BAD OEYNHAUSEN Ein brillanter Vermittler deutscher Geschichte

Der in Bad Oeynhausen geborene Besteller-Autor Rudolf Pörtner wäre heute 100 Jahre alt geworden

VON ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
An diesem Schreibtisch in dem Arbeitszimmer von Rudolf Pörtner in Bad Godesberg sind etliche der Bestseller entstanden, die den gebürtigen Bad Oeynhausener berühmt gemacht haben. - © REPRO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
An diesem Schreibtisch in dem Arbeitszimmer von Rudolf Pörtner in Bad Godesberg sind etliche der Bestseller entstanden, die den gebürtigen Bad Oeynhausener berühmt gemacht haben. | © REPRO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER

Bad Oeynhausen. Er zählt zu den bekanntesten deutschen Sachbuchautoren. Allein sein 1959 veröffentlichter Erstling "Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit" wurde mehr als 800. 000 mal verkauft. Auch danach hat der gebürtige Bad Oeynhausener Rudolf Pörtner immer wieder die Spitzen der Bestseller-Listen erobert. Der im Alter von fast 90 Jahren in Bonn gestorbenen Historikers galt als brillanter Vermittler deutscher Geschichte. Heute wäre der westfälische Schriftsteller 100 Jahre alt geworden.

Sein Geburtshaus an der Mindener Straße 73 steht heute noch. Die ersten elf Jahre seiner Kindheit hat Rudolf Pörtner dort verbracht. "Die Straße war noch mit Katzenkopf großen blauen Basaltsteinen gepflastert, der Bürgersteig mit roten Abgetretenen Ziegeln. Vor dem Haus stand eine Gaslaterne, die allabendlich von einem städtischen Bediensteten mit einer langen Stange zum Leuchten gebracht wurde", schildert der Schriftsteller seine Erinnerungen in dem Buch "Mein Elternhaus". Beschrieben wird dort auch der "600 Quadratmeter große Nutzgarten", in dem unter anderem Spinat, Kartoffeln und Schnittlauch gezogen wurden. Und die beliebte "Kindergartenrevue Sonntags im Kurgarten".

Information

Veröffentlichungen

Pörtner wurde mit dem Ceram-Preis des Rheinischen Landesmuseums Bonn, dem Bundesverdienstkreuz und dem Verdienstorden des Landes NRW ausgezeichnet. u.a. folgende Bücher veröffentlicht:

Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit
Bevor die Römer kamen
Die Erben Roms
Das Römerreich der Deutschen
Das Schatzhaus der deutschen Geschichte
Mein Elternhaus
Kindheit im Kaiserreich
Kinderjahre der Bundesrepublik
Alltag in der Weimarer Republik.

Pörtner, der dann mit seiner Familie nach Melbergen in die Kronprinzenstraße 21 umzog, lässt in seinem Rückblick auch den Löhner Stadtteil aus der Geschichte auferstehen. Die Toilette in dem Blumenumrankten Elternhaus galt Anfang des 19. Jahrhunderts als Sehenswürdigkeit: Wir hatten sie über und über mit Inflationsgeld tapeziert", schreibt der Historiker ein Detail und lässt seine Leser auf eine regionale Zeitreise gehen. Denn Pörtners Kunst bestand darin, das, was in Geschichtsbüchern bis dahin nicht vorkam, lebendig werden zu lassen: Das private Leben.

Aufgewachsen ist Rudolf Pörtner als Sohn eines kaufmännischen Angestellten, der als Expedient in der Lückingschen Zigarrenfabrik in Bad Oeynhausen beschäftigt war. Ursprünglich stammte seine Familie aus Löhne.

Nachdem Pörtner in Bad Oeynhausen erst die Volksschule und dann das Realprogymnasium besucht hatte, wechselte er nach Bielefeld zum Realgymnasium. Nach dem Abitur 1931 studierte er in Leipzig, Marburg und Berlin Geschichte, Altertumswissenschaften, Germanistik, Volkswirtschaften und Soziologie. 1933 begann er beim "Anzeiger und Tageblatt" in Bad Oeynhausen eine Journalistenausbildung als Volontär. Zuerst schrieb er im Lokalteil, für den er auch häufig aus dem Kurtheater berichtete.Später wechselte Rudolf Pörtner vom Tagesjournalismus ins Feuilleton.

Außerdem verfasste Pörtner auch Beiträge für die frühere Bad Oeynhausener Kurzeitung – zusammen mit deren ebenfalls gestorbenem Herausgeber Dr. Otto Brinkmann. Nach einer Tätigkeit als Kriegsberichterstatter zwischen 1942 und 1943 wurde er Redakteur beim "Deutschen Zeitungsdienst" in Herford. Später arbeitete Rudolf Pörtner als Korrespondent bei Presseagenturen in Berlin und Bonn.

"Pörtner war einer der Ersten, der populäre Sachbücher herausgegeben und Archäologie und Geschichte auch Laien vertraut gemacht hat", würdigt Cornelia Lindhorst-Braun die besonderen Verdienste des Schriftstellers. "Außerdem beschreibt der westfälische Schriftsteller uns in unserer Region besonders. Das kann man in seinem Buch ’Mein Elternhaus. Ein deutsches Familienalbum’ nachlesen", ergänzt die frühere Leiterin der Stadtbücherei.

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