Joachim H. Peters alias Erich Kwiatkowski plauderte im breiten Ruhrpott-Slang in Oerlinghausen über die Menschen aus seiner Zechensiedlung. - © FOTO: SIBYLLE KEMNA
Joachim H. Peters alias Erich Kwiatkowski plauderte im breiten Ruhrpott-Slang in Oerlinghausen über die Menschen aus seiner Zechensiedlung. | © FOTO: SIBYLLE KEMNA

Oerlinghausen Ruhrpott in Lippe

Joachim H. Peters mit erfolgreicher Premiere seines ersten Kabarettprogramms

VON SIBYLLE KEMNA

Oerlinghausen. Dass eine kabarettistische Ader in ihm schlummert, haben die Besucher seiner Lesungen zunehmend gespürt. Nun ist Joachim H. Peters, Krimiautor und hauptberuflich Polizist, in die Offensive gegangen. Sein erstes Kabarettprogramm hatte in Oerlinghausen Premiere.

Mit seinem Freund Jörg Czyborra aus Oerlinghausen als musikalischem Partner hatte Peters sich in den vergangenen Jahren schon als Kabarettist erfolgreich ausprobiert, nun reizte es ihn, ein eigenes Programm zu machen und eine Bühnenfigur zu schaffen. Er kommt aus dem Ruhrgebiet – und so lag es für den Lagenser nahe, sich als Kunstfigur ein Original aus dem Pott zu suchen. Erich Kwiatkowski heißt dieser, und er redet aus dem Klofenster heraus mit einem fiktiven vorbeikommenden Nachbarn.

Wie bei einer Puppenbühne steht ein Kasten in der Ecke der "Klappe 30", in die die Werbegemeinschaft geladen hat. In den Kasten steigt Peters, zieht sein Hemd aus, redet aus dem Off mit seiner Gattin Erika, man hört das Abziehen einer Toilette und dann öffnet Erich Kwiatkowski das Fenster des Kastens: ein uriger Typ mit Schiebermütze und Achsel-
shirt. Trainingshose und Schlappen vervollkommnen das Outfit, sind aber erst in der Pause zu sehen. Auf ein Kissen gelehnt, plaudert er über die kleine Welt der Zechensiedlung und hält auch mit seiner Meinung über die große Welt da weiter draußen nicht hinterm Berg. Ein geschicktes Arrangement: Er muss nicht frei auf der Bühne stehen und hat zugleich auf dem Kissen und im "Blumenkasten" vor dem Fenster Raum für Spickzettel, die ihm auf die Sprünge helfen bei diesem komplett frei erzählten Programm. Aber eigentlich ist das normal, dass man ins Stocken gerät beim lockeren Gespräch mit dem Nachbarn, da kommt man auch "von Höcksken auf Stöcksken", wie Peters sein Programm genannt hat. Das amüsiert die rund 90 Zuschauer in der "Klappe 30" von Anfang an, gegen Ende werden auch die lauten Lacher häufiger und mancher muss sich die Lachtränen aus den Augen wischen. Seinen "Mikrokotzmotz", in dem man "von Höhlenmalerei gleich auf Tatu umgewechselt ist" karikiert Peters augenzwinkernd und mit dem typischen Ruhrpott-Dialekt. "Dat verstehn’ se nich’? Muss ich Sie dat erklärn’?", "schafuttert" Kwiatkowski und schimpft über das Fernsehprogramm, erzählt Geschichten von seiner Erika, mit der er beim Sex einen "Nichtangriffspakt" geschlossen hat und seinen vergeblichen Versuchen, mit den "Stockenten" beim Nordic Walking mitzuhalten. Alltägliche Szenen, wie das Treffen einer Bekannten, die man nicht zuordnen kann, schildert er so, dass alle nickend zuhören und lachend die "akustische Hinhaltetaktik" begleiten.

Manches hat man schon ähnlich von anderen Kabarettisten gehört und auch manchen Witz, den Peters einflicht, aber amüsant ist es auf alle Fälle. Er reagiert schlagfertig auf seine Zuhörer und baut viel Wortwitz ein. Schwierige Wörter werden grundsätzlich abgewandelt und entwickeln ihren eigenen Charme. Da wird aus improvisieren "improvozieren" und aus der Pisa-Studie die "Pizza-Studie." Auch die "Polente" kriegt ihr Fett ab, zumindest was die unscharfen Radarfotos angeht.

Am Ende kommt doch noch ein bisschen der Polizist in ihm durch, wenn er darüber klagt, dass die "Geständniskultur" verloren gegangen ist. Jeder streite ab, finde Ausreden, habe "keinen A.... inne Hose." Eine gelungene Premiere. Diesen "Kwiatkowski" will und wird man wiedersehen. Und wer Peters kreative Entwicklung in den vergangenen Jahren verfolgt hat, kann sich denken, dass er noch weiter an ihm feilen wird.

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