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Blasheim: Der Hofladen an der B 65, in dem sich der Postshop befindet, schließt zum 13. Juli die Pforten. Der Briefkasten bleibt stehen - © Sandra Spieker
Blasheim: Der Hofladen an der B 65, in dem sich der Postshop befindet, schließt zum 13. Juli die Pforten. Der Briefkasten bleibt stehen | © Sandra Spieker

Lübbecker Land Gleich drei Postfilialen im Lübbecker Land schließen

Die Postshops in Bad Holzhausen, Blasheim und Nettelstedt fallen weg. In zwei Fällen ist der Grund die Geschäftsaufgabe

Sandra Spieker
28.06.2019 | Stand 30.06.2019, 10:00 Uhr

Lübbecker Land. Hier werden Pakete angenommen, Bankgeschäfte durchgeführt, Briefmarken und Umschläge verkauft – doch damit ist jetzt Schluss: Gleich drei Postfilialen im Lübbecker Land schließen ihre Türen in diesen Tagen. Betroffen sind Nettelstedt, Blasheim und Bad Holzhausen. Grund sind in zwei Fällen Geschäftsaufgaben. Doch für die Kunden bleibt das ärgerlich. Sie müssen nun weite Wege zurücklegen. In Nettelstedt an der Ravensberger Straße (B 65) ist in den vergangenen Jahren ein Dienstleistungszentrum entstanden. Hier befinden sich ein Discounter, eine Bäckerei, ein Eiscafé, ein Orthopädie-Schuhfachgeschäft und ein Modegeschäft. Am heutigen Freitag öffnet Sven Wolf hier seinen Post-Lotto-Shop zum letzten Mal. Hier trifft man sich, zum Lotto-Spielen oder Zeitung kaufen. Manche Kunden sind überrascht, als sie das Schild lesen, auf dem auf den letzten Öffnungstag hingewiesen wird, andere haben es schon gehört. „Aus wirtschaftlichen Gründen" habe er sich schweren Herzens für die Schließung entschieden, sagt Sven Wolf. Bevor er privat viel Geld in das Geschäft hineinstecken müsste, wollte er die Reißleine ziehen. »Ich werde die Kunden sehr vermissen« Anfang Januar hatte er den Shop, in dem er auch Geschenkartikel, Weine und Süßigkeiten anbietet, eröffnet. Und die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig. Er hatte schon jemanden gefunden, doch der sei kurzfristig abgesprungen. Der Großteil der Kunden komme tatsächlich, um Pakete und Briefe aufzugeben, abzuholen oder Briefmarken zu kaufen. „Aber es reicht noch nicht", so Wolf. Betroffenheit auch in Blasheim: Hier schließt mit dem „Hofladen" ein Mittelpunkt im Ort. Postfiliale, Getränke, Geschenkartikel, Bio-Gemüse Honig und Eier bietet Linda Ketteler dort an. Aber am 13. Juli ist Schluss. Dann schließt sie das Geschäft „aus privaten Gründen", wie sie sagt. Im Dezember 2018 hatte sie den Laden von Sven Wolf, der dann nach Nettelstedt ging, übernommen. Gegründet hat den Hofladen Regine Brinkmann, die dafür das alte Bauernhaus an der Ecke Hauptstraße (B 65)/Bergstraße umbauen ließ. Denn wo jetzt die Verkaufsfläche ist, war früher der Viehstall. Zwölf Jahre betrieb sie den Dorfladen. „Ich werde die Kunden sehr vermissen", sagt Linda Ketteler. Die Bohmterin habe sich in Blasheim sehr wohlgefühlt. Es tue ihr sehr leid, dass jetzt viele ältere Menschen, „die oft mit letzter Kraft herkommen", wie sie sagt, um einen Brief aufzugeben, nun bald lange Wege in Kauf nehmen müssen. Auch hier in Blasheim ist die Postfiliale der Frequenzbringer. Das letzte Gemüse, das vom Demeter-Hof Hoffmeier aus Isenstedt stammte, ist bereits verkauft. Der Rest folgt in den nächsten zwei Wochen. Jens Friedrich Holsing, Leiter der Klinik Holsing Vital, stand im Schreibwarengeschäft Klott in Bad Holzhausen plötzlich vor dem geschlossenen Posttresen. „Es gab keine Information, nichts. Ich finde es sehr seltsam, was die Post da macht", so Holsing. Nun müsse man lange Wege und lange Wartezeiten wie etwa bei der Lübbecker Post am Niederwall in Kauf nehmen. „Das ist sehr ärgerlich", so Holsing. »Suchen in allen drei Orten nach neuen Standorten« Dass die Deutsche Post beschlossen habe, den Postshop in ihrem Geschäft kurzfristig zu schließen, sei für sie auch sehr überraschend gewesen, schreibt Ilka Hoffmeister-Klott auf der Facebook-Seite des Schreibwarengeschäfts. Der Lotto- und Schreibwarenbereich laufe ganz normal weiter, heißt es. „Es tut mir sehr leid, ich habe auch noch versucht, die Schließung des Postshops zu verhindern", schreibt sie weiter. Aus „wichtigen Gründen" habe man die Zusammenarbeit im Geschäft Klott sehr kurzfristig beendet, sagt Britta Töllner, Pressesprecherin bei der Deutschen Post. Eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit" sei „nicht mehr gegeben" gewesen. Die Sendungen aus den Postfächern würden den Kunden jetzt zugestellt, alle würden in den nächsten Tagen schriftlich informiert, so die Sprecherin. Dass sich die Schließungen im Lübbecker Land derzeit häuften, sei Zufall, die Geschäftsschließungen seien teilweise sehr kurzfristig angekündigt worden. Man hätte sich auch gewünscht, dass man eine längere Vorlaufzeit gehabt hätte. „Aber wir suchen in allen drei Orten nach neuen Standorten für Filialen", sagt Britta Töllner auf Nachfrage. Das Unternehmen sei „zuversichtlich", hier neue Partner zu finden. Wie berichtet, fiel in Lübbecke im April der Postshop an der Bahnhofstraße weg, da das Fernsehgeschäft Fricke schloss. Dafür eröffnete jetzt im Geschäft „Lübbecker Büro- und Schreibwaren" am Gänsemarkt eine Filiale. 2017 wurde mit dem Fachgeschäft „Schlafwelten" die Postfiliale in Wehdem geschlossen. Hier gab es keinen Ersatz. Weitere Filialen im Lübbecker Land gibt es Lübbecke am Niederwall 3 (Gänsemarkt), in Gestringen (Gestringer Straße 23), in Espelkamp (Hindenburgring 3 und Breslauer Straße 25), in Pr. Oldendorf (Friedhofstraße 1), in Gehlenbeck (Lindenstraße 51-55), in Levern (Niederdorfstraße 7), in Hüllhorst (Hauptstraße 80), in Schnathorst (Tengerner Straße 4) und in Rahden (Weher Straße 38). Kommentar Abgestempelt und aufgegeben Soeben hat die Post das Porto erhöht. Im Lübbecker Land verschwindet sie zunehmend aus den Ortsbildern. Auch wenn in diesem Falle zwei Geschäftsaufgaben die Ursache sind – was der Kunde wahrnimmt, ist: immer teurer, weniger Service. Und das ist mehr als ärgerlich. Zu einem funktionierenden Dorfleben gehören ein Einkaufsmarkt, eine Bank- und eine Postfiliale, so der Tenor in diversen Dorfkonferenzen und Ortsteilgesprächen. Gerade der Kurort Bad Holzhausen – mit vielen älteren Besuchern – und auch Blasheim wurden 2017 gebeutelt durch den Rückzug der Sparkasse Minden-Lübbecke aus den beiden Orten. Bleibt abzuwarten, ob die Post hier wirklich Standorte für neue Filialen sucht und auch findet oder sich, wie etwa in Wehdem, sagt: abgestempelt und aufgegeben. sandra.spieker@nw.de

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