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Der Kassetten-Rekorder funktioniert nicht mehr: Das defekte Teil hatte Klaus Udo Hennings vom Repair-Café-Team der Druckerei schnell ausgemacht. Doch in diesem Fall kann der Tüftler der Besitzerin nicht helfen. Fotos: Nicole Bliesener - © d
Der Kassetten-Rekorder funktioniert nicht mehr: Das defekte Teil hatte Klaus Udo Hennings vom Repair-Café-Team der Druckerei schnell ausgemacht. Doch in diesem Fall kann der Tüftler der Besitzerin nicht helfen. Fotos: Nicole Bliesener | © d

Bad Oeynhausen Reparieren in geselliger Runde

Die Tüftler des Repair-Café-Teams verhelfen kaputten Alltagsgegenständen zu einer zweiten Chance. Dahinter steckt eine besondere Idee

Nicole Bliesener
15.01.2019 | Stand 15.01.2019, 13:13 Uhr

Bad Oeynhausen. Vorsichtig hat Klaus Udo Hennings den Kassetten-Rekorder um sein Oberteil erleichtert. Der erste Blick ins Innenleben bietet einen überraschenden Hinweis. „Kein Staub, kein Dreck, der sieht eigentlich aus wie neu", sagt Hennigs. „Ist er auch fast", gibt Beate Maiwald an. Die Bad Oeynhausener hat das kleine Gerät vor etwa fünf Jahren im Internet gekauft, seit dem aber kaum benutzt. An Weihnachten wollte sie eine ihrer alten Kassetten abspielen. „Aber der Rekorder spielte die Kassetten nicht richtig ab", berichtet Maiwald. Das Ergebnis: Bandsalat. Für den Müll war ihr das Gerät zu schade, den Gang in einen Fachbetrieb scheute sie – also ging sie am Sonntag ins Repair-Café in der Druckerei an der Kaiserstraße. Die Initiatoren hatten die Idee vor gut einem Jahr Vor gut einem Jahr hatten Jan Seemann und Carsten Fette aus der Programm-Gruppe die Idee für ein Repair-Café. Beim Ehrenamtstag der Stadt warben sie Interessenten und fanden in Klaus Udo Hennings und Marco Schwarze weitere Mitstreiter. Mittlerweile ist das Kernteam noch größer geworden. An jedem zweiten Sonntag im Monat lädt das Repair-Café-Team von 11 bis 14 Uhr ein in die Druckerei. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe bieten, die Besucher bei der Reparatur ihrer defekten Gegenstände anleiten und Tipps geben", erklärt Carsten Fette, „und das in gemütlicher Atmosphäre – bei Kaffee und Kuchen in der Druckerkneipe." Initiatoren möchten Mut machen, selbst zu reparieren Für Kuchenteller und Kaffeetassen ist am Sonntag auf den Tischen kaum Platz. Die Kneipe ist trotz des miesen Wetters voll. Alle Tische sind belegt mit defekten Geräten des täglichen Lebens. Auf den Stühlen und auf dem Boden stehen aufgeklappte Werkzeugkästen mit Handwerkszeug aus dem eigenen Fundus der Initiatoren. Im Laufe des vergangenen Jahres hat das Team aber auch noch einiges an Werkzeug angeschafft. „Aber", sagt Carsten Fette, „wer Werkzeug hat – vor allem Spezialwerkzeug – möge es bitte mitbringen." Fette nimmt am Sonntagmittag einen kaputten Staubsauger unter die Lupe, den ein Ehepaar mitgebracht hat. Schnell hat er den wunden Punkt gefunden. „Da ist von einem Plastikteil ein Stück abgebrochen", sagt Fette, „das Teil kann man aber im Internet nachbestellen und leicht austauschen." Ihren Staubsauger wird die Familie nun selbst wieder in Gang bringen können. Nach wenigen Handgriffen trommelt der Nussknacker wieder Weniger Glück hat Beate Maiwald mit ihrem Kassetten-Rekorder, den bekommt Klaus Udo Hennings nicht wieder flott. „Der Rekorder muss doch schon deutlich älter als fünf Jahre sein, das Zahnrädchen an der Spule ist verschlissen", sagt Hennings. Besser läuft es bei einer Spieluhr, die aussieht wie ein Nussknacker. „Das war ein rein mechanisches Problem", erklärt Hennings. Nach wenigen Handgriffen trommelt und musiziert der Nussknacker wieder. Ebenfalls einen Defekt in der Mechanik hat Marco Schwarze bei dem Roboter-Hund „Zoomer" ausgemacht, mit dem Joelle Marie Dippong in Begleitung ihrer Mutter in die Druckerei gekommen ist. „Mein Vater hat sich drauf gesetzt und jetzt funktioniert die linke Vorderpfote nicht mehr", erklärt Joelle Marie. Der kleine schwarz-weiße Spielzeug-Roboter reagiert eigentlich auf Befehle – er macht auf Kommando Platz oder legt sich hin. Das geht aber nur mit mechanisch intakten Pfoten. Manchmal stoßen die Tüftler an ihre Grenzen, dann ist eine Reparatur nicht mehr möglich. „Wir wollen keiner Fachwerkstatt Konkurrenz machen und wir wollen auf keinen Fall, dass die Gäste mit der Erwartungshaltung kommen: Die Reparatur klappt auf jeden Fall", sagt Fette. Nächstes Repair-Cafe am 10. Februar Auch können die Mitglieder des Repair-Cafés keine Haftung übernehmen. Aus diesem Grund gibt es auch klare Regeln, die auf einem Laufzettel für jede Reparatur vermerkt sind. „Oft sind die Reparaturen gar nicht kompliziert", sagt Carsten Fette, „manchmal reicht schon ein Tropfen Öl und eine Reinigung und das Gerät geht wieder." Und so wollen die Initiatoren den Besuchern Mut machen, selbst Hand an zu legen. So wie ihn der Besitzer eines Laptops entwickelt hat. „Der wusste, was an seinem Gerät kaputt ist, hatte das Ersatzteil mitgebracht, traute sich aber nicht das Gerät aufzumachen", berichtet Carsten Fette. „Wir haben ihm dann bei zwei, drei Handgriffen geholfen, letztlich hat er die Reparatur aber selbst gemacht", so das ehrenamtliche Mitglied der Programmgruppe. Wieder fit gemacht haben die Initiatoren seit dem ersten Repair-Café im Dezember 2017 schon einiges: Spieluhren, Kaffeemaschinen, Toaster, Handys, Plattenspieler, Pfeffermühlen – die Liste ließe sich noch fortsetzen. Um viele Dinge des alltäglichen Lebens, die durch die Reparatur nun eine zweite Chance bekommen haben und noch etliche Jahre funktionieren werden. Die Idee hinter dem Repair-Café ist eine nachhaltige: „Es wird zu viel weg geschmissen. Reparieren ist bei vielen Menschen aus der Mode gekommen. Mit dem Repair-Café wollen wir dies ändern. Es schont Ressourcen, bringt Menschen zusammen und erhält Wissen über Reparaturen", sind sich die Tüftler einig und ernten dafür viel Anerkennung von ihren Gästen. Das nächste Repair-Café findet am Sonntag, 10. Februar, von 11 bis 14 Uhr statt.

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