Geschichte erkundet: Antonia Rolfsmeier (v. l.), Katrin Bergen, Mika René Traeder, Levin Gültekin und Lukas Schmidt, Schüler der Realschule Nord, vor dem letzten Wohnort der jüdischen Familie Frank. - © Ulf Hanke
Geschichte erkundet: Antonia Rolfsmeier (v. l.), Katrin Bergen, Mika René Traeder, Levin Gültekin und Lukas Schmidt, Schüler der Realschule Nord, vor dem letzten Wohnort der jüdischen Familie Frank. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Stolpersteine in Bad Oeynhausen

Gedenken: Der Künstler Gunter Demnig arbeitet an der Herforder Straße 44 und 68 Messingsteine ins Pflaster ein.

Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. In den Herbstferien sind Antonia, Katrin, Mika, Levin und Lukas tief in die Vergangenheit eingetaucht. Die Neuntklässler der Realschule Nord haben im Stadtarchiv nach Spuren von fünf Menschen aus zwei Bad Oeynhausener Familien gesucht, die unter dem Nazi-Regime verfolgt wurden. Am Donnerstag, 21. Dezember, hat der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine für diese Menschen gesetzt. Damit liegen nun 26 Stolpersteine für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung auf dem Straßenpflaster in Bad Oeynhausen. Sechs weitere Biografien von Bürgern, die ausgegrenzt, verschleppt und getötet wurden, hat der Verein Stolpersteine für Bad Oeynhausen noch auf dem Zettel. Alle 26 Opfer aus der Stadt haben eines gemein: Sie waren jüdischen Glaubens. Bei der kleinen Gedenkveranstaltung gestern Mittag hielten etwa 40 Zuschauer für einen Moment inne, als Gunter Demnig die Messing ummantelten Steine verlegt hatte, nur der Verkehr rauschte und der Regen nieselte. Ein Fernsehteam der ZDF-Kindernachrichtensendung „Logo" filmte unterdessen. Bürgermeister Achim Wilmsmeier erinnerte in einer kurzen Rede an das Motto des Vereins Stolpersteine „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist" und sagte: „Möge die Erinnerung auf immer und ewig bewahrt werden!" Schüler suchen Eckdaten im Stadtarchiv Den ersten Schritt dazu haben die Schüler im Stadtarchiv geleistet und die Eckdaten aus dem Leben der fünf Bad Oeynhausener gesammelt. Die Daten stammen aus dem Personenstandsregister der Stadt und dem Gedenkbuch des Bundesarchivs. Stadtarchivarin Stefanie Hillebrand und Geschichtslehrer Andreas Wiendieck-Ernst haben die Schüler bei der Suche unterstützt. Vereinsvorsitzender Lars Kunkel hat Gunter Demnig für die Stolpersteinverlegung engagiert. An der Herforder Straße 44, dem heutigen griechischen Restaurant Korfu, wohnten Johanna Frank, geborene Gans (geboren 1872, 1944 für tot erklärt), Besitzerin des „Hotels zur Post", ihre Töchter Paula Gans (geboren 1893, 1945 für tot erklärt) und Edith Ruth Frank (geboren 1912, 1939 nach Birmingham emigriert, danach in die USA). Familie Meyer Und an der Herforder Straße 68, dem Kiosk gegenüber von der Gollwitzer-Meyer-Klinik, wohnte Bertha Meyer, geborene Rosenberg (geboren 1879, 1952 für tot erklärt) und ihr Sohn Adolf Iwan Meyer (geboren 1905, 1952 für tot erklärt). Familie Frank lebte seit 1915 am Wilhelmsplatz 9, zog 1937 in die Herforder Straße 44, bevor die Familie eine sogenannte „Judenwohnung" an der Weststraße 8a zugewiesen wurde. Johanna Frank und ihre Tochter Paula Gans wurden schließlich in zwei verschiedenen Gruppen 1942 verschleppt und starben vermutlich im Konzentrationslager Auschwitz. Tochter Edith Ruth Frank emigrierte und stellte nach dem Krieg Antrag auf Entschädigung, der im Kreisarchiv erhalten ist. Mutter und Sohn Meyer lebten seit 1904 in Bad Oeynhausen, betrieben eine Manufaktur in der Herforder Straße 70 und erwarben auch das Haus Nummer 68. Nach dem Tod des Ehemanns baute Bertha Meyer hier ein Textilgeschäft auf und verpachtete es. Mutter und Sohn wurden ins Ghetto Theresienstadt und im Mai 1944 nach Auschwitz verschleppt.

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