Michael Krawetzke (links) und Frank Brili mit ihren Fahrrädern beim Hochzeitsbitten.
Michael Krawetzke (links) und Frank Brili mit ihren Fahrrädern beim Hochzeitsbitten.

Lübbecke Vier Männer bitten zur Hochzeit

Nadine Lücking und Andreas Stegelmeier lassen einen alten Brauch wieder aufleben

Lübbecke (nw/nb).Die Einladung zur Hochzeit von Nadine Lücking (29) und Andreas Stegelmeier (43) kommt nicht per Post. Vier Hochzeitsbitter sind seit einigen Wochen immer an den Wochenenden im Altkreis Lübbecke und Umgebung unterwegs, um im Namen des Brautpaares persönlich einzuladen. Damit lebt ein alter Brauch wieder auf.

Die vier Freunde Maik Tödtmann, Thomas Knickmeier, Frank Brili und Michael Krawetzke sind mit bunt geschmückten Fahrrädern auf Einladungstour. Auch ihre Kleidung erinnert an die Zeit, als diese Form der Einladung noch üblich war: klassischem Wrack (Gehrock) und Zylinder. Wenn sie dann bei den Freunden und Verwandten klingeln und diese ganz persönlich einladen, haben sie auch den Gehstock parat.

Hochzeitsbitter sind anderen Orts eher unbekannt. Am Rande des Wiehengebirges ist diese wohl aufwendigste Form der Einladung eine alte Tradition. Leider gerät sie immer mehr in Vergessenheit.
Doch umso rarer dieser Brauch wird, desto größer ist die Freude, wenn es dann an der Haustür klingelt und vier freundliche Junggesellen vor der Tür stehen, die ihre Papyrus- Rolle zücken und mit einem lustig gereimtem Spruch zur Hochzeit einladen: "Liebe Leute, lasst Euch sagen, Nadine und Stegi wollen es wagen. Nach jahrelanger Probezeit haben sie beschlossen, nun ist es soweit. Am 23. Oktober läuten die Glocken . . ."

Am Ende des Gedichts wird um ein kühles Bier und eine Spende gebeten. Die Spende wird in einem Taschentuch an den Gehstock gebunden.

"Aus einem Bier werden auch mal locker zwei oder drei und der Schnaps, der noch dazu kommt wirft einen schon mal aus dem Ruder. Es macht Spaß, doch ist anstrengender als erwartet", heißt es aus den Reihen der Hochzeitsbitter. Sie würden überall herzlich empfangen und auch schon mal auf der Straße angesprochen.
Von Hüllhorst über Bergkirchen, bis hin nach Oberlübbe, Nettelstedt, Gehlenbeck und Lübbecke gehen ihre Touren. Mehr als sechs Stationen seien kaum zu schaffen. Und trotz des Vorsatzes, jeweils nur eine halbe Stunde zu bleiben, könnten es auch mal zwei Stunden werden.

Das Brautpaar hat den Bittern für jeden Tag eine Route ausgearbeitet und Bräutigam Andreas Stegelmeier hat ihnen sogar extra Visitenkarten mit Notfallnummern angefertigt. Auf Grund der zahlreichen Hochzeitseinladungen teilen sich die Bitter manchmal in Zweier-Gruppen. Einmal trafen sie sich durch Zufall auf einem Schützenfest. "Wie wir da gelandet sind, wissen wir bis heute nicht", sagen Frank Brili und Michael Krawetzke: "Die Leute und der Wirt waren so begeistert, dass wir am Ende überhaupt nichts zahlen mussten." Endstation der Vier war an diesem Tag bei den Eltern und Schwestern der Braut Nadine Lücking. "Wir haben die Hochzeitsbitter gegen 17 Uhr erwartet und sie erreichten uns schließlich um 22 Uhr", erzählen die Brauteltern Uwe und Gisela Lücking lächelnd. Die standesamtliche Trauung ist am Mittwoch, 20. Oktober im Standesamt Lübbecke und die große Feier drei Tage später. Andreas hatte Nadine den Heiratsantrag Anfang des Jahres auf einem Kreuzfahrturlaub gemacht.

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