Anschaulich: In der Dehmer Heimatstube wurde das Rollen von Zigarren demonstriert. Das Foto entstand 1992. - © Foto/Repro: Stadtarchiv
Anschaulich: In der Dehmer Heimatstube wurde das Rollen von Zigarren demonstriert. Das Foto entstand 1992. | © Foto/Repro: Stadtarchiv

Bad Oeynhausen Erinnerung an eine mutige Malerin

Vor 25 Jahren wurde die Dehmer Heimatstube eröffnet

Von Stefanie
1872 geboren: Ida Caroline Ströver. So wurde sie von Lotte Schröder-Krüger gemalt. - © Foto/Repro: Stadtarchiv
1872 geboren: Ida Caroline Ströver. So wurde sie von Lotte Schröder-Krüger gemalt. | © Foto/Repro: Stadtarchiv

Bad Oeynhausen (nw). Am 11. März 1990, vor genau 25 Jahren, wurde die Dehmer Heimatstube in der ehemaligen Grundschule eingeweiht. Historische Gegenstände, Bilder und Dokumente werden seitdem dank des ehrenamtlichen Engagements einiger Dehmer Bürger der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Die Ida-Ströver-Ausstellung und die Einrichtung einer Zigarrenmacherstube sind beispielhaft", lobt Stefanie Hildebrand, Leiterin des Stadtarchivs. Sie erinnert an die beiden Initiativen, die 1991 von den fünf Gründungsmitgliedern realisiert wurden und die bis heute ihren Platz in der Heimatstube haben.

Ida Caroline Ströver wurde 1872 auf Gut Wedigenstein geboren, das vor vielen Jahrhunderten als Dehmer Besitzung galt und heute an Dehmer Gebiet grenzt. Bekannt wurde die Künstlerin in der Region vor allem durch ihre biblische Freskenmalerei in der Kirche des Wittekindshofes.

Erhalten ist diese 200 Quadratmeter umfassende Innenraumausmalung aus den Jahren 1930/34 nicht. Sie wurde im Zuge von Renovierungsarbeiten übermalt. Ihre Bilder gerieten durch die Darstellung heroischer Figuren und völkischer Elemente unter Nationalsozialismus-Verdacht, auch wenn sich eine politische Nähe oder Vorteile für sie unter den Nationalsozialisten nicht erhärten lassen. Ungewöhnlich für sie als Frau waren ihre großflächigen Wandmalereien, für die sie "auf dem Gerüst" arbeiten musste. Auch war sie eine der wenigen Frauen ihrer Zeit, die Auftragsarbeiten erhielt. Malerei war für Ida Ströver eine Herzensangelegenheit, doch ihr Vater hatte für sie die Ausbildung zur Haus- und Gutsfrau vorgesehen. Erst nach seinem Tod konnte sie sich ihren Traum erfüllen. Sie ging nach München, um an der dortigen Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins Malerei zu lernen. Dafür setzte sie ihr gesamtes Erbvermögen ein. Erst ihre letzten drei Lebensjahre verbrachte Ida Stöver wieder in der alten Heimat. Auch wenn Gut Wedigenstein seit fast 70 Jahren nicht mehr im Familienbesitz war, fand sie 1955 auf der dortigen Familiengrabstätte ihre letzte Ruhe.

Mit der Zigarrenmacherstube griff der Dehmer Heimatverein 1991 ein Kapitel aus der industriellen Arbeitswelt Dehmes auf.

Das sogenannte "Zigarrenmachen" war wie in allen ländlich geprägten, strukturschwachen Regionen Westfalens als Heimarbeit in vielen Dehmer Familien verbreitet.

Durch den Niedergang des Spinnens und Webens und der damit einhergehenden massiven Arbeitslosigkeit und Armut entwickelte sich die Zigarrenindustrie zu einem Schwerpunkt dieser Region.

War die Tätigkeit des Zigarrenrollens in der heimischen Stube auch keine industrielle Produktion im heutigen Sinne, zeigte sie doch alle Missstände, die mit dem Industriezeitalter entstanden: Lohndumping, Akkordarbeit, einseitige stupide Tätigkeiten, ungesunde Arbeitsverhältnisse, Kinderarbeit. Dass das Rollen von Zigarren gar nicht einfach ist, wird an dem Zigarrenmachertisch in der Dehmer Heimatstube gelegentlich demonstriert.

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