Geringer Ertrag: Dieser Holzpolter bringt für den Waldbesitzer Konstantin von Wrede bei den derzeit niedrigen Holzpreisen gerade mal einen Deckungsbeitrag von 180 Euro. - © Hermann Ludwig
Geringer Ertrag: Dieser Holzpolter bringt für den Waldbesitzer Konstantin von Wrede bei den derzeit niedrigen Holzpreisen gerade mal einen Deckungsbeitrag von 180 Euro. | © Hermann Ludwig

Willebadessen Wie Wald und Wild in Willebadessen in Einklang gebracht werden sollen

Waldbesitzer Konstantin von Wrede setzt sich für gezieltes Wildmanagement ein.

Willebadessen. „Das Waldjahr 2018 war eine einzige Katastrophe", sagte Konstantin Freiherr von Wrede, der insbesondere in dem Waldgebiet an der Vitus-Kapelle große Verluste hinnehmen musste. „Erst das Sturmtief Friederike, dann die Dürre, dann die Käfer", auf diese einfache Formel bringt der Waldbesitzer diese Schwierigkeiten. „Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind immens", sagt der 55-Jährige und verweist auf einen Holzpolter, der in der Nähe der Kapelle am Wegesrand aufgestapelt ist. 60 Festmeter Fichtenholz liegen dort, die bei den derzeitigen Niedrigpreisen als Industrieholz gerade mal 23 Euro je Festmeter einbringen. Die Aufarbeitungskosten lagen bei 20 Euro je Festmeter. „Das ergibt einen Deckungsbeitrag von 180 Euro für diesen Holzstapel", rechnet von Wrede vor und zeigt damit die schwierige Lage der privaten Waldeigentümer auf. Die Erlössituation ist für Konstantin von Wrede eine Seite. Die andere Seite ist der Wiederaufbau der Waldsubstanz, zu der er sich in der Familientradition verpflichtet sieht. Auf dem Gelände am Kapellenberg sind auf den 30 Hektar Wald die Bestände durch den Sturm und die anschließenden Schadereignisse gelichtet. Mit seinen Fachleuten hat sich von Wrede sogleich der Wiederaufforstung gewidmet, bei der er die Nachhaltigkeit, das Urprinzip der Forstwirtschaft, klar in den Vordergrund stellt. Konzept einer Regiejagd Dabei sieht Konstantin von Wrede die Notwendigkeit, ein gezieltes Wildmanagement zu betreiben. Auf seinen Privatwaldflächen verfolgt er das Konzept einer Regiejagd, um das Rehwild in einer Größenordnung zu erhalten, die eine Naturverjüngung im Wald ermöglicht und die Investitionen in Neuanpflanzungen nicht wegfrisst. Der Waldbesitzer verfolgt die Forderung nach angepassten Wildbeständen schon seit vielen Jahren, so dass er sich in der Lage sieht, die durch Schadereignisse verlorenen Baumbestände beziehungsweise die daraus resultierenden Kahlflächen wieder zu begrünen. „Mit Baumarten, die nicht als Naturverjüngung vorkommen. Aber auch die Naturverjüngung hat sich schon seit Jahren so entwickelt, dass ich fast schon von der nächsten Waldgeneration sprechen kann, und alles ohne aufwendige und kostspielige Schutzmaßnahmen", erklärt von Wrede und zeigt bei einer Waldexkursion auf viele Beispiele der Naturverjüngung, die bei starkem Wildbestand nicht hochgekommen wären. Auch seine Neuanpflanzungen sind bislang nicht angeknabbert. „Diese Spitzentriebe sind eine Delikatesse für Rehe", erläutert von Wrede und deutet dabei auf eine Weißtanne. Um neben den bewährten Bäumen auch den veränderten Bedingungen besser angepasste Baumarten zu entwickeln, hat er jetzt auch Küstentannen, Sequoias (Mammutbaum), Wildkirschen, Douglasie und die tief wurzelnden Stileichen gepflanzt. Buche und Bergahorn entwickeln sich als Naturverjüngung. All dies könne sich aber nur dauerhaft entwickeln, wenn Verbissschäden vermieden werden, so von Wrede, der eine Diskussion über eine waldgerechte Jagd anstoßen will. Exkursionen und Tagung Dass die Bedrohung des Waldes im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen sei, macht von Wrede Hoffnung, dieses Thema offen zu diskutieren. In Kürze werden Exkursionen und eine Tagung zu dem Thema stattfinden. Dazu sind auch ausdrücklich interessierte Jäger eingeladen. Für ihn ist es bemerkenswert, dass „es die Verbände der traditionellen Jagd immer noch schaffen, jeden Zusammenhang von Jagd und Waldschäden zu verleugnen", ärgert sich der Waldbesitzer, der selbst auch Jäger ist. Auch in das jüngst in NRW erlassene Jagdgesetz seien vielfältige Jagdhemmnisse eingebaut worden, die den Unterhalt hoher Wildbestände begünstigten, so Konstantin von Wrede. Er setzt sich dafür ein, in den nächsten Jahren die bundesweit überhöhten Wildbestände auf ein Maß zu reduzieren, das eine normale Waldentwicklung möglich mache. „Wenn der nachwachsende Wald eine Höhe hat, die von den Rehen nicht mehr weggebissen werden kann, kann der Wald auch wieder mehr Rehwild ertragen", meint von Wrede. "Der Wald hat für uns alle Bedeutung" „Wie viele Baumarten der jüngsten Generation findet man in einem Wald mit angepassten Wildbeständen? Wie viele findet man in einem konventionell bejagten Wald mit hohem Jagdwert, wie man das nennt? In Willebadessen kann man sich beides ansehen, so deutlich wie selten zuvor", urteilt Konstantin von Wrede, der für den Erholungsort Willebadessen den besonderen Wert der Waldlandschaft herausstellt. „Der Wald ist kein Nutzwald, der hat für uns alle viel mehr Bedeutung", so von Wrede. Ob es in Zukunft in Willebadessen noch einen Wald gibt, wie ihn Touristen, Erholungssuchende oder Sportler lieben, das hängt für Konstantin von Wrede auch davon ab, wie Wald und Wild in Einklang gebracht werden können. „Der Wald wird sich gut entwickeln, auch mit verändertem Klima. Aber wir müssen ihn sich entwickeln lassen. Und das geht nur mit einem modernen Jagdverständnis, in dem die Jagd keinen Selbstzweck erfüllt, sondern sich in ihrer Intensität an der Entwicklungskraft des Waldes orientiert", betont Konstantin von Wrede. Im Umfeld im Stadtwald und an vielen Stellen bundesweit sei der Wald jedoch nicht mehr als „eine Kulisse für die Jagd", kritisiert der Waldbesitzer, der von einer ernsten Krise in der Forstwirtschaft spricht.

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