Lübbecke WL will Freibad das Wasser ablassen

Wählergemeinschaft hält Kosten für zu hoch / Öffentliche Begehung in Obernfelde

von frank hartmann

Die Anlage ist Jahrzehnte alt, nach Ansicht der Wirtschaftsbetriebe Lübbecke aber noch gut in Schuss. Die Wählergemeinschaft Lübbecke setzt sich für ein kombiniertes Hallen- und Freibad ein, das deutlich dichter am Stadtzentrum liegen soll. Das würde das Aus für das Freibad in Gehlenbeck bedeuten. - © FOTO: TYLER LARKIN
Die Anlage ist Jahrzehnte alt, nach Ansicht der Wirtschaftsbetriebe Lübbecke aber noch gut in Schuss. Die Wählergemeinschaft Lübbecke setzt sich für ein kombiniertes Hallen- und Freibad ein, das deutlich dichter am Stadtzentrum liegen soll. Das würde das Aus für das Freibad in Gehlenbeck bedeuten. | © FOTO: TYLER LARKIN

Lübbecke. Die Wählergemeinschaft Lübbecke (WL) hält die Unterhaltungs- und Sanierungskosten für das Freibad Gehlenbeck und für das Hallenbad für zu hoch und befürwortet deren Schließung in wenigen Jahren. Dafür soll innenstadtnah ein Kombi-Bad gebaut werden, das ganzjährig nutzbar wäre. Denkbare Standorte dafür: Das alte Freibadgelände an der Obernfelder Allee - oder der daneben liegende Sportplatz.

Auf die Ankündigung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Kersten Bunke, die Nachnutzung des ehemaligen Freibades an der Obernfelder Allee in der nächsten Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung zu thematisieren und das Gelände zuvor fraktionsintern zu besichtigen, hat die WL am Donnerstag reagiert. Der Fraktionsvorsitzende Dieter Wiegmann wies auf seinen Aufruf in mehreren Lübbecker Facebook-Gruppen hin, dass die Wählergemeinschaft Lübbecke ebenfalls eine Besichtigung des alten Freibades beabsichtige. Wiegmann: "Ich finde, man muss das mal gesehen haben, um sich ein Bild zu machen." Zu dem öffentlichen Treffen in der kommenden Woche, das im Rathaus auf Bedenken stößt, habe er bereits 60 Zusagen erhalten, sagte Wiegmann gestern auf NW-Anfrage.

In diesem Zusammenhang sagte Wiegmann, "das Hallenbad und das Freibad sind in drei bis fünf Jahren nicht mehr tragbar. Der Sanierungsbedarf ist zu hoch." Ersetzt werden sollten beide Bäder durch ein zentral gelegenes Kombi-Bad.

Weil er das alte Freibadgelände an der Obernfelder Allee als möglichen Standort betrachtet, fordert Wiegmann: "Die Stadt soll nicht ihr Silber verkaufen, um an Geld zu kommen." Auch eine Bebauung komme für ihn nicht in Frage, zumindest, solange kein anderer Platz für ein Kombi-Bad gefunden und festgelegt sei. Darüber hinaus beklagt der WL-Fraktionsvorsitzende, dass die Stadt das Grundstück nicht pflege. Das werfe die Frage auf, wie die Stadt mit Denkmälern umgehe. Wäre das Grün gepflegt, "könnte man das Gelände jetzt schon als Bolzwiese für Kinder freigeben", so Wiegmann abschließend.

Einen weiteren Standort für das gewünschte, mit fünf bis sechs Millionen Euro kalkulierte, Kombi-Bad hat der langjährige WL-Fraktionsvorsitzende Karl-Hermann Blaue vorgeschlagen: "Den Sportplatz Obernfelde, der gehört der Stadt." Man müsse nur nach einer Ersatzfläche suchen.

So weit sind die Wirtschaftsbetriebe Lübbecke (WBL), die beide Bäder betreiben, gedanklich noch lange nicht. WBL-Geschäftsführer Dirk Raddy sagte gestern, das Thema habe er auf der Agenda. Das Hallen- und das Freibad seien zwar einige Jahrzehnte alt, "aber noch in recht gutem Zustand". Eine größere Baumaßnahme erwarte er "in den nächsten fünf Jahren deshalb nicht".

In einem Punkt gibt Raddy der WL recht: "Moderne Bäder sind kostengünstiger zu betreiben." Den Zuschussbedarf für die Wirtschaftsbetriebe, weil die zwei Schwimmbäder nicht kostendeckend zu betreiben seien, beziffert er mit 500.000 Euro pro Jahr.

Völlig überrascht und verwundert von der Initiative von CDU und WL zeigten sich am Donnerstag unter anderem die Liberalen und die Sozialdemokraten. Jürgen Brockmann (FDP) etwa erinnerte an eine fraktionsübergreifende Feststellung, dass in der Bäderfrage "in den nächsten sechs Jahren kein Handlungsbedarf besteht".

So sieht das auch Günter Bösch (SPD), Vorsitzender des Bauausschusses. Es sei ihm "neu, dass Gehlenbeck so einen Sanierungsbedarf hat". Das alte Freibad als Standort für ein neues eigne sich nicht, "auch nicht für ein Kombi-Bad". Generell müsse ein Neubau angesichts der schwierigen Haushaltssituation in Frage gestellt werden. Bösch mit Verweis auf einen Beschluss des Ausschusses: "Ich sehe keine Veranlassung, jetzt tätig zu werden."

Information

Beschlusslage im Bauausschuss

Am 5. Juni 2013 hat der Bauausschuss das Gelände des ehemaligen Freibades an der Obernfelder Allee besichtigt. Anschließend wurde die Verwaltung mit 13 Ja-, einer Nein-Stimme und einer Enthaltung beauftragt, "den Planungsprozess für die Fläche östlich der Obernfelder Allee fortzuführen". Die Bürger sollen ausdrücklich eingebunden werden.

Zuvor gab es folgende Stellungnahmen:

Karl-Hermann Blaue (WL): Die Obernfelder Allee sei "ideal für ein ganzjähriges Kombi-Bad".

Dieter Fette (FDP) würde die Musikschule auf das Gelände verlegen und den Sprungturm und das Becken als Bühne nutzen.

Ernst-August Schlingmann (CDU) will die frühere Liegewiese unbebaut lassen. Auch Gewerbe soll ausgeschlossen sein.

Arnold Oevermann (SPD) ist gegen Gewerbe und Wohnen im alten Freibad, das dem Wohl der Bürger durch Sport und Naherholung dienen soll.

Baudezernent Ingo Ellerkamp unterstrich, die aktuelle Bädersituation "gilt nicht für alle Zeit", was Bürgermeister Eckhard Witte bestätigte. Ohne einen konkreten Zeitraum zu nennen sprach er von "Restlaufzeiten" für Hallen- und Freibad und betonte, das neue Bad "muss zentral liegen".

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