0
Sophie Schmied (v. l.), Hanna Lutter, Herta Witzke, Anna Mürmann und Anna Peper. - © FOTO: ERNST BECKER
Sophie Schmied (v. l.), Hanna Lutter, Herta Witzke, Anna Mürmann und Anna Peper. | © FOTO: ERNST BECKER

Espelkamp Muna-Erinnerungen nach 70 Jahren

Geschichtskreis organisierte Treffen ehemaliger Arbeiterinnen

Von Ernst Becker
17.07.2014 , 11:14 Uhr

Espelkamp (nw). Auf Einladung des Geschichtskreises trafen sich vor wenigen Tagen fünf ehemalige Arbeiterinnen der Heeresmunitionsanstalt Lübbecke zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken. Sie wohnen heute alle in Espelkamp. Einige von ihnen kannten sich zwar bereits vor dem Treffen, sind sich während ihrer Tätigkeit in der Muna aber nicht begegnet. Sie erfuhren erst beim Kaffeetrinken von ihrer gemeinsamen Geschichte.

Obwohl die Teilnehmerinnen inzwischen fast alle um die 90 Jahre alt sind, waren die Erinnerungen aus der Zeit ihrer Jugend im Zweiten Weltkrieg noch unmittelbar präsent. Im Zeitraum von 1941 bis zum Kriegsende 1945 wurden die Frauen unterschiedlich lange dienstverpflichtet und mussten in den Munitionshäusern der Muna Munition herstellen oder in der Küche des Wohlfahrtsgebäudes, dem späteren Martinshaus, helfen.

Die Munitionshäuser standen bzw. stehen auf dem Gelände, das heute der Firma Harting gehört. Der Arbeitstag begann morgens um 7 Uhr und dauerte bis um 17 Uhr.

Anna Mürmann berichtet: "Ich bin jeden Tag von Frotheim mit dem Fahrrad zur Muna gefahren, der Eingang war am Nordtor.

Manchmal konnte man mittags zum Essen nach Hause fahren.

Wenn das nicht klappte, hatten wir unser Essen im Henkelmann dabei. Das wurde dann in der Küche im Martinshaus warm gemacht. Dort haben wir dann auch gegessen.

Auf der heutigen Isenstedter Straße gab es damals auch ein Tor. Dorthin hat manchmal auch ein Familienangehöriger das Essen hingebracht."

Sophie Schmied ergänzt: "Essen konnte man auch im heutigen Steilhof bekommen. Man musste sich da aber Essensmarken kaufen.

Eigentlich war dort das Offizierskasino untergebracht. Die Offiziere hatten aber andere Pausen, so dass wir nicht zusammen mit ihnen gegessen haben."

Einmal im Monat war Zahltag. Der vorgesetzte Feuerwerker stellte dann in der großen Halle des Munitionshauses einen Tisch auf und zahlte den Lohn in bar aus. Je nach Tätigkeit erhielten die Arbeiterinnen 32 bis 83 Reichspfennig pro Stunde, wie in den Gesprächen berichtet wurde.

"Über die Gefahren bei der Arbeit mit der Munition hat man uns nicht aufgeklärt.

Wenn etwas klemmte, haben wir auch schon mal mit einem Schlag unseres Werkzeugs nachgeholfen. Nur fallenlassen sollten wir die Munition nicht, wurde uns gesagt", berichten die Zeitzeuginnen. "Unfälle beim Umgang mit der Munition hat es - Gott sei Dank - nie gegeben."

Im Laufe der Unterhaltung fallen den ehemaligen Munitionsarbeiterinnen immer wieder neue Einzelheiten und interessante Episoden aus ihrer damaligen Tätigkeit ein.

Der Geschichtskreis hat die Gespräche aufgezeichnet. Es ist geplant, daraus Interviews zu erstellen, die der Öffentlichkeit dann auch vorgestellt werden sollen.

Newsletter abonnieren

Newsletter Lübbecker Land

Im Lübbecker Land sind wir für Sie ganz nah dran an den Themen, die Sie interessieren. Aktuelle Nachrichten, spannende Geschichten, wichtige Infos. Das alles senden wir Ihnen zwei Mal in der Woche, immer am Dienstag und am Donnerstag, in unserem Newsletter zu.

Wunderbar. Fast geschafft!