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Jörg Uhlenbrock hat lebensnahe Beispiele für seinen Geldunterricht mitgebracht. Das Interesse ist groß. 30 Zehntklässler nehmen teil. - © Karin Prignitz
Jörg Uhlenbrock hat lebensnahe Beispiele für seinen Geldunterricht mitgebracht. Das Interesse ist groß. 30 Zehntklässler nehmen teil. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Mit der Fünf-Euro-Challenge zur Million

Geldlehrer verhilft Zehntklässlern der Heinz-Sielmann-Schule in acht Doppelstunden, Finanzkompetenz zu entwickeln. Die Jugendlichen lernen, das im Alltag einzusetzen.

Karin Prignitz
21.04.2022 | Stand 21.04.2022, 18:02 Uhr

Oerlinghausen. Jörg Uhlenbrock hält einen Fünf-Euro-Schein in der Hand. „Wer will ihn haben“, fragt er die 30 vor ihm sitzenden Zehntklässler der Heinz-Sielmann-Sekundarschule (HSS). Alle Hände gehen nach oben. Uhlenbrock faltet den Schein zusammen, fragt erneut: „Wer will ihn wirklich haben?“. Ein paar weniger Schüler melden sich. Der Schein wird zerknüllt, Uhlenbrock trampelt auf ihm herum. Immer die gleiche Frage, immer weniger Finger zeigen auf. Wer am längsten durchhält, bekommt den Schein.

„Auch ihr werdet mal zusammengestaucht, dennoch behaltet ihr immer euren Wert“, betont Jörg Uhlenbock. „Nur, wenn ihr es zulasst, dass man euch klein macht, dann verliert ihr euren Wert.“ Seinen Worten folgt Applaus. „Wenn ihr etwas wirklich ernsthaft wollt, dann müsst ihr aufstehen und etwas tun“, das ist die Lehre aus dem, was die Schülerinnen und Schüler soeben vor Augen geführt bekommen haben. Jörg Uhlenbrock ist seit zehn Jahren ehrenamtlicher Geldlehrer, hat bereits Hunderte von Schülern unterrichtet und ihnen anhand lebenspraktischer Beispiele Kompetenzen in Sachen Geldentscheidungen vermittelt. Auch an der kleinen Gesamtschule HSS war das Interesse am Geldunterricht groß, bestätigt Abteilungsleiterin Regine Schulze. Entsprechend aufmerksam folgen die Jugendlichen den Ausführungen. Es ist die fünfte von insgesamt acht Doppelstunden. Nach den Osterferien geht es weiter.

Den Unterschied zwischen Netto und Brutto haben die Zehntklässler längst verinnerlicht. Jörg Uhlenbrock hat ihnen den Geldfluss anhand eines Portemonnaies erklärt. Das 5-Konten-Modell hat er mit der Klasse besprochen und wie ein Schneeballsystem funktioniert. Erträge, Zinsen, Dividenden und Mieten, sie gehören zu den Stundeninhalten ebenso wie die Formel für Vermögen. Zur Wissensvermittlung gehört auch das Persönlichkeitstraining. Wer bei der 5-Euro-Challenge, die in der dritten Doppelstunde Thema war, noch dabei ist, möchte Uhlenbrock wissen. Nicht allzu viele Finger zeigen nach oben. „Immer, wenn wir einen 5-Euro-Schein bekommen, sollen wir ihn sparen“, erläutert eine Schülerin.

„Alle wollen unser Geld, wir werden verführt“

Für Jugendliche eine Herausforderung, und nicht nur für sie. „Wir werden einem Trommelfeuer an Werbung ausgesetzt“, sagt Uhlenbrock. „Alle wollen unser Geld, wir werden verführt, es auszugeben.“ Deshalb brauche es eine gewisse Disziplin, um zu sparen. Vermögensaufbau? „Vom Reden allein wird das nichts.“

Der Referent bringt den sogenannten „Lattefaktor“ ins Spiel. Heißt: „Alles, was wir nebenbei ausgeben.“ Zum Beispiel für Zigaretten. Sieben Euro für eine Schachtel, pro Tag eine konsumiert, macht das 210 Euro im Monat. Hochgerechnet auf 47 Jahre wären es 118.440 Euro. „Dafür könnte man sich eine Eigentumswohnung kaufen“, führt Uhlenbrock vor Augen. Würde man den Betrag in fest verzinsliche Wertpapiere, Immobilien oder Aktien anlegen, könnten noch weit höhere Summen dabei herauskommen. „Bei sieben Prozent, wie viele Jahre braucht es bis zum Millionär“, fragt er. Die Schüler rechnen es aus: 49,21 Jahre.

Schon in der zweiten Doppelstunde hat Jörg Uhlenbrock mit den Zehntklässlern über finanzielle Intelligenz und das 5-Konten-Modell gesprochen. Auch eine Einführung in die Finanz-App hat es gegeben. Viele Jugendliche sind erstaunlich gut informiert. Jörg Uhlenbrock bietet den Geldunterricht inzwischen auch für Erwachsene, für Unternehmen und Auszubildende an. „Der Wunsch nach mehr Wissen zum Thema Finanzen und Geld ist groß und wird wohl auch in Zukunft groß bleiben“, da ist er sich sicher.

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