Zur Vorbereitung seiner Sitzung besichtigte der Bauausschuss am Mittwochnachmittag das ehemalige Freibad Obernfelde.Aus den Fliesen wachsen Birken. - © FOTO: TYLER LARKIN
Zur Vorbereitung seiner Sitzung besichtigte der Bauausschuss am Mittwochnachmittag das ehemalige Freibad Obernfelde.Aus den Fliesen wachsen Birken. | © FOTO: TYLER LARKIN

Lübbecke Aus für Hallen- und Freibad absehbar

Politik und Verwaltung suchen neuen Standort / Ausschuss stimmt Entwurf für Obernfelder Allee zu

VON FRANK HARTMANN

Lübbecke. Das Hallenbad an der Bohlenstraße und das Freibad in Gehlenbeck sind Auslaufmodelle. Das machte der Bauausschuss am Mittwochabend im Rathaus deutlich. Im Gespräch ist ein ganzjährig nutzbares Kombi-Bad. Nun beginnt die Suche nach einem geeigneten Standort.

Die Diskussionen um die Nutzung des in den 50-er Jahren gebauten und 2002 geschlossenen Freibades an der Obernfelder Allee begannen schon während der Besichtigung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Trotz einiger Gemeinsamkeiten gehen die Vorstellungen von Verwaltung und Fraktionen in einigen Punkten deutlich auseinander. Das zeigte sich zunächst unter dem ebenfalls seit 2004 geschützten Sprungturm, später dann im Rathaus.

Information

ZWISCHENRUF

Sprung in ein Becken ohne Wasser

Bad oder kein Bad an der Obernfelder Allee? Für die Verwaltung und – bis auf die Wählergemeinschaft Lübbecke und Lübbecke Konkret – alle anderen Fraktionen stellt sich diese Frage überhaupt nicht: Sie sind eindeutig dagegen. Für Günter Bösch (SPD), den Vorsitzenden des Bauausschusses, ist die Nutzungsfrage ebenfalls abgehakt. Er verstieg sich sogar zu der Äußerung, es dürfe auf keinen Fall zu einem Bürgerentscheid darüber kommen. Das macht stutzig, denn der gestern gefasste Beschluss beinhaltet ausdrücklich die Beteiligung der Bürger an der Planung des Geländes. Deren Meinung haben bislang aber weder Rat noch Verwaltung abgefragt. Das ist wie ein Sprung vom Turm in ein Becken ohne Wasser.
Was meinen Sie? Die Redaktion freut sich auf Briefe, Online-Kommentare und E-Mails ihrer Leser an luebbecke@nw.de

Dort stellte Baudezernent Ingo Ellerkamp zunächst vor, welche Nutzung sich die Verwaltung für das insgesamt drei Hektar umfassende Gelände vorstellen kann. Das sieht ihm zufolge "wilder aus, als auf den Fotos", die er dem Ausschuss präsentierte. Ellerkamp regte eine gemischte Nutzung an, die er mit den Stichworten "Gesundheit, Wohnen, nicht störendes Gewerbe und Dienstleistung" um- schrieb. Später konkretisierte er, dass mit nicht störendem Gewerbe zum Beispiel ein Friseur oder ein Fußpflege-Salon gemeint seien, keine Tischlerei. Zudem betonte er, was er unter Naherholung und Freizeit mit entsprechender Begrünung und mehreren Fußwegen ausdrücklich nicht versteht: "Ein Bad."

Widerspruch in diesem Punkt kam von Karl-Hermann Blaue (WL). Das sei doch "kein Zukunftskonzept". Die Obernfelder Allee sei doch "ideal für ein ganzjähriges Kombi-Bad". Jedenfalls dann, wenn kein anderer geeigneter Standort gefunden werden könne.

Unterstützung kam von Hans-Dieter Rose (LK). Der erinnerte an ein früheres Gutachten, dass die erneute Nutzung des ehemaligen Freibades als Schwimmbad empfehle. Zudem gebe es doch einen Ratsbeschluss, der besage, dass das Freibad Gehlenbeck nur so lange betrieben werden solle, wie die Kosten überschaubar seien. Die wiederum bezeichnete Blaue als "immens" – sowohl für das Hallen- wie für das Freibad.

Diesen Faden griff Ellerkamp auf und unterstrich, die aktuelle Bädersituation "gilt nicht für alle Zeit", was Bürgermeister Eckhard Witte bestätigte. Ohne einen konkreten Zeitraum zu nennen sprach er von "Restlaufzeiten" für beide Bäder und betonte, das neue Bad "muss zentral liegen".

Alle anderen Fraktionen sprachen sich, wie Ellerkamp, gegen eine Nutzung des Geländes als Bad aus. In anderen Punkten hatten aber auch sie Einwände gegen den Nutzungsentwurf der Verwaltung. Ernst-August Schlingmann (CDU) beispielsweise möchte die frühere Liegewiese nicht bebauen lassen. Sie sei besser in den Freizeitbereich zu integrieren. Auch Gewerbe solle ausgeschlossen sein.

Eine deutlich andere Vorstellung äußerte Arnold Oevermann (SPD). Seine Fraktion sage nein zu Gewerbe und Wohnen auf diesem "Sahnestück" der Stadt. Dieses solle ausschließlich dem Wohl der Bürger durch Sportmöglichkeiten und Naherholung dienen.

Dieter Fette (FDP) regte an, vielleicht die Musikschule auf das Gelände zu verlegen und den Sprungturm und das Becken als Bühne zu nutzen: "Das hätte Charme."

Trotz aller Widersprüche zum städtischen Entwurf beauftragte der Ausschuss die Verwaltung schließlich, den Planungsprozess fortzusetzen (Dieter Rose stimmte dagegen, Georg Haering (Grüne) enthielt sich). Die Bürger sollen dabei ausdrücklich eingebunden werden.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group