An der Kreisel-Großbaustelle Bahnhofstraße/Niederwall regelten Polier Daniel Tiemann (r.) und Azubi Osman Jawla den Verkehr - © Frank Hartmann
An der Kreisel-Großbaustelle Bahnhofstraße/Niederwall regelten Polier Daniel Tiemann (r.) und Azubi Osman Jawla den Verkehr | © Frank Hartmann

Lübbecke Deshalb ist in der Lübbecker Innenstadt der Strom ausgefallen

Weite Teile der Stadt waren zwei Stunden von der Stromversorgung abgeschnitten. Wilde Spekulationen über den Grund stellen sich als falsch heraus.

Ingrun Waschneck
11.07.2019 | Stand 11.07.2019, 17:48 Uhr
Judith Gladow

Frank Hartmann

Sandra Spieker

Lübbecke. Die große Uhr vor der Goldschmiede in der Langen Straße zeigte gerade 12.31 Uhr an, als sie plötzlich stehen blieb. Das öffentliche Leben in der Lübbecker Innenstadt erstarrte um diese Uhrzeit zwar nicht ganz, aber es verlief ab diesem Moment deutlich anders als gewohnt. Grund dafür war ein Stromausfall, der die komplette Lübbecker Innenstadt und Teile von Alswede und Obermehnen lahmlegte. Zwei volle Stunden, nach Angaben von Siegfried Lang von der Netzgesellschaft Lübbecke in manchen Gebieten auch zweieinhalb Stunden, mussten die Menschen sich in Geduld üben, manche auch bangen und hoffen, bis nach und nach der Strom wieder verfügbar war. Aufatmen überall – auch in der Fußgängerzone, wo einige Fußgänger freudig applaudierten, als die Beleuchtung in den Geschäften wieder anging. Wilde Spekulationen erwiesen sich schnell als falsch Vorausgegangen waren wilde Spekulationen. Im Café Janke meinte ein Gast zu wissen, der Schaden sei auf einer Baustelle am Krankenhaus Lübbecke entstanden. Andere hatten gehört, dass der Baggerfahrer an der Kreisel-Baustelle Bahnhofstraße/Niederwall einen Fehler gemacht habe. Beides erwies sich als falsch. Schnell deutlich wurde dies an der Großbaustelle an der Bahnhofstraße, wo die Firma Dieckmann gerade die Bordanlage fertiggestellt hat und Schotter- sowie Asphaltarbeiten vorbereitet, die für Montag bis Mittwoch kommender Woche vorgesehen sind. Wenige Minuten nach dem Stromausfall erschien dort eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung und versuchte, weil die am Stromnetz hängenden Baustellenampeln ausgefallen waren, die Polizei zu erreichen. Die sollte den Verkehr regeln. Doch die Mitarbeiterin erreichte telefonisch niemanden, sodass umgehend Polier Daniel Tiemann und Azubi Osman Jawla einsprangen. Sie und andere Kollegen gaben den Autofahrern und den Fußgängern mit Handzeichen zu verstehen, wer wann fahren und wer die Straße überqueren durfte. Als eine Stunde später die Baustellen-Ampeln im Batteriebetrieb wieder Rot und Grün anzeigten und den Verkehr regelten, meinte einer der Arbeiter auf Nachfrage: „Die Polizei hat keine Leute." Ein Kollege des Baggerfahrers kam ins Krankenhaus Um 14.30 Uhr, fast genau zwei Stunden nach dem Ausfall, kam der Strom wieder und Siegfried Lang von der Netzgesellschaft erklärte, wo die wahre Ursache lag. Demnach hat ein Baggerfahrer an der Westerbachstraße, wo der Kreis einen neuen Bauhof inklusive Zulassungsstelle errichtet, in unmittelbarer Nähe des dortigen Umspannwerkes ein 10-kV-Mittelspannungskabel beschädigt. „Dem Baggerfahrer ist nichts passiert", berichtete Lang. Aber ein Kollege habe sich in einem „Spannungstrichter" aufgehalten, also an einer Stelle, an der das Stromkabel Kontakt mit dem Boden hatte. Er sei deshalb vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden. Den Schaden haben zwei Kolonnen der Netzgesellschaft dann dadurch ausgeglichen, in dem sie an Trafostationen und Schaltkästen Umschaltungen vorgenommen hätten, sodass der Strom über Umleitungen wieder fließen konnte. Und die Folgen? Im Krankenhaus Lübbecke habe der Stromausfall kaum Auswirkungen gehabt, sagt Ramona Schulze von der Pressestelle der Mühlenkreiskliniken. Binnen Sekunden würden die Notstromaggregate anspringen. In den kritischen Bereichen wie den Operationssälen und in der Notaufnahme sei der Betrieb ebenso normal weitergelaufen wie im restlichen Haus. Im Eingangsbereich der Sparkasse an der Osnabrücker Straße stand Regina Brune. Die Bank-Angestellte hatte den Platz am Schalter verlassen und verwies Kunden in die Filialen nach Nettelstedt oder Blasheim, verteilte für dringende Fälle Kärtchen mit der Nummer der Zentrale in Minden. Hinter ihr standen die Automaten mit dunklen Bildschirmen. „Ich bin hier hergegangen, weil ich hier noch was tun kann", sagte Brune. Denn auch die Tür zum Innenraum der Filiale ging nicht mehr auf – alles elektronisch. In der Hand hielt Brune einen Stapel Überweisungsträger zum Ausfüllen und Einwerfen. »Das einzige, was nicht funktionierte, war das Telefon« In der Bäckerstraße waren nicht alle Geschäfte betroffen. „Wir hatten keine Probleme mit dem Stromausfall", sagte die stellvertretende Filialleiterin Petra Döding vom Edeka-Supermarkt. „Das einzige, was nicht funktionierte, war das Telefon." Auch im Fleischfachgeschäft Wölfing gab es keine Ausfälle. „Mein Chef sagte, dass wir eine andere Leitung haben", berichtete Jasmin Wolfgramm. In der Pizzeria „Da Fantastico" in der Scharrnstraße hingegen, wo der Pizza-Ofen allmählich auskühlte, bangte Chef Giancarlo Fantastico um den frischen Pizzateig und andere Produkte, die zwingend gekühlt werden müssen. Als der Strom wieder einsetzte, war er erleichtert: „Gerade noch rechtzeitig." Auch andere Geschäfte waren betroffen, vor allem wegen ihrer stillgelegten Kassensysteme. So bedauerte etwa eine Mitarbeiterin von Takko Fashion im Gespräch mit der Kollegin von Esprit von gegenüber: „Wir können nichts machen, keine Ersatzkasse." Alles in allem scheint der Stromausfall aber ohne ernste Folgen geblieben zu sein.

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