Neuer Teich: Auf dem Gewässer soll der Abbau beginnen. Hier muss aber noch der Schwimmbagger platziert werden. - © Jörg Stuke
Neuer Teich: Auf dem Gewässer soll der Abbau beginnen. Hier muss aber noch der Schwimmbagger platziert werden. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Kieswerk im Probelauf

Gut Deesberg: Die Unternehmensgruppe Reese will in Rehme ihr elftes Werk in Betrieb nehmen. In den kommenden zwölf Jahren sollen hier rund 2,2 Millionen Tonnen Sand und Kies abgebaut werden

Jörg Stuke
15.03.2019 | Stand 14.03.2019, 17:14 Uhr

Bad Oeynhausen. Der erste Kies liegt schon im Silo. Und das, obwohl der Schwimmbagger, der künftig den Baustoff aus dem Untergrund der Weseraue am Gut Deesberg in Rehme schöpfen soll, noch gar nicht montiert ist. So mussten die ersten Tonnen Kies mit dem Radlader aufs Förderband geladen werden. „Wir sind im Probelauf“, sagt Philipp Reese, Inhaber und Geschäftsführer der WRM Reese Unternehmensgruppe. In den nächsten Wochen soll das neue Werk der Reese-Gruppe den richtigen Betrieb aufnehmen, wie Reese bei einem Rundgang über das Gelände erläutert. Ob das noch im März oder erst im April sein wird, lässt Reese noch offen. Sechs Millionen Euro habe das Familienunternehmen, das Philipp Reese in vierter Generation führt, in das Rehmer Werk investiert. Hier sollen jährlich 180.000 Tonnen Kies und Sand abgebaut werden, und das zwölf Jahre lang. „So sieht es der Planfeststellungsbeschluss vor“, so Reese. Im Juni 2018 hatte die Bezirksregierung in Detmold den Planfeststellungsbeschluss gefasst und gleichzeitig dem Antragsteller, der Reese-Tochter „Gut Deesberger Kiesgewinnungs GmbH & Co. KG“, die Erlaubnis erteilt, auf einem ersten Teilstück mit dem Kiesabbau zu beginnen. Daran änderten auch die Klagen von fünf Anwohnern und der Stadt Bad Oeynhausen, die derzeit beim Verwaltungsgericht in Minden vorliegen, nichts. Dementsprechend hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten die Anlage aufgebaut. Mit Bagger und Radlader wurde ein großer Teich ausgehoben, auf dem dann ein Schwimmbagger platziert wird. Der klaubt Kies und Sand mit einer sogenannten „Eimerkette“ aus dem Untergrund und befördert das Material auf ein Förderband. Das transportiert den Rohstoff in ein großes Silo, von dort geht das Material in die Sortier- und Waschanlage. „Mit Sieben wird das Material in fünf Kategorien getrennt, Sand und Kies in vier verschiedenen Körnungen“, erläutert Reese. Brocken, die größer als 45 Millimeter sind, werden in der Steinbrechanlage zerkleinert. „Wir haben eine vollautomatische Haldenanlage nach neuestem technischen Standard aufgebaut“, erklärt Reese. Fünf Mitarbeiter beschäftigt Reese hier, die Unternehmensgruppe hat insgesamt 120 Beschäftigte und betreibt – mit Rehme – neun Kiesabbau-Anlagen und zwei Steinbrüche. Die Förderbänder seien besonders gedämpft, der Schwimmbagger werde zum Teil eingehaust. „Unser Ziel ist, die Anlage so leise zu machen wie möglich“, versichert Reese. Um Staubentwicklung zu verhindern, sei auf dem Gelände eine Reifenwaschanlage für die Lastwagen vorgesehen, und eine Berieselung, um die Ladung bei Bedarf anfeuchten zu können. Um Abnehmer für den Sand und Kies, der künftig in Rehme gewonnen werden soll, muss sich Reese offenbar keine Sorgen machen. „Das sind wichtige und inzwischen selten gewordene Rohstoffe“, sagt der Kieswerksbetreiber. „Jeder Mensch verbraucht im Laufe seines Lebens 324 Tonnen Sand und Kies“, sagt Reese. Vornehmlich in Betonwerken und auf Baustellen in der Region sollen die Rohstoffe künftig zum Einsatz kommen. Für den Standort Rehme habe zum einen die gute Verkehrslage gesprochen. „Vor allem aber haben wir hier an der Weser sehr hochwertigen Kies und Sand, der so sonst nur noch an Elbe und Rhein vorkommt“, erklärt Reese. Während das Abbaugebiet im Laufe der Jahre gute 100 Meter gen Westen wandern wird, sollen die abgearbeiteten Abbaufelder kontinuierlich renaturiert werden. Am Ende – also voraussichtlich in zwölf Jahren – soll auf dem 33 Hektar großen Areal eine Auenlandschaft entstehen. Mit dieser Aussicht, so Reese, habe man auch Naturschutzverbände wie BUND und Nabu überzeugen können. ´ Über Abbau und Renaturierung will Reese Anlieger und interessierte Bürger im Sommer informieren. „Dann planen wir einen Tag der offenen Tür“, kündigt der Unternehmer an.

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