das war echt ein Highlight", sagt sie schwärmend. Mit einer netten mexikanischen Familie habe sie das Fest verbracht. "Eine Freundin hatte mich zu ihrer Familie eingeladen. Alles war sehr einfach, aber es gab jede Menge zu essen und zu trinken."

Bereits Ende Februar geht es für Caroline Obermeyer wieder zurück zu ihrer Familie nach Bad Oeynhausen. "Dort freue ich mich auf Vollkornbrot und frischen Kartoffelsalat von Oma", erzählt sie lachend.

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